Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Larochejacquelein; Laterīt; Lathraea squamaria; Lathyrismus; Lathyrus silvester; Lattmann; Laudon

557

Larochejacquelein - Laudon.

Scala oder Marina genannt, schon 40 Jahre früher vorkommt und zu einem wichtigen Hafen und Salzausfuhrplatz emporblühte. Erst im 18. Jahrh. überflügelte L. seinen Hafenort und wurde als ein Zentrum des ganzen levantinischen Schiffs- und Handelsverkehrs Sitz von 10-12 europäischen Konsulaten. Infolge des Emporkommens von Alexandria unter Mehemed Ali und später von Beirut sank es wieder; für den cyprischen Handel hat es neuerdings in Limasol einen kräftigen Konkurrenten gefunden. Gleichzeitig nahm die Marina, auch Neu-Larnaka genannt, wieder an Bedeutung zu: der Zensus von 1881 ergab für L. oder Alt-Larnaka 645 Häuser mit 3094 Einw., für die mit jenem eine Gemeinde bildende Marina 937 Häuser mit 4739 Einw. Nach einer andern Quelle gab es in L. 5048 Griechen, 1972 Mohammedaner, 824 Andersgläubige. Unter englischer Verwaltung hat die Stadt große Fortschritte in Bezug auf Reinlichkeit, Ordnung, Gesundheitsverhältnisse etc. gemacht, namentlich durch die 1879 erfolgte Austrocknung eines Sumpfes im N. der Marina, des Restes des antiken Hafens von Kition (s. d.), dessen Ausdünstungen das Klima von L. in Verruf gebracht haben. Vgl. E. Oberhummer in der »Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin«, Bd. 25.

Larochejacquelein, 1) Henri Duverger, Graf von. Vgl. »Henri de L. et la guerre de la Vendée, d'après des documents inédits« (Par. 1890).

Laterīt, s. Geologische Gesellschaft, S. 351.

Lathraea squamaria, s. Schmarotzerpflanzen.

Lathyrismus, chronische Vergiftung, welche durch langen und (in Jahren der Teurung) fast ausschließlichen Gebrauch der Früchte von Lathyrus-Arten (angeblich bisweilen auch bei Benutzung andrer Hülsenfrüchte) erzeugt wird und oft epidemisch auftritt. Die Krankheit war den Alten als Crurum exsolutio, Crurum impotentia, Imbecillia bekannt, wurde von Hippokrates und Galenus erwähnt und veranlaßte im 17. und 18. Jahrh. wiederholte Verbote des Anbaues von Ervum Ervilia. Das auffallendste Symptom der Krankheit ist die eigentümliche charakteristische Art des Ganges, der ein wirkliches Fallen von einem Fuße auf den andern darstellt. Im Stehen macht der Rumpf starke Schwankungen, die Kranken müssen unter den Armen gestützt werden, um nicht nach vorn oder hinten einzuknicken. Namentlich die Beugemuskeln sind gelähmt. Die Muskeln der Oberextremitäten, die Sensibilität, das Muskel- und Gelenkgefühl bleiben intakt, die Reflexbewegungen sind erhalten, das Kniephänomen ist verstärkt, die Pupillen sind normal, die Symptome lassen also den L. deutlich von der Rückenmarksschwindsucht unterscheiden. Bei der leisesten Reizung der Haut tritt Muskelzittern ein, auch wird plötzliche Harnverhaltung und Impotenz beobachtet. Die Krankheit ist auf eine Rückenmarksentzündung zurückzuführen und scheint heilbar zu sein, aber die Heilung erfordert lange Zeit. Man hat den L. besonders in Italien und Algerien beobachtet. Vielleicht wird sie durch einen Pilz hervorgebracht, welcher die Hülsenfrüchte befällt, doch konnte Cantani weder Pilze noch Bakterien in den Samen finden. Reinsch hat aus mehreren Arten von Lathyrus einen gelben, amorphen, bittern, in Wasser und Alkohol löslichen Körper, das Lathyrin, dargestellt.

Lathyrus silvester L. (Waldplatterbse), perennierende Staude mit kletterndem, ästigem Stengel, dessen Flügel etwa doppelt so breit wie die der Blattstiele sind, lanzettlichen, lang zugespitzten Blättern, roten Blüten in 4-12blütigen Trauben und flach runzeligen Samen, wächst in Deutschland an Waldrändern und in Hecken. Sie eignet sich als Futterkraut zum Anbau auf steinigem, grobem und dürrem Boden durch ihr stark entwickeltes Wurzelsystem und ihre große Fähigkeit, die Gesteine zu korrodieren. Einjährige Pflanzen besitzen 2 m, ältere 10 m lange, starke Wurzeln und eine mächtige, oberirdische Entwickelung. Eine dreijährige, auf Geröll gewachsene Pflanze entwickelte 87 durchschnittlich 1,87 m lange Ranken mit 706 Samenschoten. Ihre Ausdauer ist bedeutend. In der Regel sind die Samen der wild wachsenden Pflanze nur zu 5 Proz. quellbar; das Heu enthält einen Bitterstoff (Gentianin), weshalb es vom Vieh nur mit Widerstreben gefressen wird. Es enthält 20,94 Proz. verdauliches Protein und 31,41 Proz. Holzfaser, daher denselben Proteingehalt wie manche Kraftfuttermittel. Dabei treibt die Pflanze um 8-14 Tage früher als die Luzerne aus und ist gegen Spätfröste unempfindlich. Die kultivierte Form der Waldplatterbse hat eine Quellbarkeit der Samen bis 80 Proz., das Heu einen Proteingehalt von 25,44 Proz. und 20,19 Proz. Holzfaser und Bitterstoffgehalt. Die Lathyrus-Futterfelder können durch Saat oder noch besser wegen des teuern Samens und der langsamen ersten Entwickelung durch Pflanzung angelegt werden. Die Waldplatterbse hat ein besonderes Düngungsbedürfnis für Phosphorsäure und Kali, dagegen wird sie durch eine Stickstoffdüngung, somit auch durch Stallmist, ungünstig beeinflußt. Den höchsten Ertrag erreicht sie nach 3 Jahren und liefert dann 100 Doppelzentner Heu pro Hektar. Sie kann grün verfüttert werden oder auf Kleereitern zu Heu getrocknet oder auch ensiliert werden.

Lattmann, Julius, Philolog und Pädagog, geb. 4. März 1818 zu Goslar, studierte 1837-41 Theologie, 1843-46 Philologie in Göttingen, wo er 1850 bis 1870 als ordentlicher Lehrer und später als Oberlehrer am Gymnasium wirkte. 1870 als Direktor des Gymnasiums nach Klausthal berufen, trat er 1890 mit dem Charakter als Geheimer Regierungsrat in den Ruhestand. L. hat wesentliches Verdienst um die Einführung der gesicherten Ergebnisse der neuern sprachvergleichenden Forschung in die lateinische und griechische Schulgrammatik. Dabei überschätzt er jedoch die sprachliche Außenseite gegenüber dem geschichtlichen Inhalt des Altertums nicht, sondern erkennt namentlich in seinen neuern Schriften diesen als bestimmenden Kern des gesamten altklassischen Unterrichts an. Er schrieb außer mehreren Programmarbeiten über die Reform des Sprachunterrichts (Klausth. 1871 und 1888) und mehreren griechischen und lateinischen Lehrbüchern etc.: »Lateinische Schulgrammatik« (mit H. D. Müller, Götting. 1864, 2. Aufl. 1872); »Kurzgefaßte lateinische Grammatik« (mit demselben, 6. Aufl., hrsg. von seinem Sohne Hermann L., das. 1890); »Griechische Grammatik« (mit Müller, das. 1863, 4. Aufl. 1886); »Grundzüge der deutschen Grammatik« (6. Aufl., das. 1886); »Cornelii Nepotis liber .. emendatus et suppletus« (8. Aufl., das. 1889); »Kombination der methodischen Prinzipien im lateinischen Unterricht« (das. 1882, 2. Aufl. 1888); »Einführung der induktiven Methode in den lateinischen Elementarunterricht« (Götting. 1886); »Über den in Quinta zu beginnenden lateinischen Unterricht« (das. 1889); ferner »Reorganisation des Realschulwesens und Reform der Gymnasien« (das. 1873); »Ausgleichende Lösung der Reformbewegungen des höhern Schulwesens« (das. 1889).

Laudon (Loudon), Gideon Ernst, Freiherr von, österreich. Feldmarschall. Ihm zu Ehren erhielt 1888 das Infanterieregiment Nr. 29 seinen Namen.