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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pflanzengeographie

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Pflanzengeographie (Florenreiche, Florengebiete).

Ausscheidung der arktischen Elemente aus der ehemaligen arktotertiären Flora der nördlichen Halbkugel ähnliche Umbildungen sich auch auf den Südspitzen der großen Kontinente in der Weise vollzogen haben, daß die Entwickelung von Anfang an unter Isolierung erfolgte; zum Beweis führt er unter andern die auffallend enge Begrenzung des Wohngebiets bei gewissen, dem Kapland und Australien eigentümlichen Pflanzenordnungen (Proteaceen, Restiaceen, Epakrideen u. a.) und die große Zahl daselbst ausschließlich einheimischer (endemischer) Arten an. Drude faßt ferner in einem gewissen Gegensatz zu Engler als Florenreich alle die geographischen Gebiete zusammen, in welchen eine überwiegende Menge herrschender Pflanzensippen (d. h. Gattungen, Tribus, Unterordnungen) auf ein gemeinsames Ursprungsgebiet hinweisen, und scheidet sie nach ihrem allgemeinen Charakter in die drei Hauptgebiete der borealen, tropischen und australen Pflanzenwelt. Dieselben gliedern sich in 14 einzelne Florenreiche, die zu annähernder Vergleichung mit den Abgrenzungen Englers und Grisebachs in folgender Übersicht vereinigt sind, wobei bezüglich der geographischen Einzelheiten auf die Karte »Verbreitung der wichtigsten Pflanzengruppen der Erde« zum Artikel P. im Hauptwerk (Bd. 12) verwiesen werden muß.

Vergleichung der Florenreiche und Florengebiete nach Drude, Engler und Grisebach.

A. Boreale Reiche (mit vorwiegend arktisch-alpinen und arkto-tertiären, im Süden auch paläo- und neotropischen Elementen). nach Drude. nach Engler. nach Grisebach.

1. Nordisches Florenreich. Arktisches u. subarktisch-mitteleuropäisches Gebiet. Arktisches und Waldgebiet beider Hemisphären.

2. Mediterran-orientalisches Florenreich. Makaronesisches Übergangsgebiet, Mittelmeergb., Teile des uralo-kaspischen G. Mittelmeergebiet und Teile des Steppengebiets.

3. Innerasiatisches Florenr. Zentralasiatisches Gebiet. Teile des Steppengebiets.

4. Ostasiatisches Florenreich. Mandschurisch-japanisches Gebiet. Chinesisch-japanisches Gebiet.

5. Florenreich des mittlern Nordamerika. Gebiet des pacifischen und atlantischen Nordamerika. Kalifornisches und Präriengebiet.

B. Tropische Reiche (mit vorwiegend paläo- und neotropischen, teilweise mit altozeanischen Elementen). 6. Tropisch-afrikanisches Florenreich. Westafrikanisches Waldgebiet und afrikanisch-arabisches Steppengebiet. Sudan, Kalahari, Teile des Saharagebiets.

7. Ostafrikanisches Insel-F. Malagassisches Gebiet. Madagaskar, Maskarenen, Seschellen.

8. Indisches Florenreich. Vorderindisches, ostasiatisch-tropisches, malaiisches (inkl. Nordaustralien) und polynesisches Gebiet. Indisches Monsungebiet (inkl. Nordaustralien).

9. Tropisch-amerikanisches Florenreich. Mexikanisches u. tropisch-amerikanisches Gebiet. Mexikanisches, westindisches, cisaquatoriales Gebiet, Hyläa- und brasilisches Gebiet.

C. Australe Reiche (mit vorwiegend altozeanischen Elementen). 10. Südafrikanisches Florenr. Gebiet des Kaplandes. Gebiet der Kapflora.

11. Andines Florenreich. Andines Gebiet nebst Galapagos-Inseln und Juan Fernandez. Tropisch-andines Gebiet, Pampasgebiet, chilenisches Übergangsgebiet.

12. Australisches Florenreich. Australisches Gebiet (exkl. Nordaustralien). Australisches G. (exkl. Nordaustralien).

13. Neuseeländisches Florenr. Neuseeländisches Gebiet. Neuseeland.

14. Antarktisches Florenreich. Antarktisches Waldgebiet nebst dem Gebiet der Kerguelen, der Amsterdaminsel etc. Antarktisches Waldgebiet nebst einer Reihe ozeaner Inseln.

Die verschiedenen Florenreiche zerfallen weiter in Unterabschnitte, wie z. B. Zonen, Provinzen und Bezirke. Alle diese Einteilungen stützen sich ausschließlich auf floristische Untersuchungen der betreffenden Gebiete, wie sie in den Pflanzenkatalogen und in systematischen Werken niedergelegt sind. Eine davon durchaus verschiedene Gruppierung wird erhalten, wenn von den Anpassungen der Gewächse an bestimmte Bedingungen des Klimas und Standortes, d. h. also von physiologischen Faktoren oder von hervorragenden Lebenseigentümlichkeiten, wie z. B. den periodischen Wachstumserscheinungen, der Ernährungsweise und andern biologischen Merkmalen, ausgegangen wird. Als derartige Vegetationsformen hat z. B. A. de Candolle nach den verschiedenen Graden des Wärmebedürfnisses die Gruppen der Mega-, Meso-, Mikro- und Hekistothermen (d, h. Pflanzen mit großem, mittlerm, kleinem und kleinstem Wärmebedürfnis) und nach den Feuchtigkeitsansprüchen die Gruppen der Hygro- und Xerophilen (d. h. Pflanzen feuchter und dürrer Standorte) unterschieden. Grisebach bezeichnete nach der physiognomischen Tracht sowie nach biologischen und systematischen Merkmalen 50-60 Gewächsformen, beispielsweise von Holzgewächsen die Palmen-, Farnbaum-, Pisang-, Pandanus-, Bambusen-, Nadelholz-, Lorbeer-, Oliven-, Eukalyptus-, Sykomoren-, Buchen-, Weiden-, Linden-, Eschen-, Mimosen-, Bananen- und Mangroveform, die Strauchformen der Eriken, Myrten, des Oleanders, der Proteaceen, die Sodada- und Rhamnusform, die Dornsträucher, endlich die Kasuarineen-, Cypressen-, Tamarisken-, Spartium- und Zwergpalmenform als typisch. Drude begnügt sich mit der Unterscheidung folgender Vegetationsklassen: 1) Belaubte Holzpflanzen, a) Bäume und Sträucher, b) Lianen, c) Mangroven, d) Holzparasiten; 2) Blattlose Holzpflanzen, a) Stammsukkulenten, b) blattlose Sträucher; 3) Halbsträucher; 4) Dauerkräuter (Blattsukkulenten, Epiphyten, Rosettenträger); 5) Moose, Stauden, zwei- und einjährige Kräuter, Süßwasser- und Meergewächse; 6) Flechten; 7) chlorophyllfreie Parasiten und Saprophyten. Wiesner unterscheidet unter Anwendung teils biologischer, teils systematischer Merkmale: 1) Bäume (Schopfbäume, immergrüne und sommergrüne Wipfelbäume, Baumgräser, regengrüne Bäume); 2) Sträucher (immergrüne, sommergrüne, Klimm- und Dornsträucher, Spartiumform, Kasuarineen, Proteaceen); 3) Halbsträucher (immer- und sommergrüne); 4) krautige Gewächse (Ephemere, Annuëlle, Biënne, Stauden, Baumkräuter, Moose); 5) Sukkulenten (Stamm- und Blattsukkulenten, Laubrosetten); 6) Aërophyten; 7) Hydrophyten (Süßwasser- und Meerespflanzen); 8) Flechten; 9) Saprophyten; 10) Parasiten (grüne und nichtgrüne). Kerner von Marilaun verwendete als Einteilungsgrund teils das allgemeine Substrat und die Art der Nahrungsaufnahme, teils aber auch die verschiedenartigsten morphologischen Merkmale, so daß die von ihm unterschiedenen Pflanzengruppen: Wasserpflanzen, Steinpflanzen, Erdpflanzen, Überpflanzen, Verwesungspflanzen, Tierfänger, Schmarotzer, Ernährungsgenossenschaften (Flechten), Flachblatt- und Rollblattpflanzen, Filzpflanzen, Dickblattpflanzen,