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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kriegsgeschichtliche Litteratur

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Kriegsgeschichtliche Litteratur (neuere: Lebensbeschreibungen).

1815 bietet, aus denen der Oberst plus d'honneur que d'honneurs nach Hause brachte. Den Übergang zum Königtum stellt der Graf Rochechouart dar, seine »Souvenirs« erzählen von seiner Teilnahme an den Befreiungskriegen im großen Hauptquartier der Verbündeten. Hauptsächlich afrikanischen Andenkens sind Bugeaud, der eigentliche Eroberer Algeriens, vom Comte d'Ideville geschildert, und Randon, dessen Leben ein Ungenannter schrieb. Auf dem nämlichen Boden wurzeln »Le général Yusuf«, der es vom Sklaven, und »Le général Margueritte«, der es vom Gendarmen zum General brachte; das Leben des erstern beschrieb Oberst Trumelet, das des letztern General Philibert. Die »Souvenirs et campagnes« des Generals de Lamotterouge ergänzen zugleich eine Lücke, welche oben bei Nennung der Schriften der Führer in den Kämpfen um Orléans blieb; Lamotterouge befehligte dort bis nach der ersten Einnahme der Stadt durch die Deutschen. Von den zahlreichen Schriften, welche Chanzys Andenken gewidmet sind, gilt die neueste (1889), von Villefranche geschriebene für die beste. Als ein Sammelwerk sei noch »Nos généraux 1871-84« von Roger de Beauvoir erwähnt.

Aus Deutschland nennen wir zuerst zwei Helden des Dreißigjährigen Krieges, deren Leben unter Benutzung aller vorhandenen Biographien auf Grund neuer Quellenforschung in zwei gesonderten Werken G. Droysen dargestellt hat: »Gustav Adolf« und »Bernhard von Weimar«. Ebenfalls zwei Arbeiten danken wir dem Grafen Thürheim: Gegenstand der einen ist Starhemberg, der tapfere Verteidiger Wiens in der Türkennot von 1683, die andre behandelt Khevenhüller, welcher ebenfalls gegen die Türken und später im österreichischen Erbfolgekrieg focht. Ein andrer österreichischer Feldherr, Raimondo Montecuccoli, ist durch Cesare Campori (Flor. 1876) in italienischer Sprache geschildert; ihm ist auch eine kleine Schrift von Großmann (Wien 1878) gewidmet. Über das Leben von Loudon hat W. v. Janko neue Ausschlüsse gegeben. Ein andrer Österreicher, der vielgeschmähte Fürst Windischgrätz, der Retter aus der Not des Jahres 1848, hat einen ungenannten Biographen gesunden, dessen Berichte über seines Helden Heerführung in Ungarn der Leser durch den vierten Band der »Geschichte Österreichs vom Ausgang des Wiener Oktoberaufstandes« von Freiherrn v. Helfert ergänzen möge. Zahlreich sind die Schriften, welche das Leben von Angehörigen des preußischen Heeres beschreiben. Die erste geht zugleich Schweden an, denn unter dem Titel: »Der Prinz von Homburg in seinem Verhältnis zu Karl X. und dem Großen Kurfürsten« (Berl. 1890) behandelt E. Jungfer die schwedischen und brandenburgischen Kriegsdienste des Landgrafen (»mit dem silbernen Beine«) Friedrich von Homburg, welchen H. v. Kleist auf die Bühne gebracht hat; er spielt auch in den oben angeführten Schriften über Fehrbellin eine Rolle. Dann folgen Beiträge zur Geschichte des Zeitgenossen Friedrichs d. Gr., eine Darstellung des Lebens des Prinzen Heinrich von A. v. Crousaz (Berl. 1877), zumeist auf den Schriften des Rheinsberger prinzlichen Kreises, der dem König abgeneigt war, beruhend, zu welch letztern Schriften »Briefe der Brüder Friedrichs d. Gr.«, an die Großeltern des Grafen Henckel und von letzterm herausgegeben, einen neuen Beitrag geliefert haben; zwei Arbeiten über Zieten, von denen die eine, von Winter bearbeitete, breit angelegt und bestimmt, ein volles Lebensbild zu bieten, nur trocknen Stoff für ein solches zusammengetragen hat und militärischen Sachverstand vermissen läßt, die andre, ein knappes Büchlein aus der Feder des Grafen E. zur Lippe, viel Wertvolles, leider auch in der 2. Ausgabe (Berl. 1885) in wenig abgerundeter Gestalt, darbietet. Einen »Seydlitz« hat ein bayrischer Offizier, Premierleutnant Buxbaum, über den Husaren Natzmer hat ein Namensgenosse geschrieben. Die Zeit der Befreiungskriege ist reich vertreten. Scharnhorst allein hat drei Biographen gesunden: Schweder, ein Soldat, verarbeitete das allgemein zugängliche Material (1865), Klippel, ein Schulmann, schaffte mit großem Fleiße viel Urkundliches herbei (1869), W. Lehmann, ein Historiker von Fach, stellte (1886-87) unter Benutzung der Archive ein umfangreiches Werk zusammen, welches aber namentlich in seinen letzten Teilen mehr der Zeit, in welcher Scharnhorst wirkte, als diesem selbst gewidmet ist. Die von Pertz begonnene Lebensbeschreibung des Feldmarschalls Gneisenau hat H. Delbrück zu Ende geführt. Die hochinteressanten »Erinnerungen« Boyens, von ihm selbst aufgezeichnet, schließen leider mit der Schlacht von Leipzig ab. Das Leben ihres Gesinnungsgenossen Clausewitz, welcher nicht nur ein hervorragender Schriftsteller, sondern auch Teilnehmer an vielen wichtigen Kriegsereignissen war, hat Schwartz beschrieben. Als ein Bruchstück aus der Geschichte des Geschlechts v. Kleist ist das »Leben« von Kleist v. Nollendorf erschienen. Eigne »Denkwürdigkeiten« hat General v. Hüser hinterlassen, welcher in den Befreiungskriegen in Blüchers Hauptquartier sich befand und 1848 als Kommandant von Mainz den Umsturzparteien kräftig entgegentrat, desgleichen H. v. Brandt, welcher unter französisch-polnischer Fahne focht und als preußischer General starb. Von den Heerführern der Neuzeit hat Werder im General v. Conrady einen Darsteller gefunden; zu früh, da des erstern eigne Aufzeichnungen nach seinem eignen Willen erst später veröffentlicht werden dürfen. Nicht der Kriegsgeschichte unmittelbar gewidmet, aber derselben trotzdem dienend, sind die Denkwürdigkeiten des Generals Oldwig v. Natzmer, des Generals v. Canitz und des Herzogs Ernst II. von Koburg. In einem Sammelwerk hat G. v. Glasenapp die Bildnisse der deutschen Generale aus der Zeit der letzten großen Kriege nebst den auf ihren Lebensgang bezüglichen Daten gegeben. Die Zahl der Lebensbeschreibungen des Feldmarschalls Moltke ist zu groß, um sie hier alle anführen zu können. Ein reiches urkundliches Material hat General Heilmann zu einer Lebensbeschreibung des Feldmarschalls Wrede verwertet, einen niederländischen General schildert Starklof in einem zweiten »Herzog Bernhard von Weimar«. Der Büchermarkt Englands ist arm auf diesem Gebiet. Den meisten Stoff boten die indischen Kriege: Kaye lieferte in »Lifes of Indian officers« einen Beitrag zur Kenntnis des Aufstandes von 1857 bis 1858, über welchen selbst er außerdem geschrieben hat, und General Shadwell schilderte das Leben von Colin Campbell, später Lord Clyde; ein bemerkenswertes Buch aber schrieb der preußische Hauptmann Hoenig in seinem »Oliver Cromwell«, freilich nicht auf Forschungen an den Urquellen beruhend, aber die vorhandenen Ergebnisse solcher Forschung verständnisvoll verwertend. Den Sieger von Culloden und den Besiegten von Hastenbeck, den Herzog von Cumberland, schilderte Maclachlan. Für den Bürgerkrieg der Vereinigten Staaten liefern die Erzeugnisse der nordamerikanischen Presse eine reiche Quelle der Belehrung. Unter den eignen Aufzeichnungen nehmen die von Grant, dessen »Military life« außerdem Badeau geschildert hat, und von Sherman auf nord-,