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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kriegsgeschichtliche Litteratur

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Kriegsgeschichtliche Litteratur (deutsch-französischer Krieg von 1870/71).

spondenten Hozier, welche den Feldzug in Böhmen zum Gegenstand hat; die Schriften, welche das Für und Wider der Kriegführung Lamarmoras behandeln, sind so zahlreich, daß wir nur auf ihr Vorhandensein hinweisen. Von den volkstümlichen Behandlungen haben die durch Th. Fontane (2. Aufl., Berl. 1871) und die durch A. Hiltl (4. Aufl., das. 1874) die meiste Verbreitung gefunden. Als eigenartig und mehr taktischer als geschichtlicher Belehrung dienend, sind die »Kritischen und unkritischen Wanderungen über die Gefechtsfelder in Böhmen« (Berl. 1872) von M. Kühne und als geistesverwandt »Die österreichische Nordarmee« (Potsd. 1876) von einem Ungenannten anzuführen.

Noch nie hat ein Krieg ein so umfangreiches Schrifttum ins Leben gerufen wie der deutsch-französische Krieg von 1870/71. Von den Nachweisen über dasselbe sei eine »Bibliographie de la guerre franco-allemande et de la Commune«, welche A. Schultz (Par. 1886) herausgegeben hat, erwähnt; sie nennt alle bis zum Jahre 1885 erschienenen französischen und deutschen Werke. Die festeste und zuverlässigste Grundlage für unsre Kenntnis der Begebenheiten gibt das von der Berliner Akademie der Wissenschaften mit dem großen Preise für Geschichtsschreibung ausgezeichnete Generalstabswerk, welches unter dem Titel: »Der deutsch-französische Krieg 1870-71« in 5 Bänden (Berl. 1874-81), reich ausgestattet mit Karten, Plänen und Skizzen, erschien. Dasselbe ist in das Französische, Englische, Russische, Italienische, Schwedische und Spanische übersetzt. Französisch erschien außerdem eine abgekürzte und mit Anmerkungen versehene Bearbeitung: »Guerre franco-allemande« von dem Eskadronschef Bonnet (Par. 1878-83). Der Große Generalstab selbst veröffentlichte einen »Gefechtskalender des deutsch-französischen Krieges 1870/71« (Berl. 1886), welcher die Teilnahme der Mitkämpfer bei den Ereignissen nachweist. Mit Bewilligung des Generalstabes verarbeitete W. Kocks die Darstellung des letztern für weitere Kreise in einem gleichnamigen Buche (Berl. 1878). Eine geistvolle Beurteilung des Generalstabswerkes und zugleich der Kriegführung findet man in den »Kritischen Versuchen« des preußischen Generals v. Hartmann (Berl. 1876); dieselben gehen bis zum Sturze des Kaiserreichs. Ein Versuch, durch knapperes Zusammenfassen des Inhalts eine für Studienzwecke geeignete Bearbeitung herzustellen, welche durch Herausgabe eines Auszugs: »Der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich 1870/71« (Berl. 1889, W. Pauli), unternommen wurde, hat keinen Erfolg gehabt, weil der Bearbeitung die Klarheit der Darstellung und die Zuverlässigkeit der Angaben fehlen, welche die Hauptvorzüge der Urschrift ausmachen. Gegen die letztere ist mit Recht der Vorwurf erhoben worden, daß sie nicht alle Teile ihrer Aufgabe in gleicher Ausführlichkeit behandelt. Das Eingehen auf Einzelheiten, welches in den ersten Teilen auch minder Wichtiges aufnehmen ließ, verliert sich immer mehr, so daß gegen das Ende des Werkes nur das Wesentliche verzeichnet ist. An ebenso wahrheitsgetreuen, aus amtlichen Quellen schöpfenden Einzelschriften, aus denen eine Ergänzung entnommen werden kann, fehlt es aber nicht. Dergleichen Bücher entstanden schon vor dem Beginn der Veröffentlichung des Generalstabswerkes und haben das Erscheinen desselben begleitet. Sie behandeln teils die Vorgänge auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen, teils die Geschichte einzelner Heereskörper und Waffengattungen. Wir nennen zuerst diejenigen Schriften, welche sich mit den Operationen der mehr oder minder selbständig auftretenden Armeen etc. beschäftigen und in großen Umrissen, mehr Strategisches als Taktisches bringend, den Verlauf der Ereignisse samt den für die gefaßten Entschlüsse maßgebend gewesenen Erwägungen nachweisen. So hat die Operationen der ersten Armee unter General v. Steinmetz und unter General v. Goeben in zwei gesonderten Werken Major v. Schell, unter General v. Manteuffel Oberst Graf Wartensleben dargestellt, welch letzterer auch die Operationen der Südarmee im Januar und Februar 1871 geschrieben hat; die der dritten Armee stellte bis zur Kapitulation von Sedan Oberstleutnant v. Hahnke, die der zweiten Hauptmann Freiherr von der Goltz, die der deutschen Heere überhaupt von der Schlacht bei Sedan bis zum Ende des Krieges Major Blume dar. Alle diese Schriften erschienen in den ersten Jahren nach dem Schlusse des Friedens, ihre Bearbeiter hatten den Stäben der Heereskörper angehört, über welche berichtet wurde. Ähnliche Ziele verfolgen Hauptmann Stieler v. Heydekampf in: »Das 5. Armeekorps im Kriege 1870/71«, L. v. Wittich, der Kommandeur der vielgebrauchten 22. Division (Kassel 1872), und E. v. Colomb, Kommandeur einer Brigade der Kavalleriedivision Stolberg (Berl. 1876), in Tagebüchern. Der Thätigkeit größerer Heeresteile sind ferner von Offizieren, welche den betreffenden Stäben angehörten, gewidmet: Hauptmann Helvig, »Das 1. bayrische Armeekorps« (Münch. 1872), Oberst Heilmann, »Das 2. bayrische Armeekorps« (das. 1872), die gesonderten Arbeiten des Obersten Schubert über den Anteil der Sachsen an den Schlachten von Gravelotte und Sedan und an der Einschließung von Paris, des Oberstleutnants Scherf, »Die Teilnahme der großherzoglich hessischen Division« (Darmst. 1875 ff.), eines ungenannten Verfassers: »Anteil der unter dem Kommando des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin gestandenen Truppen« (Berl. 1875) und eines Bestandteils der letztern, der 17. Infanteriedivision, vom Obersten Fischer (das. 1872). Auf die zahlreichen Veröffentlichungen, welche kleinere Abteilungen betreffen, kann hier nicht eingegangen werden. Die Schrift des badischen Hauptmanns Löhlein über »Die Operationen des Korps des Generals v. Werder« wird uns weiter unten beschäftigen. Bei den einzelnen Waffengattungen ist »Die Thätigkeit der deutschen Ingenieure und technischen Truppen« durch Hauptmann Goetze (Berl. 1872-73), »Die deutsche Artillerie«, aber nur in den Kämpfen gegen die Heere des Kaiserreichs, in Einzeldarstellungen des Majors Hoffbauer und des Hauptmanns Leo dargestellt worden. »Die Reiterei in den Kämpfen des 16. August« hat Major Kaehler (3. Aufl., Berl. 1874) geschildert. Auf gegnerischer Seite haben wir nur T. Bonie, »La cavalerie française« (Par. 1871, zwei deutsche Übersetzungen), anzuführen; da nach dem Untergang der Heere des Kaiserreichs von einer französischen Reiterei nicht mehr die Rede sein konnte, so reicht die Schrift nur bis Sedan. Gegenstand von Einzeldarstellungen durch Artillerie- und Ingenieuroffiziere auf Grund der deutschen amtlichen Quellen sind sämtliche Belagerungen geworden: Über Straßburg schrieb Wagner, über Metz Paulus, über Toul v. Werder, über Verdun v. Hellfeld, über Diedenhofen, Montmédy und Mézières Spohr, über Longwy Wolf, über Schlettstadt und Neubreisach schrieben Wolf und Neumann, über Soissons Gärtner und H. Müller, über Belfort Wolf und Castenholz, über Paris Heyde u. Froese, über den Festungskrieg im all-^[folgende Seite]