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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kunstunterricht u. Kunstpflege

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Kunstunterricht u. Kunstpflege (Deutschland).

handenen, im Vergleich zu Frankreich und England aber immer noch geringen finanziellen Hilfsmittel doppelt angespannt und im Verlauf von zwei Jahrzehnten nicht nur alle übrigen Nationen in Bezug auf Kunstpflege und -Unterricht erreicht, sondern zum großen Teil sogar überflügelt. Wenn man die Wirksamkeit Deutschlands betrachtet, muß man freilich den Begriff des politischen Ganzen aufgeben, weil die Kunstpflege nicht Sache des Reiches, sondern der Einzelstaaten ist. Das Reich als solches ist bisher für Kunstzwecke nur einmal eingetreten, indem es für die Aufdeckung des alten Olympia ca. 600,000 Mk. hergab. Auf den Reichshaushalt ist seit 1874 auch das Institut für archäologische Korrespondenz übergegangen, dessen Zentraldirektion sich in Berlin befindet. Es unterhält ein Sekretariat in Rom und eins in Athen, ressortiert vom Auswärtigen Amt und hat ein Budget von rund 100,000 Mk. Nach Maßgabe der vorhandenen Mittel hat im übrigen in erster Linie Preußen in Bezug auf Kunstzwecke die Repräsentationspflichten für das Reich übernommen und diesen Pflichten durch Ausrüstung von Expeditionen und durch große Erwerbungen in vollem Maße genügt, während die übrigen Bundesstaaten nach ihren Kräften für die Vermehrung ihrer Kunstsammlungen und die Pflege der heimischen Kunst- und Fachschulen in gleichem Maße gesorgt haben. Gegenüber diesen Anstrengungen war Frankreich seit 1870, nachdem es auf den Weltausstellungen von 1855 und 1867 seine Überlegenheit über alle übrigen Kulturvölker in Bezug auf K. u. K. bewiesen, eine Zeitlang, zumeist infolge der innern politischen Zerrissenheit, zurückgeblieben. Aber die unerschöpflichen Hilfsquellen des Landes und die Opferwilligkeit der Privatleute, die immer eintrat, wo der Staat seine Hand verschlossen hielt, haben das französische Kunstleben in so hoher Blüte erhalten, daß zwei neue Weltausstellungen (1878 u. 1890) das Übergewicht Frankreichs wenigstens in äußerlicher Repräsentation offenbarten. 1891 bewilligte die französische Deputiertenkammer auch einen Kredit von 500,000 Fr. zur Ausgrabung des alten Delphi. In neuester Zeit hat sich auch in Deutschland die allgemeine Wertschätzung der Kunst insofern gehoben, als reiche Kunstsammler immer häufiger bei Lebzeiten oder durch letztwilliges Vermächtnis die öffentlichen Sammlungen durch Schenkungen bereichern, so daß die Kunstpflege in Deutschland auch hierin nicht mehr hinter derjenigen Frankreichs zurückbleibt, wobei man freilich die verschiedenartigen Lebensverhältnisse und die Unterschiede des Wohlstandes in Betracht ziehen muß.

Deutschland.

Preußen. Der Etat der königlichen Kunstmuseen in Berlin beträgt 1891/92 einschließlich einer Summe von 340,000 Mk. für Neuerwerbungen jährlich ca. 960,000 Mk. Dieser regelmäßige Etat wird jedoch durch außerordentliche Kredite und durch Zuwendungen aus den Dispositionsfonds des Kaisers und der Ministerien gelegentlich verstärkt. Der Etat der Nationalgalerie beträgt etwa 86,000 Mk. Die Erwerbungen werden aus einem allgemeinen Kunstfonds von 300,000 Mk. bestritten, welcher zur Pflege der monumentalen Malerei und Plastik und des Kupferstichs dient. Ein Fonds von 220,000 Mk. ist für Zwecke der Kunst und Wissenschaft (zu Unterstützungen für Gelehrte und Künstler) zur Disposition des Kaisers gestellt. Das Kunstgewerbemuseum, 1867 von Privaten gegründet, ist 1885 in die Verwaltung des Staates übergegangen und den königlichen Museen angeschlossen worden (Etat ca. 413,000 Mk.). Die königliche Porzellanmanufaktur kostet jährlich ca. 900,000 Mk., die Kunstakademie in Berlin 460,000 Mk. Dazu kommen noch folgende Ausgaben: für die Erhaltung der öffentlichen Kunstdenkmäler 50,000 Mk., für die Museen in Kassel und Wiesbaden und für die Erhaltung der Kunstdenkmäler in den Rheinprovinzen und das Schloß in Marienburg 70,000 Mk., für die Kunstakademien in Düsseldorf 83,000 Mk., in Königsberg 45,000 Mk., in Kassel 37,000 Mk., wobei zu bemerken ist, daß diese drei letztern Institute aus Provinzialmitteln Zuschüsse erhalten, für die Zeichenakademie in Hanau 62,000 Mk., für die Kunst- und Kunstgewerbeschulen in Berlin, Breslau, Königsberg, Danzig und Magdeburg ca. 200,000 Mk., für die technischen Hochschulen in Berlin 264,000 Mk., in Aachen 159,000 Mk., in Hannover 172,000 Mk. In numerischer Hinsicht steht der Bestand der öffentlichen Kunstsammlungen Deutschlands hinter demjenigen Frankreichs, trotzdem daß der Dreißigjährige Krieg den nationalen Besitz sehr stark verringert hat, nicht zurück. Was Preußen betrifft, so bestehen neben den königlichen Museen, der Nationalgalerie und dem Kunstgewerbemuseum in Berlin, denen noch das Hohenzollernmuseum, das Museum für Völkerkunde, das Museum für deutsche Volkstrachten, die Sammlungen der technischen Hochschule, das Postmuseum, das märkische Provinzialmuseum, die Waffensammlung des Zeughauses und das Rauch-Museum hinzuzufügen sind, folgende namhafte öffentliche Kunstsammlungen, die zum Teil durch Altertums- und Kunstvereine ins Leben gerufen worden sind: das Suermondt-Museum in Aachen, die Universitätssammlungen und das Provinzialmuseum in Bonn, das Museum schlesischer Altertümer und das schlesische Museum der bildenden Künste in Breslau, das Provinzialmuseum und das Stadtmuseum in Danzig, die Kunsthalle und das Gewerbemuseum in Düsseldorf, das städtische Museum in Elbing, das städtische Gewerbemuseum in Flensburg, das Städelsche Kunstinstitut und das städtische historische Museum in Frankfurt a. M., das städtische Museum in Görlitz, die Universitätssammlungen in Göttingen, Greifswald und Halle, das Provinzialmuseum in Halle, das Provinzialmuseum, das Kestner-Museum, das Welfenmuseum und die königlichen Kunstsammlungen in Hannover, das städtische Museum in Hildesheim, die königliche Gemäldegalerie und das königliche Museum in Kassel, die Kunsthalle, d as Thaulow-Museum und das schleswig-holsteinische Museum vaterländischer Altertümer in Kiel, die städtische Gemäldesammlung in Koblenz, das Wallraf-Richartz-Museum, das erzbischöfliche Diözesanmuseum und das Kunstgewerbemuseum in Köln, das ostpreußische Provinzialmuseum und das Stadtmuseum zu Königsberg i. Pr., das städtische Museum und das Textilmuseum in Krefeld, das Museum dithmarsischer Altertümer in Meldorf (Holstein), das bischöfliche Museum in Münster, das städtische Altertumsmuseum in Nordhausen, das Museum in Osnabrück, die städtische Altertumssammlung in Quedlinburg, das fürstl. Hohenzollernsche Museum in Sigmaringen, das antiquarische und das Stadtmuseum in Stettin, das Provinzialmuseum für Neuvorpommern und Rügen in Stralsund, das städtische Museum in Thorn, die städtische Sammlung sächsischer Altertümer in Torgau, das Provinzialmuseum in Trier, das Museum für Altertümer und die königliche Gemäldegalerie in Wiesbaden. Diesen etwa 60 über die preußischen Provinzen verbreiteten Kunst- und Altertumssammlungen zur Pflege des Kunstsinns und zum Studium für Künstler und Kunsthandwerker stehen folgende Unterrichtsanstalten für Kunst und Kunstgewerbe