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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Historische Litteratur

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Historische Litteratur (Italien, Frankreich).

lichkeit vom ultramontanen Standpunkt aus. Unparteiisch, aber etwas oberflächlich ist das Buch von Ugo Balzani, »The popes and the Hohenstaufen« (Lond. 1889). Die Vorgänge bei der bekanntlich bald beanstandeten Wahl des Papstes Urban VI. hat der Abbé L. Gayet in »Le grand schisma d'occident« (St.-Etienne 1889, Band 1) einer eingehenden Untersuchung unterworfen und veröffentlicht darüber die im Vatikan gefundenen Akten (in Übersetzung); auch er halt die Wahl für unrechtmäßig, vermag uns aber nicht zu überzeugen, da er es unterlassen hat, die von ihm abgedruckten Quellen auf ihre Glaubwürdigkeit hin zu prüfen. Dagegen bietet Pasolini, »I tiranni di Romagna e i papi nel medio evo« (Imola 1888), eine geschickte Zusammenstellung der Kämpfe, welche den Päpsten am Schlusse des Mittelalters den Besitz der Romagna eintrugen.

Italien. Für einen weitern Leserkreis ist bestimmt des Grafen A. F. v. Schack »Geschichte der Normannen in Sizilien« (Stuttg. 1889, 2 Bde.), eine recht brauchbare populäre Darstellung aus der Feder des bekannten Dichters, der mit dem Schauplatz der Begebenheiten und der arabischen Litteratur wohl vertraut ist. Weniger wegen seiner Darstellung, die nicht frei von Voreingenommenheit gegen Frankreich ist, als wegen des darin veröffentlichten ungedruckten Materials verdient E. Parri, »Vittorio Amedeo II. ed Eugenio di Savoia nelle guerre della successione spagnuola« (Mail. 1888) erwähnt zu werden; der Verfasser schildert übrigens die Ereignisse bis zum Tode des Prinzen Eugen (1736). Mit der Jugend des Prinzen Karl Albert von Savoyen-Carignan, des spätern Königs, beschäftigen sich zwei Schriften: Costa de Beauregard, »Prologue d'un règne. La jeunesse du roi Charles-Albert« (Par. 1889), und D. Perrero, »Gli ultimi Reali di Savoia del ramo primogenito ed il principe Carlo Alberto di Carignano« (Turin 1889). Der erstere benutzt die Aufzeichnungen des Chevalier Sylvano Costa und legt mehr Wert auf eine pikante Darstellung (sie ist aus Zeitungsaufsätzen entstanden) als auf historische Gründlichkeit; Perrero, der mit Glück gegen ihn polemisiert, widerlegt die von ihm vorgetragene Behauptung, daß die Königin Maria Theresia, Viktor Emanuels I. Gemahlin, gegen des Prinzen Nachfolge in Piemont gewirkt habe.

Frankreich. Nach dem Vorbild der deutschen Quellenkunde von Dahlmann-Waitz hat G. Monod in der »Bibliographie de l'histoire de France« (1888) eine solche für Frankreich bis zum Beginn der französischen Revolution entworfen. Aus dem Mittelalter erwähnen wir hier nur die Schrift von R. Davidsohn, »Philipp II. August und Ingeborg« (Stuttg. 1888), worin nachgewiesen wird, daß der König zur Verstoßung und Wiederannahme seiner Gattin nur durch politische Rücksichten bestimmt wurde; ferner das auf gründlichen Studien beruhende und glänzend illustrierte Buch von H. F. Delaborde, »L'expédition de Charles VIII en Italie« (1888). A. de Ruble, »Le traité de Cateau-Cambresis« (1889), behandelt den Frieden von 1559 und seine Durchführung in den beteiligten Staaten. E. Marcks, »Die Zusammenkunft von Bayonne« (Straßb. 1889), widerlegt die Annahme, daß damals schon (Juni 1565) zwischen Katharina von Medici, Alba etc. Verabredungen über das Blutbad der Bartholomäusnacht getroffen wurden. Der Graf von Gontaut-Biron hat die Korrespondenz seines Vorfahren Jean de Gontaut-Biron, Baron de Salignac, herausgegeben, der 1605-10 Gesandter Frankreichs bei der Pforte war. H. Chotard, »Louis XIV, Louvois, Vauban et les fortifications du nord de la France« (1890), schildert die Entstehung der Festungen im Nordosten Frankreichs nach Briefen von Louvois an den Ingenieur de Chazerat. Eine Darstellung der französischen Politik im Zeitalter Ludwigs XIV. hat A. Legrelle begonnen, dessen Werk »La diplomatie française et la succession d'Espagne« im ersten Bande: »Le premier traité de partage« (1888) die Zeit von 1668, dem Teilungsvertrag zwischen Ludwig und dem Kaiser, bis zum Frieden zu Ryswyk behandelt. Obwohl der Verfasser den umfangreichen Stoff völlig beherrscht und recht gewandt schreibt, so beeinträchtigt er doch die Glaubwürdigkeit seiner Ergebnisse durch Mangel an Unparteilichkeit. Um so anerkennenswerter ist die Unbefangenheit, mit der M. de Vogué, »Villars d'après sa correspondance et des documents inédits« (Bd. 1 u. 2, 1888), seinen Helden beurteilt; mit Recht nimmt er ihn gegen die Angriffe von Saint-Simon in Schutz und weist auf Villars' große militärische Tüchtigkeit hin, während er ihm als Diplomaten nur geringe Befähigung zuerkennen kann. Neues Material zur Kenntnis der französischen Revolution bringt der 3. Band der »Papiers de Barthélemy, ambassadeur de France en Suisse 1793-94« (hrsg. v. J. Kaulek, 1888) vom republikanischen und die »Mémoires et souvenirs du Baron Hyde de Neuville« (1888-90, 2 Bde.) vom royalistischen Standpunkt aus. Die Gründe für das Mißglücken der Landung der Franzosen in Irland erörtert G. Escande, »Hoche en Irlande« (1888). H. Welschinger, »Le duc d'Enghien« (1888), weist nach, daß Napoleon allein die Schuld an der Erschießung des Herzogs trifft. Eine durch ihre Objektivität ausgezeichnete Biographie Mirabeaus hat Alfred Stern geliefert (Berl. 1889, 2 Bde.), der auf die sittlichen Schwächen des genialen Mannes hinweist. Neues Material zur Beurteilung Talleyrands liefern zwei Publikationen: »La mission de Talleyrand à Londres en 1792« (1889), seinen Briefwechsel mit dem auswärtigen Ministerium, dem General Biron u. a. enthaltend, hat E. Pallain zum Herausgeber, die »Lettres inédites de Talleyrand à Napoléon 1800-1809« (1889) sind von P. Bertrand veröffentlicht. H. Welschinger, »Le divorce de Napoléon« (1889), weist die Unrechtmäßigkeit der Scheidung von Josephine nach. Die Memoiren des Grafen von Rochechouart, welche sein Sohn unter dem Titel: »Souvenirs de la Révolution, l'Empire et la Restauration« (1889) veröffentlicht hat, enthalten manche interessante Einzelheiten über den russischen Krieg und den Feldzug von 1813, zumal über die Anschauungen Bernadottes, den der Graf im Auftrag des russischen Kaisers aufsuchte; sie enden 1834 und sind meist zwischen 1840 u. 1850 verfaßt. Eine wertvolle Ergänzung zu dem Werke der Lady Blennerhassett nach der politischen Seite hin bildet die Biographie der Madame de Staël von A. Sorel (1890). Seit 1885 läßt P. Thureau-Dangin eine »Histoire de la monarchie du Juillet« erscheinen, die in Band 5 (1889) bis zum Jahre 1845 gediehen ist; trotz der etwas parteiischen Haltung des Verfassers ist das Werk besonders für die Kenntnis der innern Geschichte Frankreichs von großem Werte. Den Briefwechsel des 1842 verstorbenen Herzogs von Orléans und das Tagebuch über seine Feldzüge in Algerien haben seine Söhne, der Graf von Paris und der Herzog von Chartres, 1889-90 veröffentlicht. Marschall Randon, den man sonst für den Verfall des französischen Heeres unter Napoleon III. verant-^[folgende Seite]