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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Italienische Litteratur

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Italienische Litteratur (Geschichte, Biographie).

Geschichte. Biographie.

Besonders reich war die i. L. der letzten fünf Jahre an historischen Werken, und unter diesen nehmen wieder die über die neuere Geschichte Italiens an Zahl wie an Wert den ersten Rang ein. Memoiren, Briefe und andre biographische Arbeiten in Bezug auf die Männer, welche in den letzten 50 Jahren eine bedeutende politische Rolle gespielt haben, sind in großer Zahl erschienen. Als die wichtigsten darunter sind zu nennen: B. Chialas Ausgabe der »Briefe des Grafen Cavour«, welche im J. 1887 mit dem 6. Bande zum Abschluß kam und auch ins Deutsche übertragen wurde; Domenico Bertis »Il conte di Cavour avanti il 1848« (Rom 1886) und »Diario inedito con note autobiografiche del conte di Cavour« (1888); Nicomede Bianchis »La politique du comte de Cavour«. Eine Parallele Cavours und des Fürsten Bismarck schrieb Filippo Mariotti. Von geringerm Interesse, aber doch recht wertvoll sind die Denkwürdigkeiten und Reden Marco Minghettis (»Discorsi parlamentari« und »Miei Ricordi«, 1888 u. 1889) und die von Chiala herausgegebenen »Ricordi« Michelangelo Castellis aus den Jahren 1847-75.

Die Briefe Bettino Ricasolis von 1829 bis 1861 gaben Marco Tabarrini und Aurelio Gotti, die Massimo d'Azeglios Giovanni Faldella und Nicomede Bianchi heraus. Mit dem 1890 erschienenen sechsten Bande gelangte auch die von A. Carraresi herausgegebene Korrespondenz Gino Capponis zum Abschluß. Endlich sind auch (1888) die lange erwarteten, sehr interessanten, aber doch die großen Erwartungen nicht ganz befriedigenden, nur bis 1872 reichenden Memoiren Garibaldis erschienen. Erwähnung verdienen ferner noch: »Memorie di Mariano d'Ayala e del suo tempo« (1886), »Ricordi di Ercole Ricotti« (1886) und »Memorie e lettere di Federico Confalonieri« (1890).

Die allgemeine Geschichte ihres Vaterlandes oder einzelne Episoden derselben behandelten in gründlicher Weise: Nicomede Bianchi in seiner »Storia della Monarchia piemontese«, Dom. Perrero in den zur Widerlegung von Costa di Beauregand ^[richtig: Beauregard (= Charles-Albert Costa de Beauregard, 1835-1909)] geschriebenen »Gli ultimi Reali di Savoja del ramo primogenito ed il Principe Carlo Alberto di Carignan« (1889), Vittorio Bersezio in seinem zu groß angelegten »Regno di Vittorio Emanuele II«, dessen vierter Band 1889 erschien, G. Vicini (»La rivoluzione dell' anno 1831 nello Stato Romano«, Imola 1889), C. Casati (»Nuove rivelazioni sui fatti di Milano nel 1847-48«) und Vittorio Ottolini (»La rivoluzione lombarda del 1848 e 1849« und »Le cinque giornate milanesi«, Mail. 1887 u. 1889). Muratoris, von Coppi fortgesetzte »Annali d'Italia« fanden seit 1888 einen zweiten Fortsetzer in Isaia Ghiron. Mehr popular, aber doch nicht oberflächlich gehalten sind Niccolò Niscos »Storia d'Italia dal 1814 al 1880« und dessen »Gli ultimi 36 anni del Reame di Napoli« sowie Francesco Carranos »Ricordanze storiche del risorgimento italiano«. In Francesco Bertolinis »Storia del risorgimento italiano« scheint fast mehr Gewicht auf die schönen Illustrationen als auf den Text gelegt zu sein; doch ist auch dieser interessant und von ernsten Studien zeugend. Liebevolle Biographen fanden der Staatsmann Quintino Sella in seinem treuen Freunde Alessandro Guiccioli, der Exkönig von Spanien, Prinz Amadeus von Savoyen, in Oscar Pio und die Familie Morelli in Raffaele de Cesare, dessen »Una famiglia di patriotti« fast eine vollständige Geschichte der revolutionären Bewegungen in Kalabrien bildet. Die Geschichte Italiens in den vergangenen Jahrhunderten bearbeiteten G. Raccioppi in seiner »Storia dei pepoli della Lucania e della Basilicata« und G. Tamasia in »Longobardi, Franchi e Chiesa romana« in gründlicher Weise. A. Galanti unterzog die verschiedenen Meinungen über die Ansiedelung der Deutschen südlich der Alpen in »I Tedeschi sul versante meridionale delle Alpi« einer genauen Untersuchung, und M. Schipa lieferte eine wertvolle Monographie über Karl Martell von Neapel.

Isidoro del Lungo brachte mit dem dritten Bande (1887) seine musterhafte Arbeit über Dino Compagni und dessen Chronik zum Abschluß, der er seine nicht minder gründliche Arbeit über Dante (»Dante ne' tempi di Dante«, 1888) folgen ließ. Gründlich, aber zu ausführlich behandelte Carlo Falletti die Belagerung von Florenz im J. 1530. Über historische Personen, die durch Meisterwerke der Dichtung unserm Interesse näher gebracht wurden, lieferten auf archivalischen Forschungen beruhende Arbeiten: Antonio Gavazzo (»Nuovi documenti sulla congiura del conte G. L. Fieschi«, 1886), der 1887 verstorbene Giuseppe Campori (»Lucrezia e Leonora d'Este«, mit Nachträgen von Angelo Solerti 1888 herausgegeben) und Antonio Battistella mit seinem nicht ganz unparteiisch behandelten »Conte di Carmagnola« (1889). In Battistellas »Ritagli e Scampoli« (1890), in denen sich auch einige Nachträge zum Carmagnola finden, ist der Essay über König Theodor von Corsica am interessantesten. Eugenio Musatti lieferte in seiner »Storia della promissione ducale« (1888) einen wichtigen Beitrag zur Verfassungsgeschichte der Republik Venedig, aus deren Glanzzeit G. Molmenti in »La dogaressa di Venezia« (2. Aufl. 1887) lebhafte Schilderungen gab. Über den Untergang der Republik schrieben Edmondo Bonnel (»La caduta di una republica«, 1886) und Eduard Vecchiato (»Un principe debole« [Manin], 1888). Eine recht gute Arbeit über Corsica lieferte Giovanni Livi mit seinem »La Corsica e Cosimo I dei Medici« (1886). Dagegen hat seine Schrift über Napoleon auf Elba (1888) nur geringen Wert. Eine Geschichte der italienischen Kriegsmarinen seit 1750 schrieb Randaccio (1886).

Zur Geschichte des Papsttums und des Kirchenstaats lieferten wichtige Beiträge: F. Scaduto (»Stato e Chiesa nelle Due Sicilie«, 1887) und P. Pinton in einer manche neue Gesichtspunkte bietenden Arbeit über die Entstehung der weltlichen Papstherrschaft (»Le donazioni barbariche ai Papi«, 1890). Giov. Sforza lieferte eine urkundliche Familiengeschichte Nikolaus' V., und F. X. Krauß gewährte uns durch die Herausgabe der »Briefe Benedikts XIV.« (Freiburg 1884) einen interessanten Einblick in das Gemütsleben eines der besten Päpste.

P. Villari gab (1887-88) eine neue vermehrte und verbesserte Ausgabe seines »Savonarola« und Giuseppe Cimbali aus Bronte widmete seinem Landsmann Nicola Spedalieri, einem liberal-katholischen Publizisten des vorigen Jahrhunderts, eine vom eifrigsten Lokalpatriotismus beseelte zweibändige Biographie (1888). In einem gar zu umfangreichen, reichlich mit Dokumenten ausgestatteten Werke schilderte Carlo Malagola den Kampf des Kardinals Alberoni mit der Republik von San Marino (1886). Das im Juni 1888 gefeierte Jubiläum der Universität Bologna rief eine Menge von Publikationen hervor, von denen jedoch die meisten entweder streng fachwissenschaftliche oder aber oberflächliche Gelegenheitsschriften sind. Ein bedeutendes Werk verspricht R. Bonghis »Geschichte von Rom« zu werden, von der der zweite, bis zum Jahre 300 der Stadt reichende, auch die Quel-^[folgende Seite]