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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karl; Karoline; Karr; Karte; Kaselowski; Kaserne

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Karl - Kaserne.

Karl, 33) K. V. Leopold, Herzog von Lothringen, österreich. Feldmarschall. Ihm zu Ehren erhielt 1888 das österreichische Dragonerregiment Nr. 7 seinen Namen.

39) K. Ludwig Johann, Erzherzog von Österreich. Vgl. Zeißberg, Erzherzog K. und Prinz Hohenlohe-Kirchberg 1792 (Wien 1888).

52) K. Albert, König von Sardinien. Vgl. Costa de Beauregard, Les dernières années du roi Charles Albert (Par. 1890); Perrero, Gli ultimi reali di Savoia etc. (Turin 1889).

68) (Don Carlos), Infant von Spanien. Vgl. Graf de Mouy, Don Carlos et Philippe II (Par. 1887, von der Akademie preisgekrönt).

69) K. XII., König von Schweden. Vgl. Axelson, Bidrag till kännedomen om Sveriges tillstånd på Carl XII. 's tid (Wisby 1888).

Karoline, 1) K. Mathilde, Königin von Dänemark. Vgl. de Lagrèze, La reine Caroline-Mathilde et le comte Struensée (Par. 1887).

Karr, Alphonse, franz. Schriftsteller, starb 30. Sept. 1890 in Saint-Raphael bei Nizza.

Karte (Briefkarte), im posttechnischen Dienstbetrieb das Verzeichnis der von einer Postanstalt einer andern in einem Kartenschluß (s. unten) überwiesenen Versendungsgegenstände, zeigt das auf den Sendungen haftende Porto, die Natur der Sendungen (gewöhnliche Briefe, Einschreib- und Geldbriefe) sowie die Zeit der Absendung. Je nachdem die K. nur die Liste der gewöhnlichen Briefe (summarisch) und der Einschreibbriefe (einzeln aufgeführt) oder die Liste der Wertbriefe, Wert- und Einschreibpakete enthält, heißt sie Briefkarte oder Geldkarte. Kartenschluß heißt der zwischen zwei Postanstalten nach Maßgabe des Bedürfnisses verabredete Austausch von Postsendungen in geschlossenen Paketen oder Beuteln, deren Inhalt in der begleitenden Karte spezifiziert ist.

Kaselowski, August, Maler, starb 4. Jan. 1891 in Berlin.

Kaserne. Als Begründer des Kasernenbaues ist Vauban zu betrachten, der 1680 ein bis in die neueste Zeit gültiges System entwarf. Zu beiden Seiten einer Treppe lagen in jedem Stockwerk je zwei Wohnräume, einer nach vorn, einer nach hinten, voneinander getrennt durch eine parallel zu den Seitenwänden verlaufende Scheidewand. Später ließ man letztere fallen und erreichte dadurch bessere Lüftung der Zimmer. Nach dem System Belmas verlief in der Mitte der K. anstatt der Scheidewand ein Korridor, der dunkel, gar nicht zu ventilieren war und die aus den einzelnen Stuben stammende schlechte Luft den andern mitteilte. Dies System wurde 1874 in Frankreich eingeführt, wo bis dahin das Vaubansche geherrscht hatte. Beim spanischen System, bis vor kurzem in Preußen und Österreich gebräuchlich, lief ein Gang an der Hofseite der Gebäude in jedem Stockwerk rings um den Hof, und an diesem Gange lagen sämtliche Zimmer. In Preußen reduzierte man die Zimmertiefe und machte den Gang breit und durch zahlreiche Fenster ventilierbar. 1874 aber nahm man den linearen Typus an, der eine wesentliche Verbesserung repräsentiert. Ein geradliniges Gebäude darf senkrecht gestellte Flügel erhalten, die aber den dritten Teil der Länge des Hauptgebäudes nicht überschreiten sollen; anderweitige Anbauten sind zu vermeiden, müssen jedenfalls so kurz und niedrig bemessen sein, daß sie sich nicht gegenseitig Luft und Licht wegnehmen. Dies System gewahrt allseitigen freien Luftzutritt, gestattet die Orientierung nach der entsprechenden Himmelsrichtung, die Anlage von Ställen und Latrinen nach der herrschenden Windrichtung. Kommen hierzu noch zweckmäßige Disposition der innern Räume, Trennung von Wohn- und Schlafräumen (bisher nur in den sächsischen und nordamerikanischen Kasernen, früher in den alten hannöverschen), besondere Waschräume, Eßsäle, Putzräume, so lassen sich nach diesem System vortreffliche Kasernen erbauen, welche z. B. bei Dresden eine ganz bedeutende Herabminderung der Sterblichkeit herbeigeführt haben. Immerhin haften auch diesen Kasernen die Nachteile des Zentralisationssystems an, welches keine weitere Befürwortung verdient. In Frankreich hat man noch in neuester Zeit Kasernen für 2-3000, selbst für 5000 Mann gebaut, in Deutschland sind seit 1874 nur drei Stockwerke zulässig, und in einem Gebäude sind nicht mehr als die Mannschaften eines Bataillons unterzubringen. Der Luftkubus für einen Mann beträgt 15-16 cbm bei einer Grundfläche von 4,59 m, doch ist dies kein Ersatz für die nicht ausreichend herzustellende Ventilation. Indem die Mannschaften in demselben Raum wohnen, essen, schlafen, putzen, findet eine starke Verunreinigung statt, welche sich in dem bekannten Kasernengeruch zu erkennen gibt. Die Erkrankungs- und Sterblichkeitsstatistik führt eine beredte Sprache und hat deutlich gezeigt, wie wertvoll die eingeführten Verbesserungen sind, aber auch, daß dieselben noch nicht ausreichen.

Die schlechten Gesundheitszustände in der englischen Armee veranlaßten die Einsetzung einer Kommission, welche 1861 das Dezentralisations- oder Blocksystem vorschlug. Nach diesem bilden mehrere kleine Gebäude, Blöcke oder Pavillons das Kasernement eines Truppenteils. Die einzelnen Gebäude sollen mindestens um den Betrag ihrer Hose voneinander entfernt stehen, sie bestehen nur aus einem einzigen Raume ohne Gänge und mit Fenstern an beiden Langseiten. Anfänglich einstöckig, hat man diese Kasernen später zweistöckig gebaut. Der Einfluß dieser durchgreifenden Reform spricht sich deutlich in der Verminderung der Sterblichkeit aus. Dieselbe betrug 1826-46 durchschnittlich 17,8, jetzt nur 8,43 pro Mille. Die Sterblichkeit an Schwindsucht ist von 7,8 auf 2,5 pro Mille gesunken. In Frankreich stellte Tollet 1875 ein ähnliches System auf. Jeder Block, im Durchschnitt spitzbogig behufs vollster Ausnutzung des Raumes bei kleinstem Materialaufwand, soll nur erdgeschossig und für höchstens 70 Mann berechnet sein. Die Blöcke sind untermauert und bestehen aus einem Gerippe von Eisen; die Felder werden durch Hohl- oder Vollziegel in Zementmörtel ausgefüllt. Das Material soll unverbrennlich und so beschaffen sein, daß es sowohl durch Waschen als durch flammendes Feuer gereinigt werden kann. Ferner fordert Tollet Bau der Kasernen außerhalb der Städte, Zerstreuung der Wohngebäude auf eine Fläche von mindestens 50 qm auf den Kopf, vollständige Trennung von Ställen, Küchen, Krankenstuben etc., 3,5 qm Grundfläche und 22 cbm Luftraum für den Infanteristen, bez. 4,2 qm und 25 cbm für den Kavalleristen, besondere Wasch- und Baderäume, eine innere Einrichtung, welche gründlichste Reinigung gestattet, etc. Das Tolletsche System läßt sich jedem Klima anpassen und auch zu Improvisationen verwenden. Die Ventilation soll durch zweckmäßig verteilte Öffnungen herbeigeführt, Porosität der Wände dagegen vermieden werden, um Einlagerung organischer Substanzen zu vermeiden. Die innere Oberfläche der Wand ist daher völlig glatt und ganz undurchdringlich für Luft. Jeder Pavillon besitzt in der Mitte einen Vorraum