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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Proudhon; Proviantbeamte, Feldmagazinbeamte; Pseudohalluzination; Psychogenesis; Psychologie

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Proviantbeamte - Psychologie.

führt. Die Krankheitserreger finden sich außerordentlich zahlreich in den Exsudatmassen; ob sie zu den Flagellaten gehören, ist nicht sicher entschieden, da die kugeligen Dauerzustände, welche die Parasiten bilden, die Annahme naher Verwandtschaft mit den Krankheitserregern der erst erwähnten Krankheit nahe legen.

Die Klasse der Geißeltierchen, Mastigophora, welche in dem Bütschlischen System zum erstenmal als selbständige Klasse auftreten, und die bisher Flagellaten im weitern Sinne hießen, zerfallen in die Ordnungen der Flagellaten, Geißeltierchen im engern Sinne, Choanoflagellata (Trichtergeißeltierchen), Dinoflagellata (Wirbelgeißeltierchen), Cilioflagellata (Wimpergeißeltierchen) und Cystoflagellata (Blasengeißeltierchen). Die überwiegende Mehrzahl der Geißeltierchen lebt frei, sowohl im süßen Wasser (besonders Flagellaten) als im Meere (besonders Dinoflagellaten und Cystoflagellaten), ca. 20 Arten aber auch parasitisch im Innern andrer Tiere, Wirbeltiere, Insekten, Myriopoden, Mollusken, wo sie vorzugsweise den Darm, seltener das Blut und andre Organe bewohnen; zu ihnen gehört die in der katarrhalisch affizierten Scheide der Frauen lebende Trichomanos vaginalis Denné ^[richtig: Donné (= Alfred Donné, 1801-1878)]. Einige, der Gattung Ceratium Bergh angehörige Geißeltierchen, die sich sowohl im Meer als im Süßwasser finden, gehören zu den weitverbreitetsten niedern Organismen in größern Wasseransammlungen; hornförmige, reichlich mit Stacheln versehene Fortsätze des Panzers ermöglichen eine leichte Haftbarkeit an fremden Objekten und dadurch bedingte Gelegenheit zu einer weiten Verschleppung. Viele marine Geißeltierchen, zu denen auch die Noctiluca gehört, besitzen die Fähigkeit des Leuchtens.

Die Klasse der Infusorien zerfällt in die große Unterklasse der Ciliata (Wimperinfusorien) und in die kleine, nur eine Familie enthaltende Unterklasse der Suctoria (Sauginfusorien), erstere in die Ordnungen der Peritricha (Ringhaarige), Hypotricha (Bauchhaarige), Heterotricha (Verschiedenhaarige) und Holotricha (Ganzhaarige). Je nach der Fähigkeit, die Form zu ändern, sind unter den Infusorien vier Gruppen zu unterscheiden: starre Infusorien, bei denen überhaupt keine Formveränderung stattfindet, elastische, welche ihre Körpergestalt nicht selbstthätig verändern, sondern nur infolge äußern Druckes, bei dessen Aufhören der Körper seine frühere Gestalt wieder annimmt; biegsame oder flexile Infusorien, welche zwar selbstthätig ihre Gestalt wechseln, ohne daß jedoch die allgemeine Form verloren ginge, und endlich kontraktile Infusorien, bei welchen eine Körperdimension auf Kosten der andern verlängert oder verkürzt wird, wodurch die Gestalt wesentlich verändert wird. Der Größe nach können sie ebenfalls in vier Gruppen geteilt werden, wobei als sehr klein Formen von 0,04 mm betrachtet werden, als sehr groß dagegen solche, die 0,25 mm überschreiten. Die Infusorien sind die höchst entwickelten P., denn hier finden sich Formen, deren physiologische Leistungen denen der Metazoen gleich zu setzen sind; dagegen behalten sie morphologisch den Wert einer Zelle, was sich besonders bei der ganz als Zellteilung verlaufenden Fortpflanzung dokumentiert. Der Infusorienkörper läßt eine innere Schicht und ein äußeres Ektoplasma unterscheiden, welches entweder homogen erscheint oder einen wabenartigen Bau besitzt (Alveolarschicht). Zwischen Alveolarschicht und Entoplasma verläuft bei vielen noch eine besondere Schicht, die Kortikalschicht, welche die Trichocysten enthält; häufig ist bei den Infusorien eine Längsstreifung, die durch Reihenstellung der die Wimper tragenden Höckerchen bedingt wird. Die Fortpflanzung geschieht durch Teilung und von Zeit zu Zeit eintretende Konjugation, welch letztere eine Auffrischung des Körpermaterials bezweckt. Bei zahlreich aufeinander folgenden Teilungen, ohne daß die Möglichkeit zur Konjugation gegeben ist, tritt senile Degeneration ein, wobei unter anderm die Wimpern abfallen und vor allem eine starke Veränderung des Kernes sich bemerkbar macht. Die Infusorien sind zum größten Teil frei lebende Geschöpfe, einige aber sind als Parasiten bekannt, so aus dem Blut und dem Darmtraktus verschiedener Süßwasser- und Meereskrebse; Art und Weise der Ansteckung sowie Entwickelung dieser Parasiten sind noch nicht bekannt; schädlich tritt auf Holophrya multifiliis in der Epidermis der Süßwasserfische; diese Ciliate lebt in kleinen weißlichen Flecken oder Pusteln zwischen den Epidermiszellen der Haut; die Pusteln finden sich hauptsächlich auf den Flossen, dem Kopf, auf den Augen und den Kiemen, dehnen sich aber bei starker Infektion über den ganzen Körper aus; die Krankheit, der sekundär Schimmelbildung folgt, kann unter junger Brut, z. B. Forellenbrut, erhebliche Verwüstungen anrichten. Physiologische Untersuchungen der P. haben ergeben, daß die Mehrzahl der Sarkodetierchen, einige Geißeltierchen und wahrscheinlich alle gewimperten Infusorien blind sind, ebenso mangeln ihnen Tonempfindungen; alle übrigen Reize werden empfunden. Vgl. Bütschli, Protozoa (in Bronns »Klassen und Ordnungen des Tierreichs«, Bd. 1, Leipz. 1880-87); Häckel, Report on the Radiolaria (»Challenger Report. Zoology«, Bd. 18, 1887); Dreyer, Die Pylombildungen bei Radiolarien und Protisten überhaupt (Jena 1889).

Proviantbeamte, Feldmagazinbeamte, s. Kriegsbeamte.

Proudhon, Pierre Joseph, franz. Sozialist. Vgl. noch Diehl, P. J. Proudhon. Seine Lehre und sein Leben (Jena 1888-90, 2 Tle.).

Pseudohalluzination, s. Vorstellung.

Psychogenesis, s. Psychologie, S. 749.

Psychologie. Der gewaltige Aufschwung, welchen die Naturwissenschaften etwa seit den 40er Jahren dieses Jahrhunderts nahmen, bezeichnet in der P. den Beginn einer neuen Epoche. Die genauere Kenntnis des Menschenkörpers im gesunden und kranken Zustand, die ausgedehnte Erforschung der gesellschaftlichen Beziehungen, die Vervollkommnung sowohl der exakt-naturwissenschaftlichen als auch der historischen Methoden trugen von da ab reiche Früchte für das Studium des Seelenlebens. Indessen hat die P. noch schwer an ihrer vornehmlich philosophischen Vergangenheit zu leiden und mit dem Umstand zu kämpfen, daß man von den verschiedensten Seiten her ihre Probleme in Angriff nimmt, ohne sie als das zu verstehen und zu behandeln, was sie in der That jetzt geworden ist: als eine selbständige Wissenschaft. Will man sich über den gegenwärtig arg zersplitterten Betrieb einen Überblick verschaffen, so dürfte eine Einteilung nach den jetzt üblichen Methoden einerseits, nach den Forschungsgebieten anderseits sich als zweckmäßig empfehlen.

Methoden der Psychologie.

Unter dem Vorbehalt, daß die nachfolgende Aufzählung verschiedener Verfahrungsweisen nicht als gleichbedeutend mit einer Isolierung derselben voneinander aufzufassen ist, lassen sich acht Methoden nennen.

1) Die spekulative Methode. Sie benutzt die Ergebnisse der Metaphysik für deduktive Betrachtungen über die höchsten Probleme einer Seele; aber