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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Naquet; Narrenunkräuter; Nasmyth; Natalie; Nathusius; Natter; Naturforscherversammlung

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Naquet - Naturforscherversammlung.

N. Eugène Louis Jean Joseph (N. IV.) beschrieb Graf d'Hérisson (»Le prince impérial«, Par. 1890).

Naquet, Alfred, franz. Politiker, wurde im März 1890 als Kandidat der Partei der Verfassungsrevision (Boulangisten) zum Deputierten gewählt und legte sein Mandat als Senator nieder; doch stellten ihn die Enthüllungen über die Geschichte des Boulangismus im September so sehr bloß, daß er auch seine Entlassung als Deputierter nahm.

Narrenunkräuter (Loco-weeds) nennen die Nordamerikaner, im besondern Texaner und Mexikaner, nach dem spanischen Worte loco (»Narr«) gewisse Unkräuter, nach deren Genuß Rinder, Schafe und Pferde zeitweise dumm, närrisch und stumpfsinnig werden. Der Name erscheint sehr passend, da solche Tiere sich beim Anblick ungewohnter Gegenstände wie närrisch benehmen, auch wohl tollwütig werden, schließlich, wenn der Genuß fortgesetzt wird, abmagern und nach einigen Monaten sterben. Nach Heyer in Halle soll es sich dabei vorzugsweise um Astragalus mollissimus handeln, allein Hoffmann in New York hält noch andre verwandte Hülsengewächse, wie Astragalus lentiginosus, A. Hornii, Oxytropis Lambarti, O. deflexa und O. multiflora, für an der Erscheinung beteiligt und ebenso giftig. Nach Baron v. Müller in Melbourne sollen auf den südwestlichen australischen Steppen andre Hülsenpflanzen (namentlich Lotus australis, Swainsonia Greyana und Gastrolobium-Arten) ganz ähnliche Erscheinungen hervorrufen.

Nasmyth, James, Ingenieur, starb 7. Mai 1890 in London.

Natalie, Königin-Mutter von Serbien, s. Milan.

Nathusius, 4) Heinrich von, Landrat und landwirtschaftlicher Schriftsteller, starb 13. Sept. 1890 auf Sylt.

Natter, Heinrich, Bildhauer, geb. 16. März 1846 zu Graun in Tirol, war zuerst 5 Jahre Lehrling eines Bildhauers in Meran, ging dann nach Augsburg, wo er ein halbes Jahr lang bei Geyer zeichnen lernte, und von da nach München, wo er auf der Akademie, besonders unter Widnmann, seine Studien fortsetzte. Nach einem Jahre zwang ihn seine schwächliche Gesundheit, nach Riva und von da nach Venedig zu gehen, bis der Krieg von 1866 ihn zur Ableistung seiner Militärpflicht nötigte. Dann nahm er wieder seinen Wohnsitz in München, wo er sich durch Porträtbüsten, Grabdenkmäler, eine Kolossalstatue des Gottes Wotan (1873), den Kopf eines schlafenden Satyrs u. a. m. bekannt machte. Eine reichere Thätigkeit eröffnete sich ihm, als er nach Wien übersiedelte, wo er außer zahlreichen Porträtbüsten bekannter Persönlichkeiten und Grabdenkmälern das Zwingli-Denkmal für Zürich, das Haydn-Denkmal für Wien, die Porträtstatuen Laubes und Dingelstedts für das Hofburgtheater daselbst und das Denkmal Walthers von der Vogelweide (1889) für Bozen schuf. Eine zarte poetische Empfindung und ein fein ausgebildeter Sinn für das Malerische sind die charakteristischen Vorzüge seiner Werke.

Naturforscherversammlung. Die 61. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte, welche 1888 in Köln tagte, beschloß an die Stelle der bisherigen N., welche nur während der wenigen Tage ihres alljährlichen Zusammentreffens als Wanderversammlung existierte, eine mit fester Organisation sowie mit den Eigenschaften einer juristischen Persönlichkeit etc. ausgestattete Naturforschergesellschaft treten zu lassen. Eine zu diesem Zwecke gewählte Kommission legte der 62. Versammlung in Heidelberg einen Statutenentwurf vor, und es wurde beschlossen: Der Zweck der »Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte« besteht in der Förderung der Naturwissenschaften und der Medizin und in der Pflege der persönlichen Beziehungen unter den deutschen Naturforschern und Ärzten. Der Sitz der Gesellschaft ist Leipzig. Die Mitgliedschaft wird erworben durch schriftliche Anmeldung und Genehmigung dieser Anmeldung seitens des Vorstandes. Als Mitglieder sind alle diejenigen aufzunehmen, welche sich wissenschaftlich mit Naturwissenschaft oder Heilkunde beschäftigen und die bürgerlichen Ehrenrechte besitzen. Jahresbeitrag 5 Mk. Besondere Ernennungen zu Mitgliedern und Ausfertigungen von Diplomen finden nicht statt. Die Versammlungen beginnen jährlich am dritten Montag des Septembers. Der Ort der Jahresversammlung wechselt und wird in der jedesmaligen Jahresversammlung für das nächste Mal bestimmt. Nur die in der Versammlung anwesenden Mitglieder sind zur Teilnahme an den Beratungen und Beschlußfassungen berechtigt. An den jährlichen Versammlungen, soweit sie nicht die Geschäfte der Gesellschaft, sondern die Förderung des Zweckes derselben betreffen, können alle, welche sich wissenschaftlich mit Naturkunde und Medizin beschäftigen und den von der jedesmaligen Geschäftsführung festgesetzten Beitrag entrichtet haben, teilnehmen. Die Jahresversammlung tritt in allgemeinen Versammlungen und in Sektionen zusammen. Der Vorstand besteht aus dem Vorsitzenden, Stellvertreter, 7 Mitgliedern, Schatzmeister, Generalsekretär und 2 Geschäftsführern am Orte der nächstjährigen Versammlung. Die Mitglieder des Vorstandes werden von der Jahresversammlung auf ein Jahr, Schatzmeister und Generalsekretär auf je drei Jahre gewählt. Es soll stets einer der Vorsitzenden der naturwissenschaften und der andre der ärztlichen Richtung angehören. Der Vorstand hat ein Mitgliederverzeichnis und ein Archiv der Gesellschaft zu führen und die Jahresversammlungen vorzubereiten. Auch die Abteilungen wählen am Schlusse ihrer Sitzungen je einen Vorstand, welcher das Programm der Abteilung für die nächste Versammlung vorbereitet. Das Vermögen besteht aus dem angesammelten Bestand (28,000 Mk.), aus den Beiträgen der Mitglieder und Teilnehmer und aus Zuwendungen. Zur Verausgabung von Kapitalbeträgen ist stets die Zustimmung der Versammlung notwendig.

Die 63. Versammlung der Gesellschaft tagte 15.-17. Sept. 1890 in Bremen. A. W. v. Hofmann (Berlin), derzeitiger Vorsitzender der Gesellschaft, bewillkommte die Versammlung und sprach dann nach den üblichen Begrüßungsreden seitens der Lokalgeschäftsführung und der Stadt Bremen über einige Ergebnisse der Naturforschung seit Begründung der Gesellschaft. Konnte die Rede nichts Neues, bisher Unbekanntes bringen, so gab sie dafür in überaus reizvoller Darstellung einen Überblick über die gewaltigen Leistungen der neuern Naturwissenschaft und schloß mit einer launigen Rückschau auf die Erlebnisse eines Bremer Naturforschers, der 1822 die große Reise zur Versammlung nach Leipzig unternahm, und mit einem Ausblick auf die Beurteilung, die Redner u. die Versammlung von einem Nachfolger im J. 1950 finden werde. Frantzius (Bremen) sprach dann über die Erscheinungen der Flutwelle zwischen Helgoland und Bremen. Die verschiedenen, für diesen Teil der Nordsee in Betracht kommenden Einwirkungen auf das Phänomen der Ebbe und Flut schaffen äußerst verwickelte Verhältnisse, deren Studium erst jetzt methodisch in die Hand genommen