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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Premium; Presse, pädagogische; Pressensé; Preßheu; Preßluft; Pretis-Cagnodo; Preußen

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Premium - Preußen.

wirtschaft selbst, bez. mit der Ausdehnung der landwirtschaftlichen und industriellen weltwirtschaftlichen Beziehungen zusammenhängende Erscheinung dar. Das wiederholt auftretende Übermaß des Angebots, bez. der Produktion kann wohl einigermaßen durch schützende Zollpolitik, durch Aufsuchung neuer Absatzgebiete und speziell durch Förderung der Kolonialpolitik, ferner durch Hebung der Kaufkraft der breitesten Volksschichten gemindert werden, woneben auch die Währungsfrage fortwährend im Auge zu behalten ist. Aber ein ruhigeres, gleichmäßigeres Verhältnis zwischen Nachfrage und Angebot im allgemeinen und damit auch eine befriedigendere Gesamt-Preisgestaltung ist schwerlich ohne neue volkswirtschaftlich-organisatorische Bildungen zu erwarten. Ob nicht schon in den heutigen Kartellen (Koalitionen, Konventionen, Verkaufskontoren, Syndikaten) der Industrie ein Ansatz dazu oder doch ein instinktives Tasten danach vorhanden ist, kann nur die Folgezeit lehren. Die Wahrscheinlichkeit weist darauf hin, daß bis zur Ausbildung von korporativ gestalteten Betriebsgenossenschaften vorerst der freie Arbeitsvertrag eine festere und geregeltere Grundlage durch Schaffung von Arbeitervertretungen finden wird, womit sich auch die Einkommensverteilung, bez. die Kaufkraftverteilung weitaus günstiger gestalten dürfte.

Litteratur. In erster Linie sind zu nennen: Ad. Soetbeer, Materialien zur Erläuterung und Beurteilung der wirtschaftlichen Edelmetallverhältnisse und der Währungsfrage (2. Aufl., Berl. 1886), und Erw. Nasse, Das Sinken der Warenpreise während der letzten 15 Jahre (in Conrads »Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik«, 1888, Bd. 17, S. 50-66 und S. 129-181). Vgl. auch Arendt, Der Währungsstreit in Deutschland (Berl. 1886); J. ^[Julius] Wolf, Die gegenwärtige Wirtschaftskrisis (Tübingen 1888); Wasserrab, Preise und Krisen (Preisschrift, Stuttg. 1889). Von ausländischen Stimmen sind besonders zu nennen: Goschen, Ansprache im Institute of Bankers, April 1883: On the probable results of an increase in the purchasing power of gold, und Robert Giffen, Essays in finance (2. Serie, Lond. 1886), worunter hervorzuheben: »Trade depression and low prices; Gold supply, the rate of discount and prices; The effects on trade of the supply of coinage« (vgl. dazu die Berichte der beiden in England zur Untersuchung der Wirtschaftsdepression und auch der Währungsfrage ernannten königlichen Kommissionen, insonderheit den Schlußbericht der erstern: »Final report of the Royal Commission appointed to inquire into the depression of trade and industry«, Lond. 1886); Leroy-Beaulieu, La baisse des prix des marchandises, ses causes et ses effets (im »Économiste français«, 12. und 19. April 1884). Siehe auch das amtliche italienische Quellenwerk »Movimento dei prezzi di alcuni generi alimentari dal 1862 al 1885« (Rom 1886), das amtliche »Statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich« (11. Jahrg., Berl. 1890). Die gesamte Litteratur ist angegeben in Soetbeers oben erwähnten »Materialien«, S. 81-98.

Premium (engl., abgekürzt pm.), Prämie, auf englischen Kurszetteln im Gegensatz zum discount oder Damno (abgekürzt dis.) s. v. w. Aufgeld, Überschuß über den Paribetrag.

Presse, pädagogische, s. Pädagogische Presse.

Pressensé, Edmond Déhoult de, franz. Theolog, starb 8. April 1891 in Paris.

Preßheu, s. Futterbereitung.

Preßluft, s. Transmission und Werkzeuge.

Pretis-Cagnodo, Sisinio, Freiherr von, österreich. Minister, geb. 1828 zu Hamburg, starb 15. Dez. 1890 in Wien.

Preußen. Bevölkerung. Das vorläufige Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dez. 1890 weist für P. eine Bevölkerung von 29,957,302 Seelen auf. Die Zunahme seit 1885 beläuft sich auf 1,643,469 Personen, d. h. auf 5,79 Proz. oder jährlich auf 1,13 Proz. (gegenüber 0,75, bez. 1,17 Proz. in den Perioden 1880-85 und 1875-80). Die Bevölkerung verteilt sich auf die einzelnen Provinzen folgendermaßen:

Provinzen Einw. 1890 auf 1 QKilometer Zu- u. Abnahme in Proz.

Ostpreußen 1958132 53 -0,07

Westpreußen 1433480 56 +1,79

Berlin (Stadtkreis) 1579244 +20,07

Brandenburg 2542401 64 +8,54

Pommern 1521211 50 +1,04

Posen 1752094 60 +2,13

Schlesien 4223807 105 +2,71

Sachsen 2579852 102 +6,24

Schleswig-Holstein 1217393 65 +5,83

Hannover 2280491 59 +4,96

Westfalen 2428736 120 +10,17

Hessen-Nassau 1664000 107 +4,49

Rheinland 4710313 174 +8,42

Hohenzollern 66148 58 -0,86

Zusammen: 29957302 86 +5,79

Unter den Provinzen zeigen die stärkste Zunahme der Stadtkreis Berlin, Westfalen, Brandenburg und Rheinland, die geringste Pommern und Westpreußen; in Ostpreußen und Hohenzollern hat sich sogar eine geringe Abnahme der Bevölkerung ergeben. Unter den Regierungsbezirken weisen Potsdam, Arnsberg und Düsseldorf die größte, Königsberg und Liegnitz die geringste Zunahme auf. In den Bezirken Sigmaringen, Stralsund, Köslin und Gumbinnen hat die Bevölkerung um ein Geringes abgenommen. Unter den 546 Kreisen (mit Einschluß von Berlin) hat die Bevölkerung in 378 zu-, in 168 abgenommen. Letztere gehören überwiegend den sechs östlichen Provinzen an. Die stärkste Zunahme zeigten die Kreise in der Umgebung von Berlin (Teltow +36,17 Proz., Niederbarnim +29,92 Proz.) und einzelne in Westfalen und Oberschlesien. Mehr als zwei Drittel der Gesamtvermehrung der Bevölkerung Preußens entfallen auf die Städte mit mehr als 10,000 Einw. Während man 1885 deren nur 196 mit 7,010,308 Einw. zählte, gab es 1890: 205 mit 8,289,913 Einw. Darunter war eine Großstadt (Berlin), 15 Städte mit 100,000-500,000 Einw. (1885: 11), 12 mit 50,000-100,000 Einw. (1885: 14), 64 mit 20,000-50,000 Einw. (1885: 56), 113 mit 10,000-20,000 Einw. (1885: 114). In die Reihe der Städte mit mehr als 100,000 Einw. sind Stettin, Krefeld, Aachen und Halle a. S., in die mit mehr als 50,000 Charlottenburg, dessen Bevölkerung seit der letzten Volkszählung um 81,43 Proz. zugenommen hat, und Duisburg eingetreten. Sechs Städte, welche 1885 mehr als 10,000 Einw. hatten, sind aus der Reihe der Städte verschwunden, da sie mit benachbarten Städten verschmolzen sind, so Buckau und Neustadt-Magdeburg mit Magdeburg, Ottensen mit Altona, Dorp mit Solingen und Deutz und Ehrenfeld mit Köln. (Vgl. im übrigen die Liste der Städte mit mehr als 20,000 Einw. beim Artikel »Deutschland«, S. 190-191, die allerdings inzwischen einige Berichtigungen erfahren hat.) Die Zahl der Eheschließungen ist von 229,999 (16,1 pro Mille) im J. 1887 auf 240,996 (16,5 pro Mille) im J. 1889