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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Moran-Olden; Morelli; Morf; Morguen; Möris; Moritz; Mortgage; Moschus

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Moran-Olden - Moschus.

treten kann und bisweilen zur Bildung mitten im Wasser erscheinender und wieder verschwindender Inseln, je nach dem Wasserstand, zu führen vermag. Ein wichtiger Vorläufer der Seenverwachsung ist dagegen das Auftreten eines sogen. Schwingrasens, der aus einer schwimmenden, dicht verwebten Filzmasse von Wurzelfasern und Nebenwurzeln gewisser Schilfgräser (Arundo Phragmites, Glyceria aquatica und Grapephorum arundinaceum) besteht, und welcher auf der Wasserseite den Wellenbewegungen folgt, während er nach der Landseite eine Art von Schirm und Humusfänger herstellt, in dessen Bereich sich andre Verwachsungspflanzen anzusiedeln vermögen. Die von Klinge aus seinen Untersuchungen gezogenen Folgerungen haben ein bedeutendes pflanzengeographisches und geologisches Interesse, da sie Rückschlüsse auf einen während der Postglazialzeit erfolgten Klimawechsel gestatten, der auch aus zahlreichen andern Gründen wahrscheinlich erscheint. Zumal die Verbreitungsart gewisser, der subborealen Flora angehörigen, xerophilen (d. h. trockenheitliebenden) Pflanzen spricht dafür, daß diese zu einer Zeit in das Gebiet des mittel- und osteuropäischen Tieflandes nach der Entgletscherung desselben eingewandert sind, während welcher ein steppenähnliches Klima in demselben herrschte und vorwiegend östliche, resp. nordöstliche, trockne Winde geweht haben. Eine weiter fortgesetzte Untersuchung der M. in Verbindung mit pflanzengeographischen, meteorologischen und geologischen Gesichtspunkten ist vielleicht im stande, auch nach genannter Richtung neue Aufschlüsse zu gewähren. Vgl. Klinge, Über den Einfluß der mittlern Windrichtung auf das Verwachsen der Gewässer etc. (in Englers »Botanischen Jahrbüchern«, Bd. 11, 1890).

Moran-Olden, Fanny, Opernsängerin, geb. 28. Sept. 1855 zu Oldenburg als Tochter des Obermedizinalrats Tappehorn, bildete sich bei Auguste Götze in Dresden zur Bühnensängerin aus und fand ihr erstes Engagement in Frankfurt a. M. 1879 verheiratete sie sich mit dem Tenoristen Moran, und 1884 wurde sie Mitglied des Leipziger Stadttheaters. Nachdem sie im November und Dezember 1889 mit großem Erfolg im Opernhaus zu Berlin gastiert, wurde sie von 1891 ab für diese Bühne engagiert. Sie ist großherzoglich oldenburgische Kammersängerin. Ihre Stimme ist von solchem Umfang, daß sie hohen Sopranpartien (wie Norma, Donna Anna, Isolde) ebenso gerecht wird wie tiefen Altpartien (Fides, Leah). Ihre übrigen Hauptrollen sind Fidelio, Elisabeth im »Tannhäuser« und Brunhild im »Ring des Nibelungen«.

Morelli, 2) Giovanni, unter dem Namen Iwan Lermolieff bekannter ital. Kunstforscher u. Staatsmann, starb 28. Febr. 1891 in Mailand. Von seinem auf drei Bände berechneten Hauptwerk: »Kunstkritische Studien über italienische Malerei«, erschienen Band 1: »Die Galerien Borghese und Doria Panfili in Rom« (Leipz. 1890), und Band 2: »Die Galerien in München und Dresden« (das. 1891).

Morf, Heinrich, schweizer. Pädagog und Schriftsteller, geb. 6. Sept. 1818 zu Breite (Kanton Zürich), besuchte das Lehrerseminar zu Küßnacht und die Akademie zu Lausanne, war 1837-50 Lehrer an zürcherischen Sekundärschulen, bis 1852 Seminarlehrer zu Kreuzlingen, bis 1860 Seminardirektor zu Münchenbuchsee (Bern), seit 1861 Vorsteher des bürgerlichen Waisenhauses und Lehrer am Lehrerinnenseminar zu Winterthur. Mit den bedeutendsten Vertretern der deutschen Pädagogik brachten ihn verschiedene Studienreisen in nähere Berührung. 1890 ernannte ihn die philosophische Fakultät zu Zürich ehrenhalber zum Doktor. Morfs Hauptwerk ist: »Zur Biographie Pestalozzis« (Winterthur 1868-89, 4 Bde.); ferner schrieb er, abgesehen von zahlreichen Aufsätzen: »Der Sprachunterricht in der Volksschule« (Bern 1857); »John Milton« (Winterthur 1869); »Adalbert von Chamisso« (das. 1869); »Friedrich Fröbel und der Kindergarten« (das. 1870); »Aus dem Fröbelschen Kindergarten« (das. 1875); »Karoline Rudolphi« (das. 1880); »Betty Gleim« (das. 1883); »Johann Jakob Wehrli« (das. 1891).

Morguen (spr. morghen), s. Leichenschauhäuser.

Möris (nach Brugsch v. ägypt. meri-uer oder mi-uer, »das große Seebecken«). Die Untersuchungen von Flinders Petrie bei Hauwâret (s. Labyrinth) und Biahmu, nördlich von el Medineh im Fayûm, haben zu dem Ergebnis geführt, daß der Mörissee westlich von el Medineh zu suchen ist, eine Anschauung, zu welcher auch E. Meyer in seiner »Geschichte des alten Ägypten« gelangt ist. Petrie fand, daß das Wasser des M., hätte er, wie Linant wollte, am östlichen Eingang des Fayûm gelegen, die beiden sogen. Pyramiden von Biahmu 12 Fuß (engl.) hoch bedeckt hätte. Es sind übrigens keine Pyramiden, sondern viereckige Höfe, welche je einen mächtigen Unterbau mit der Statue Amenemhats III. (um 2300 v. Chr.) umschlossen, deren Höhe 35 Fuß betrug. Petrie meint also, daß einst die ganze Depression des Fayûm mit Nilwasser gefüllt war, das durch Verdunstung abnahm, aber bei jeder neuen Überschwemmung durch den schmalen Einlaß wieder gefüllt wurde. Zur Zeit der 12. Dynastie war der Boden des Beckens schon sehr aufgehöht und vielleicht stellenweise sumpfig; der erste König derselben, Amenemhat I. (um 2466), scheint durch einen Damm, welcher das Wasser des M. nach Westen zurückdrängte, den Platz für die Stadt Sched (Crocodilopolis oder Arsinoë) nördlich von el Medineh gewonnen zu haben, während Amenemhat III. durch Erweiterung der Schutzdämme zum eigentlichen Schöpfer des M. wurde. Noch zu Herodots Zeiten scheint der M. in gleicher Höhe mit dem Nil existiert zu haben, weshalb sich auch keine vorgriechischen Altertümer im westlichen Teile des Fayûm finden. Unter den Persern oder den Ptolemäern wurde dann, um mehr Land zu gewinnen, der Zufluß aus dem Nil beschränkt, und so trocknete der M. mehr und mehr ein, bis nur noch der heutige Birket el Kerun übrigblieb.

Moritz, Karl Philipp, Schriftsteller. Vgl. Dessoir, Karl Philipp M. als Ästhetiker (Berl. 1889).

Mortgage (engl., spr. -géhdsch), Unterpfand, Pfandverschreibung, Hypothek.

Moschus. Bei Einwirkung konzentrierter Salpetersäure auf organische Substanzen, bei der Bildung der Nitroverbindungen, tritt häufig Moschusgeruch auf. Kocht man nun nach Bauer Toluol C7H8 ^[C_{7}H_{8}] mit einer Halogenverbindung des Butans C4H9Cl ^[C_{4}H_{9}Cl] unter Zusatz von Aluminiumchlorid, so entsteht Chlorwasserstoff HCl und Butyltoluol C7H7 ^[C_{7}H_{7}]. C4H9 ^[C_{4}H_{9}], welches mit einem Gemisch von konzentrierter Schwefelsäure und Salpetersäure ein Nitroprodukt liefert. Dies bildet weiße glänzende Kristalle mit merkwürdig starkem und andauerndem Moschusgeruch. Eine einprozentige alkoholische Lösung zeigt diesen Geruch nicht, der aber bei Verdünnung mit Wasser alsbald sehr stark hervortritt und bis zu einer Verdünnung von 1:3000 an Intensität zuzunehmen scheint. Bei Lösungen von 1:5000 ist der Geruch noch deutlich wahrzunehmen, auch Lösungen von 1:720,000 besitzen noch einen bemerkenswerten Geruch, doch ist derselbe nicht mit Sicherheit als Moschusgeruch zu erkennen. Der