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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kometen

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Kometen (der Winneckesche Komet; physische Veränderungen).

Refraktor der Lick-Sternwarte nur mit Mühe erkannt werden. Auch in Wien waren auf telegraphische Benachrichtigung die Begleiter B und C seit 4. Aug. beobachtet worden sowie noch ein dritter Begleiter, wahrscheinlich E. Spitaler glaubt außerdem am 5. und 7. Aug. eine alle Kerne umhüllende, gemeinsame schwache Nebelhülle bemerkt zu haben, was allerdings mit Barnards Beobachtungen im Widerspruch steht. In Pulkowa konnte man erst 20. Aug., nach Aufhören der hellen Dämmerung, die Nebenkometen beobachten. Doch waren im dortigen großen Refraktor nur B und C, nicht D und E sichtbar, dagegen bemerkten Renz und Blumenbach zwischen A und B, doch in einer um 30° von AB abweichenden Richtung, in ungefähr 1 Bogenminute Abstand von A eine schwache, nur hin und wieder aufleuchtende Verdichtung, welche weder auf der Lick-Sternwarte noch in Wien beobachtet worden ist. Die Begleiter B und C änderten seit Mitte August ihr Aussehen wesentlich. B wurde verwaschener und schwächer, verlor allmählich seinen Kern; auf der Lick-Sternwarte wurde er zuletzt 5. Sept. beobachtet, Spitaler in Wien aber glaubt noch 23. Okt. Spuren von ihm sowie von dem dritten Begleiter (E) bemerkt zu haben. Der Begleiter C dagegen nahm, während er sich langsam vom Hauptkometen entfernte, an Helligkeit zu und war 31. Aug. heller als der Hauptkomet; im September wurde er verwaschener, konnte aber noch 23. Okt. in Wien beobachtet werden. Es ergab sich sehr bald, daß der Hauptkomet eine elliptische Bahn beschreibt. Nach Knopf erreichte er seine Sonnennähe am 26. Sept., die große Halbachse der Bahn beträgt 3,686 Erdbahnhalbmesser, ihre Exzentrizität 0,471 und ihre Neigung 6° 4', die Umlaufszeit 7,075 Jahre. Ähnliche Elemente fand auch Chandler (Umlaufszeit 7,039 Jahre). Mit Benutzung der Chandlerschen Elemente des Hauptkometen hat Bredichin auch für die Begleiter C und E Bahnelemente mit Umlaufszeiten von 7,042 und 7,0348 Jahren berechnet, wobei er zugleich fand, daß die Teilung des K. in der Richtung der Bahnebene von statten gegangen sei; auch führte die Berechnung der Schnittpunkte der Bahnen von C und E mit derjenigen des Hauptkometen auf nahezu denselben, in der Nähe des Aphels gelegenen Punkt für die Loslösung der Begleiter. Es hat aber Chandler darauf aufmerksam gemacht, daß der Komet von Ende März bis Mitte Juli 1886 nicht über 0,1 Erdbahnhalbmesser vom Jupiter entfernt war, und daß er sich demselben Mitte Mai bis auf 0,061 näherte. Durch die Anziehung des Jupiter mußte aber die Bahn eine vollständige Umgestaltung erfahren, auch glaubt Chandler, daß damals die Teilung des K. erfolgt sei. Vor dieser Bahnumgestaltung betrug nach Chandlers Rechnung die Umlaufszeit 26,95 Jahre. Es waren daher vor 1886 vier Umläufe des K. ungefähr gleich neun Jupitersumläufen, und es muß sonach auch um 1779 eine starke Annäherung beider Himmelskörper stattgefunden haben. Da dies nahezu der Zeitpunkt der Umgestaltung der Bahn des Lexellschen K. durch den Jupiter ist, so vermutet Chandler, daß Brooks Komet mit dem Lexellschen (1770) identisch ist. 9) Komet 1889 VI, wie die vorigen teleskopisch 16. Nov. 1889 von Swift in Rochester entdeckt, gehört ebenfalls zu den periodischen K. mit kurzer Umlaufszeit. Doch weichen die von Zelbr und Searle berechneten Werte der letztern, nämlich 6,91 und 8,819 Jahre, beträchtlich voneinander ab. Von periodischen K. mit mittlerer Umlaufszeit seien erwähnt: Komet 1846 IV, von de Vico entdeckt, mit 75,71 Jahren (nach v. Hepperger); Komet 1852 III, von Westphal entdeckt, mit 60,6 Jahren (Westphal); Komet 1866 I, von Tempel entdeckt, mit 33,18 Jahren (Oppolzer); Komet 1867 I, von Stephan entdeckt, mit 33,62 Jahren (Searle); Komet 1880 I, auf der Kapsternwarte entdeckt, mit 36,91 Jahren (Meyer); Komet 1884 I, von Brooks 1. Sept. 1885 aufgefunden, im Dezember dem bloßen Auge sichtbar, identisch mit dem am 20. Juli 1812 von Pons entdeckten, dessen Periodizität schon Encke erkannte, mit 71,7 Jahren (Schulhof und Bossert); Komet 1885 III, von Brooks entdeckt, mit 49,6 Jahren (Campbell) Umlaufszeit.

Der periodische Winneckesche Komet bildet den Gegenstand einer umfänglichen Arbeit von E. v. Haerdtl, welche für die Entscheidung der Frage nach der Existenz eines widerstehenden Mittels von Interesse ist. Oppolzer war durch seine Rechnungen über die Erscheinungen dieses K. in den Jahren 1858, 1869 und 1875 auf eine Beschleunigung der täglichen Bewegung des K. geführt worden, also auf dieselbe Erscheinung, welche beim Enckeschen K. die Annahme eines widerstehenden Mittels veranlaßt hatte (Bd. 9, S. 977). Indessen erachtete Oppolzer seine Rechnungsergebnisse, bei denen er bloß genäherte Jupiter- und Saturnstörungen berücksichtigt hatte, nicht für genügend sicher, um darin eine Bestätigung der Enckeschen Hypothese zu finden. In der That hat auch Haerdtls Neuberechnung, welche sich auch auf die Zeit von 1875 bis 1886 erstreckt, und bei welcher die Störungen aller größern Planeten berücksichtigt sind, zu dem Ergebnis geführt, daß der Winneckesche Komet keinen Zuwachs der mittlern Bewegung von Umlauf zu Umlauf erleidet, eher eine geringe Abnahme. Auch diese läßt sich aber beseitigen, wenn man den in der Rechnung benutzten Wert der Jupitermasse ein wenig ändert, nämlich für denselben 1/1057,175 der Sonnenmasse setzt. Die Existenz eines widerstehenden Mittels im Weltraum wird also durch die Haerdtlsche Arbeit nicht bestätigt, aber doch auch nicht in Frage gestellt. Denn wenn ein widerstehendes Mittel vorhanden ist, so wird seine Dichte jedenfalls in der Nähe der Sonne am größten sein und in größerer Entfernung rasch abnehmen. Daher ist es wohl möglich, daß der Enckesche Komet, dessen Perihel innerhalb der Merkurbahn liegt (Abstand = 0,33 Erdbahnhalbmesser), eine Störung durch dieses Mittel erfährt, während der Winneckesche, dessen Perihel zwischen Venus- und Erdbahn fällt (Abstand = 0,77), nicht mehr beeinflußt wird.

Von großer Wichtigkeit für Erkennung der Natur der K. sind die physischen Veränderungen, welche neuerdings an einzelnen beobachtet worden sind. Zuerst sei hier der Komet 1888 I erwähnt, welcher 16. Febr. von Sawerthal auf der Sternwarte der Kapstadt mit bloßem Auge entdeckt wurde. Dieser Komet, für welchen Berberich eine Umlaufszeit von 2370 Jahren berechnet hat, war anfangs nur auf der südlichen Erdhalbkugel sichtbar, erst 12. März wurde er in Palermo beobachtet, wo er um die Zeit des Perihels (17. März) mit bloßem Auge wahrnehmbar war. Später wurde er auch in höhern Breiten sichtbar. In Wien erkannte ihn Kobold noch 4. Sept. als schwachen Nebel, und wahrscheinlich gehört zu ihm auch ein von Swift 24. Sept. beobachtetes nebeliges Objekt. Zuerst 19. März wurde nun in Nizza und Palermo neben dem Hauptkern 8. Größe noch ein Kern 11. Größe bemerkt; außerdem erkannte man 27. März in Rio de Janeiro noch einen dritten, sehr schwachen Kern. Alle drei Kerne