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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mermillod; Merziwan; Meßbildverfahren; Metallfedern

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Mermillod - Metallfedern.

dern der für uns nach und nach sichtbare Teil der Oberfläche beträgt ungefähr 0,63. Doch sind die nur zeitweilig sichtbaren Randregionen zu schwach beleuchtet, als daß man aus ihnen mit Deutlichkeit Flecke wahrnehmen könnte. Deshalb sind sie auch von Schiaparelli beim Entwurf seiner Karte der Merkuroberfläche, nach der die untenstehende Figur hergestellt ist, nicht berücksichtigt worden. Die dunkeln Flecke, welche man dort angegeben findet, sind nur mit großer Mühe und bei größter Aufmerksamkeit zu erkennen. Sie erscheinen in Gestalt ganz leichter Schattenstreifen, zeigen sich unter günstigen Umständen bräunlichrot und heben sich nur wenig von der allgemeinen Farbe des Planeten ab, die gewöhnlich rosenfarben, ins Kupferrote gehend, ist.

Die merkwürdige Erscheinung, daß Rotations- und Umlaufszeit übereinstimmen und infolgedessen ein großer Teil der Planetenoberfläche niemals Strahlen von der Sonne empfängt, erklärt sich wahrscheinlich durch die geistreiche Hypothese, welche der englische Kosmolog G. H. Darwin zur Erklärung der analogen Erscheinung beim Monde benutzt hat. Wenn nämlich der um einen Zentralkörper laufende Weltkörper seine in der Richtung von W. nach O. vor sich gehende Rotation in kürzerer Zeit als seinen Umlauf vollendet und wenn derselbe teilweise mit einer flüssigen Hülle bedeckt ist, so wird in dieser durch die Anziehung des Zentralkörpers auf der diesem zugewendeten, wie auf der abgewendeten Seite eine Flutwelle erregt, welche zweimal in Zeit einer Rotation um den Weltkörper läuft. Indem sie hierbei gegen die Ostseiten der festen Teile seiner Hülle (der Festländer) stößt, setzt sie der Rotation einen Widerstand entgegen und verlangsamt dieselbe, bis endlich die Rotationszeit mit der Umlaufszeit zusammenfällt. Ist dieser Zustand erreicht, so findet, wenn dann überhaupt noch eine flüssige Bedeckung vorhanden ist, kein Wechsel von Ebbe und Flut mehr statt, sondern es besteht bloß auf der dem Zentralkörper zugekehrten und auf der entgegengesetzten Seite eine Erhöhung und in 90° Abstand von diesen Punkten eine beständige Depression. Vgl. Plaßmann, Die neuesten Arbeiten über den Planeten M. (Freib. i. Br. 1890).

^[Abb.: Merkur nach Schiaparelli.]

Mermillod, Kaspar, Bischof von Lausanne, wurde 1890 zum Kardinal ernannt und nach Rom berufen.

Merziwan (Merzifun), Stadt des türkischen Wilajets Siwas in Kleinasien, schön auf einem Hügel am Nordrand einer reichen, mit Dörfern übersäeten Ebene gelegen und rings von Weinbergen umgeben. Es hat nach Humann 15-20,000 Einw., zumeist nichtunierte Armenier, wenige Türken und einige hundert Griechen. Das Zurücktreten der Türken bedingt ein Vorwiegen europäischer Kultur; die Straßen sind sauber und gut gepflastert, der Markt mit Lebensmitteln und Wein, der Bazar mit europäischen Waren reichlich versehen. Auch ein Uhrturm und das Läuten der Glocken sind charakteristisch dafür. Unmittelbar über der Stadt erhebt sich der hohe bewaldete Tauschan-Dagh, welcher sie vor dem kalten Nordwind schützt. Obwohl M. selbst keine Altertümer aufzuweisen hat, ist es doch wohl mit dem antiken Phazemon identisch, aus dessen Namen der heutige entstanden ist.

Meßbildverfahren, s. v. w. Photogrammetrie (s. d., Bd. 13).

Metallfedern. Mit der zunehmenden Verwendung der M. als Triebfedern (in Uhrwerken), als Druck-, Spann- und Tragfedern (an Maschinen, Eisenbahnwagen, Flinten, Schlössern), als Tonfedern (in Uhren, Spieldosen etc.) hat sich die Fabrikation derselben bedeutend entwickelt und auch verzweigt, indem dieselbe je nach der Größe und Form der Federn verschieden betrieben wird. Das Material zu den M. ist mit einigen bedeutungslosen Ausnahmen Stahl, und zwar, je nach der Bestimmung der Federn, feiner Tiegelgußstahl (zu Uhrfedern), gewöhnlicher Stahl (zu gröbern Federn) und Bessemerstahl (zu den großen Tragfedern, Waggonfedern, Pufferfedern etc). Die Vorbereitung des Materials richtet sich nach der Form und Größe der Federn, indem diese entweder aus langen, schmalen Bändern (Uhrwerksfedern), langen Stäben (Schraubenfedern) oder verhältnismäßig kurzen Schienen (Blattfedern) bestehen und dem entsprechend als Vorformen Blech, Stäbe, Draht oder Schienen voraussetzen. Die Verarbeitung zu Federn kann auch auf drei Formen zurückgeführt werden, auf die der Uhrfedern, der Schraubenfedern und der Schienen- oder Blattfedern.

Die Uhrfedern sind sowohl in Länge, Breite als Dicke sehr verschieden, aber sämtlich dünne, lange, spiralförmig aufgerollte Stahlbänder von bestimmter Härte (Federhärte). Zur Erzeugung derselben wird das Rohmaterial in heller Rotglut auf 1 mm Dicke ausgewalzt und dann kalt (unter wiederholtem Ausglühen) bis zu den üblichen Dicken (bis 0,1 mm abwärts) gestreckt. Die etwa 250 mm breiten Streifen werden darauf sortiert, auf der Oberfläche zwischen rasch rotierenden Schmirgelscheiben abgeschliffen und mittels eines Schneidewerkes aus Kreisscherblättern der ganzen Länge nach in Streifen zerschnitten, welche durch einen Härte- und Anlaßprozeß die erforderliche Elastizität erhalten. Zu diesem Zwecke verwendet man neuerdings Maschinen, deren Einrichtung zwar verschieden, aber im Wesen mit der in Fig. 1 (S. 615) dargestellten Maschine von Kugler in Paris übereinstimmt. Das auf eine Rolle a gewickelte Stahlband passiert zunächst ein eisernes, mit feuerfestem Material bekleidetes etwa 1 m langes, 100 mm breites und 12 mm hohes viereckiges Rohr b, welches in einem entsprechenden Ofen mit Koksfeuer c so stark erhitzt wird, daß in demselben das Band glühend wird. Darauf gelangt das letztere noch glühend unter der Druckwalze e in das Ölbad d, um die nötige Härte zu erlangen. Beim Durchgang durch die durch Gewichte gehörig belasteten Ballen f vom Öl befreit, wird das Band zum Nachlassen unter Druck über die von einem Ofen h erwärmte gußeiserne Platte g ge-^[folgende Seite]