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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Luzzatto; Lyall; Lysōl; Mac Carthy; Mac Kinley; Machiavelli

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Luzzatto - Mac Kinley.

studierte die Rechte und wurde 1867, nachdem er einige Zeit am Istituto tecnico zu Mailand gelehrt hatte, zum Professor der Nationalökonomie und des Staatsrechts an der Universität Padua ernannt. Im gleichen Jahr vertrat er die italienische Regierung als Kommissar bei der Pariser Ausstellung und wurde 1869 unter Minghetti als Generalsekretär in das Ministerium des Handels und Ackerbaues berufen, dem er indes nur wenige Monate angehörte. Schon 1870 wurde er in die Deputiertenkammer gewählt, doch ward seine Wahl für nichtig erklärt, da er noch nicht das gesetzliche Alter erreicht hatte, und erst 1871, nach einer dritten Wahl, konnte L. ins Parlament eintreten, dem er zuerst für Oderzo, später für Padua angehörte. Hier schloß er sich der Rechten an, gewann besonders großen Einfluß in wirtschaftlichen und Finanzfragen und war mehrere Male Vorsitzender der Budgetkommission. Diese Stellung bekleidete er wiederum im Januar 1891 und wirkte dabei zum Sturze Crispis erheblich mit. Im Februar 1891 wurde er zum Schatzminister in dem neugebildeten Kabinett di Rudini-Nicotera ernannt. L. hat eine Reihe staatsrechtlicher Schriften veröffentlicht, unter anderm Abhandlungen über »Staat und Kirche in Belgien« und über die »Embryologie und Entwickelung der Staatsverfassungen«.

Luzzatto, Samuel David, jüd. Gelehrter (s. Bd. 17). Seine Söhne veröffentlichten auch Luzzattos »Briefwechsel in italienischer, französischer und lateinischer Sprache« (Padua 1890, 2 Bde.).

Lyall (spr. lai-ĕl), Sir Alfred Connyan, engl. Staatsmann und Schriftsteller, geb. 4. Jan. 1835 in London, trat in den indischen Staatsdienst, ward Regierungskommissar im westlichen Berar, dann Generalagent in Radschputana, endlich Lieutenant-Governor der nordwestlichen Provinzen. Aus Indien heimgekehrt, wurde er Mitglied des dem Staatssekretär für Indien beigeordneten Rates. Die Krone verlieh ihm die Ritterschaft des Bath-Ordens, die Universität Oxford den Doktorgrad. Sein gründliches und gedankenreiches, den Schriften Sir Thomas Erskin Mays sich anschließendes Werk: »Asiatic studies, religious and social« (1882) wird mit Recht hochgeschätzt und wurde in der »Bibliothèque de l'histoire du droit« ins Französische übersetzt (»Études sur les mœurs religieuses et sociales de l'extrême Orient«, mit einer ausführlichen Einleitung des ungenannten Übersetzers, Par. 1885). Als Dichter zeigt sich L. in den »Verses written in India« (1889), in denen ergreifende, mitunter erschreckende Bilder aus dem Leben der Eingebornen wie der herrschenden Europäer uns entgegentreten, und die sich darin häufig mit den merkwürdigen Schöpfungen Rudyard Kiplings (s. d.) ergänzen. Zuletzt veröffentlichte er ein »Life of Warren Hastings« (1890).

Lysōl, aus kresolreichem Teeröl mit fettem Öl und Kalilauge dargestelltes Präparat, eine Lösung von Kresolen, von welchen es 50 Proz. enthält, in Seife, bildet eine neutrale, ölartige, braune Flüssigkeit, riecht karbolartig, ist in Wasser, Alkohol und Glycerin in jedem Verhältnis löslich, auch mit Fetten und fetten Ölen mischbar. Letztere Mischung gibt mit Wasser eine Emulsion. Die wässerige Lösung fühlt sich schlüpfrig an und schäumt wie Seifenlösung. L. besitzt ein großes Lösungsvermögen für verschiedene Substanzen, und hierauf beruhen seine reinigenden Eigenschaften. Auf Grund dieser und seiner starken desinfizierenden und antiseptischen Wirkung, welche diejenige der Karbolsäure bei geringerer Giftigkeit übertrifft, benutzt man es, wo mit der Reinigung eine gründliche Desinfektion verbunden werden soll, so zum Waschen der Hände, des Körpers, der Wäsche. Fußböden, Wände, Möbel, Straßen etc., zum Spülen der Klosette, Ausgüsse, Nachtgeschirre. Ferner benutzt man es in der Chirurgie, namentlich auch bei Behandlung von Krankheiten und Wunden der Haustiere, gegen Pflanzenparasiten, zum Konservieren von Tierhäuten und Holz, gegen Hausschwamm etc.

M.

Mac Carthy (McCarthy), Justin, irischer Schriftsteller und Politiker, wurde 8. Dez. 1890 an Stelle des abgesetzten Charles Stewart Parnell (s. d.) von der Mehrheit der irischen Homerulepartei im britischen Parlament zum Parteiführer erwählt.

Mac Carthy (McCarthy), Justin Huntly, engl. Schriftsteller und Politiker, Sohn des vorigen, geb. 1860, verlebte seine Jugend in Amerika und bereiste einen großen Teil Europas; er lebt in London, seit 1884 Parlamentsmitglied für einen irischen Wahlkreis. Als Schriftsteller trat er zuerst mit dem »Outline of Irish history« (1883) auf. Es folgten mehrere Dichtungen, wie: »Serapion« (1883), »Hafiz in London« (1886), »Harlequinade« (1889), die, pessimistisch angehaucht, zwar französischen Einfluß erkennen lassen, aber freundliche Beachtung fanden; ferner die Romane: »Doom, an atlantic episode« (1887, 5. Aufl. 1891), »Dolly«, »Lily Lass« (1889) sowie die politischen Schriften: »England under Gladstone« (2. Aufl. 1885), »Ireland since the union« (1887), »The case for Home Rule« (1887). Von seinen dramatischen Dichtungen fand besonders »The candidate« in vielen Aufführungen verdienten Beifall; andre Stücke sind: »Vanity«, »The red rag«, »The wife of Socrates«, »The will and the way«, »Vanity of vanities«, »Your wife«. Eine größere Aufgabe stellte er sich in einem umfassenden Geschichtswerk: »The French Revolution«, von dem 1890 die beiden ersten Bände erschienen sind. Besonders wurde er aber bekannt durch seine poetische Übersetzung von Omar Khayyoms »Rubaiyat« (1889), eine Frucht seiner persischen Studien, die, vielfach an Bodenstedt-Mirza Schaffy erinnernd, ihm freilich neben lebhaftem Beifall auch puritanischen Tadel eintrug.

Machiavelli, Niccolò di Bernardo dei, ital. Staatsmann. Vgl. Ellinger, Die antiken Quellen der Staatslehre Machiavellis (Tübing. 1888).

Mac Kinley (spr. kinnlĭ), William, nordamerikan. Politiker, geb. 29. Jan. 1844 zu Niles im Staate Ohio, trat im Mai 1861 in ein Freiwilligenregiment ein und brachte es im Verlauf des Krieges bis zum Major. Nach abgeschlossenem Frieden studierte er Rechtswissenschaft und ließ sich 1867 in Canton (Ohio) als Sachwalter nieder. Seitdem am öffentlichen Leben sich eifrig beteiligend, wurde er von der republikanischen Partei 1877 in den Kongreß gewählt, wo er sich als fanatischer Vorkämpfer des Schutzzolltarifs hervorthat (s. Mac Kinley-Bill).