Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Klima Deutschlands

481

Klima Deutschlands (Temperaturverhältnisse).

Königsberg 6,6°, Krefeld 9,3°, Köln 10,1°, Kreuznach und Frankfurt a. M. 9,8°, Kassel 8,6°, Brocken 2,4°, Leipzig 8,5°, Berlin 9,0°, Arys 6,3°, Posen 7,9°, Breslau 8,3°, Mannheim 10,5 °, Karlsruhe und Straßburg 10,2°, Ulm und Regensburg 8,2°, München 7,5° C.

Bei diesen Zahlen ist wohl zu berücksichtigen, daß die Temperatur mit der Erhebung abnimmt und zwar um rund 0,5° für je 100 m Höhe. Dieses ist bei der Konstruktion unsrer Isothermenkarten berücksichtigt worden, indem für je 100 m Seehöhe 0,5° dem Mittel hinzugefügt wurden (Reduktion aufs Meeresniveau, vgl. Lufttemperatur, Bd. 10, S. 994).

Betrachten wir nun unsre Karten, auf welchen die Isothermen oder die Verbindungslinien der Orte mit gleicher mittlerer Wärme für je 2 Grad und für die die Jahreszeiten repräsentierenden Monate dargestellt sind, so sehen wir im Januar, daß dieselben fast gänzlich von N. nach S. verlaufen, so daß also kein Unterschied der Wärme von N. nach S., dagegen ein erheblicher von W. nach O. vorhanden ist. Die Nullisotherme verläuft von Bremen über Magdeburg nach München, während die Isotherme von -4° an der ostdeutschen Grenze liegt. Im April haben die Isothermen eine westöstliche Lage, und nun tritt der Gegensatz zwischen N. und S. hervor, wogegen jener zwischen W. und O. verschwindet. Der Unterschied zwischen N. und S. beträgt in dieser Jahreszeit ungefähr 7°. Im Sommer haben die Isothermen fast dieselbe Lage wie im Frühjahr, nur sind die Frühjahrsisothermen nach dem hohen Norden gewandert, so daß die südlichste Isotherme von 12 auf 22° und die nördlichste von 5 auf 16° gestiegen ist. Im Oktober haben die Isothermen noch dieselbe Lage wie im Frühjahr und Sommer, nur sind sie weiter auseinander getreten, während ihr Wert sich verringert hat. Die südlichste Isotherme hat wie im Frühling den Wert von 12°, dagegen ist die nördlichste nur bis auf 8° herabgegangen, so daß also der Temperaturunterschied zwischen der Nord- und Südgrenze nur noch 4° beträgt.

Nachstehende Fig. 1 veranschaulicht den jährlichen Gang der Temperaturen für einige Stationen Deutschlands. Die beigeschriebenen Zahlen bedeuten die höchsten und niedrigsten mittlern Abweichungen der Monatstemperaturen vom Jahresmittel, so daß also die mittlere Jahresschwankung der Temperatur hieraus sofort hervorgeht. Man sieht die sehr große Übereinstimmung im Gange der Temperatur in der jährlichen Periode sowie die Zunahme der Jahresschwankung von W. nach O. und von N. nach S., anderseits die Abnahme derselben mit der Erhebung. Der tägliche Gang der Temperatur ist durch das Diagramm Fig. 2 dargestellt. Auch hier nimmt die tägliche Schwankung der Temperatur (Amplitude) von NW. landeinwärts zu. Die den Karten eingeschriebenen Zahlen geben die Extreme an, welche wir durchschnittlich in Deutschland in jedem Jahre zu erwarten haben; sie bieten einen Ausdruck für die mittlern absoluten Temperaturschwankungen in unserm Klima. Man sieht, die mittlern Kälteextreme halten sich zwischen -12° und -22°, am geringsten sind sie im nordwestlichen Deutschland, von dort aus nehmen sie nach dem Kontinent allenthalben zu; Ostdeutschland hat schon russische Minimaltemperaturen. Die mittlern Temperaturmaxima sind viel gleichmäßiger über das ganze Gebiet verteilt: im westdeutschen Binnenland steigen sie auf 34°, während sie im nordwestdeutsche Küstengebiet auf 28° herabsinken. Die absolute Jahresschwankung der Wärme ist also am geringsten im nordwestlichen Deutschland, wodurch sich dessen Klima als ein maritimes kennzeichnet im Gegensatz zu den ost- und südwärts gelegenen Gebietsteilen, die dem kontinentalen Klima angehören. Die höchsten und tiefsten Temperaturen, welche seit mehreren Jahren vorgekommen sind, gibt folgende kleine Zusammenstellung (tiefste Temperaturen eingeklammerte Zahlen): Borkum 32° (-15°), Sylt 33° (-14°), Hamburg 32,1° (-20°), Swinemünde 32° (-22°), Königsberg 38° (-30°), Hannover 30° (-28°), Kassel 37° (-27°), Berlin 36° (-26°), Ratibor 36° (-33°), Karlsruhe 36° (-22°), Augsburg 38° (-29°), München 38° (-30°). Diese Zahlen sind, streng genommen, nicht ganz miteinander vergleichbar, da bei obigen Stationen die Beobachtungsreihen voneinander verschieden sind.

Ein wichtiger klimatischer Faktor ist die Veränderlichkeit der Temperatur von Tag zu Tag. Um diese zu erhalten, addiert man die Unterschiede zwischen den täglichen Temperaturmitteln je zweier aufeinander folgender Tage und zwar ohne Rücksicht auf das Vorzeichen und dividiert die Summe durch die Anzahl der Tage. Diese Veränderlichkeit ist für Deutschland nach den Untersuchungen von Kremser aus folgender Tabelle zu ersehen:

^[Abb.: Fig. 1. Jährliche Periode der Temperaturabweichungen vom Jahresmittel- ----0.]

^[Abb.: Fig. 2. Täglicher Gang der Wärmeabweichungen vom Tagesmittel- ----0.]