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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kennan; Keppler; Kerdyk; Kern; Kesselstein; Keyser; Khereddin Pascha; Khevenhüller; Kiefer

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Kennan - Kiefer.

burg zuerst die Rechte und Staatswissenschaften, dann Geschichte und Philosophie, erwarb 1872 in Marburg die philosophische Doktorwürde, trat 1874 in den Archivdienst und wurde Assistent am Archiv der Provinz Westfalen zu Münster, dessen Vorstand er 1881 wurde; seit 1888 ist er Archivrat. K. schrieb: »Der zweite Punische Krieg und seine Quellen« (Marb. 1875); »Geschichte der Wiedertäufer und ihres Reichs zu Münster« (Münst. 1880); »Die Gegenreformation in Westfalen und am Niederrhein« (Leipz. 1881-87, 2 Bde.); »Ein Apostel der Wiedertäufer« (Hans Denck, das. 1882); »Die Reformation und die ältern Reformparteien« (das. 1885); »Die Waldenser und die deutschen Bibelübersetzungen« (das. 1886); »Zur Geschichte der altevangelischen Gemeinden« (Berl. 1887, ins Holländ. übersetzt 1888); »Johann v. Staupitz und die Anfänge der Reformation« (Leipz. 1888) und zahlreiche Abhandlungen in Zeitschriften.

Kennan, George, Reisender, geb. 16. Febr. 1845 zu Norwalk im nordamerikan. Staat Ohio, arbeitete sich aus dürftigen Verhältnissen zum höhern Telegraphenbeamten in Cincinnati empor und machte 1864 seine erste Forschungsreise über Nicaragua und Kalifornien nach Kamtschatka. 1865-68 nahm er an der amerikanischen Kabelexpedition nach Alaska und Sibirien teil und veröffentlichte nach seiner Rückkehr das ethnographisch interessante Buch: »Tent life in Siberia« (1870; deutsch: »Zeltleben in Sibirien«, Berl. 1890). Im Auftrag der Zeitschrift »Century Magazine« führte er 1870-71 eine Forschungsreise nach dem Südosten Rußlands aus, wobei er die untere Wolga und das Kaspische Meer befuhr, den Kaukasus dreimal überschritt und besonders der Erforschung Daghestans längere Zeit widmete. 1885-86 bereiste er mit dem Maler G. A. Frost, der nach seiner Rückkehr infolge des Erlebten wahnsinnig wurde und bald darauf starb, das nordöstliche Rußland und Sibirien, um besonders das russische Verbannungssystem gründlich kennen zu lernen. Auf dieser Reise legte er einen Weg von über 15,000 engl. Meilen zurück, wobei er fast alle Gefangenstationen und Bergwerke zwischen dem Ural und den Quellen des Amur und die wildesten Teile des russischen Altai besuchte. Seine zuerst im »Century Magazine« 1889-90 veröffentlichten Schilderungen über die letzten Reisen erregten großes Aufsehen und erschienen in deutscher Übersetzung von Kirchner unter dem Titel: »Sibirien« (Berl. 1890, 2 Tle.).

Keppler, Joseph, nordamerikan. Zeichner, geb. 1. Febr. 1838 zu Wien als Sohn eines Konditors, besuchte die Akademie der bildenden Künste in Wien, durchzog, als sein Vater wegen seiner Beteiligung an der Revolution 1848/49 nach Amerika geflohen war, auf sich selbst angewiesen, mit einem Photographen als dessen Retoucheur Österreich, Tirol und Oberitalien, schloß sich dann einer wandernden Schauspielergesellschaft an und kam mit dieser nach Wien zurück, wo er sich teils am k. k. Josephstädter Theater, teils als Maler von Photographien seinen Lebensunterhalt verdiente, bis ihn 1865 ein Brief seines 17 Jahre verschollen gewesenen Vaters nach Amerika rief. Dort versuchte er es zunächst als Schauspieler und Schauspieldirektor in St. Louis, fing darauf mit einem deutsch-amerikanischen Schriftsteller die »Vehme«, ein humoristisches illustriertes Blatt, an, das aber nach Jahresfrist einging, und gab dann mit einem andern zusammen den »Puck«, eine ähnliche Zeitschrift, heraus. Nach dem Tode seines Teilhabers wandte sich K. nach New York, wirkte drei Jahre lang als Zeichner in dem Verlagshaus von Frank Leslie und gründete danach gemeinsam mit A. Schwarzmann die humoristisch-satirische Wochenschrift »Puck«, das erste Blatt, welches in Amerika mit farbigen Illustrationen erschien und besonders durch die meisterhaften Zeichnungen Kepplers sowie die Leitgedichte des Redakteurs Schenck (s. d.) einen gewaltigen Abonnentenkreis gewann, und schon nach einem halben Jahre zugleich in englischer Sprache erscheinen konnte.

Kerdyk, Arnold, niederländ. Staatsmann, geb. 24. Mai 1846 zu Rotterdam, erwarb nach zurückgelegten Studien 1873 den Doktorgrad der Rechte, war 1873-80 Schulinspektor in Südholland, begründete 1880 die Reichspostsparkasse, wurde im folgenden Jahr Sekretär der Gemeinnützigen Gesellschaft (Tot Nut van 't Algemeen) und ist seit 1887 Mitglied der Zweiten Kammer. Er schrieb: »Leerplichtigheid« (Utr. 1870); Aufsätze über Volksunterricht, Arbeitergesetze, Sparkassen etc. und redigiert seit 1887 das von ihm begründete »Sociaal Weekblad«.

Kern, Karl August, Männergesangskomponist, geb. 23. Dez. 1836 zu Bobenhausen (Oberhessen), lebt als Lehrer und Organist in Laubach. Schrieb viele Männerchöre, auch Kinderlieder, Werke für Orgel und Pianoforte.

Kesselstein. Wenn in einem Siederöhrenkessel, z. B. Lokomotivkessel, sich K. abgesetzt hat, so müssen die Siederöhren herausgenommen und vom K. gesäubert werden. Diese Reinigung wollen Schneider u. Helmecke mit einer Maschine vornehmen, welche folgendermaßen eingerichtet ist. Zwei cylindrische Zahnräder mit schrägen oder im Winkel gebrochenen Zähnen (Schrägzahn- oder Winkelzahnräder) sind auf parallel gelagerten Achsen angebracht und zwar in solcher Entfernung, daß sie sich nicht berühren, jedoch der zu reinigenden Röhre, wenn sie parallel zu den Radachsen zwischen den Rädern eingelegt wird, als Stütze dienen. Die beiden Räder drehen sich nach derselben Richtung, was dadurch erreicht wird, daß um die Riemenscheiben, deren jede Radachse eine trägt, ein Riemen gelegt ist, der von einer Transmissionswelle seine Bewegung empfängt. Mitten über den Rädern befindet sich eine mit mehreren Rillen versehene Rolle, deren Achse etwas schräg zur Achse der Räder und der Siederöhre in einem federnden Gabelhebel gelagert ist, der diese Rolle kräftig gegen die Siederöhre und diese zwischen die Zahnräder hineinpreßt. Durch die Zahnräder wird bei der Drehung der K. abgerieben und zugleich die Röhre um ihre Achse gedreht, indem sie dabei die Rillenrolle durch Reibung mitnimmt. Die schräge Stellung der Rolle verursacht hierbei, daß die Röhre während der Drehung auch eine Vorwärtsbewegung in der Richtung der Achse, also im ganzen eine schraubenförmige Bewegung, erhält, so daß sie, mit einem Ende zwischen die Räder und die Rolle gebracht, von selbst bis zum andern Ende hindurchläuft und gereinigt wird.

Keyser, 4) Nicaise de, holländ. Maler. Vgl. Hymans, Notice sur la vie et les traveaux de Nicaise de K. (Brüssel 1889).

Khereddin Pascha, türk. Staatsmann, starb 30. Jan. 1890 in Konstantinopel.

Khevenhüller, Ludwig Andreas, Graf von. Ihm zu Ehren erhielt 1888 das österreichische Infanterieregiment Nr. 7 seinen Namen.

Kiefer (Pinus silvestris). Verbreitung. Dieser in Deutschland als einheimisch und verbreitet bekannte Waldbaum wird von dänischen Forschern als eingeführte Forstpflanze betrachtet, und es fragt sich daher, wo die Grenze seiner natürlichen Verbreitung