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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Roll; Rom

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Roll - Rom.

v_{1} verbunden, welcher eine Öffnung in der Oberwand mn eines die Mündungen beider Rohre P und Q umgebenden Kastens von obenher verschließt, während der Raum der Kammer V über v_{1} mit dem Rohr P durch den Schlitz s verbunden ist. Die Öffnung in der Wand mn ist etwas kleiner als der Querschnitt des Rohres P, so daß der in dem Kasten herrschende Luftdruck auf v stärker schließend wirkt als auf v_{1} öffnend, und somit beide zuhält, bez. wenn geöffnet, schließt, jedoch nur mit derjenigen geringen Kraft, die dem Überdruck auf die größere Fläche des Ventils v entspricht. Hierdurch soll erreicht werden, daß die Ventile schon durch eine geringe Kraft geöffnet werden können. Kommt nun ein Zug von A an, so stößt die vorderste Büchse desselben das Ventil v auf, und zwar ist der Stoß infolge des geringen Widerstandes des Ventils gegen das Öffnen nur ein geringer. Der Zug muß nun durch die ihm innewohnende lebendige Kraft entgegen dem Widerstand der verdichteten Luft in Q vorwärts getrieben werden, bis der den Zug schließende Treiber die Anschlußstelle des Reservoirs R passiert hat, so daß der Luftdruck hinter ihn tritt. Ein Entweichen von Druckluft aus L ist dann nicht mehr möglich, weil sich das Ventil vv_{1} sofort nach dem Durchgang des Treibers geschlossen hat. Natürlich tritt bei diesem Übergang eine momentane Verminderung der Geschwindigkeit ein und zwar um so mehr, je längere Zeit der Zug dem Luftdruck entgegenarbeiten muß, also je weiter R von V entfernt ist; deshalb ist R thunlichst nahe an V zu legen. Im weitern Verlauf wirkt die verdichtete Luft auf den Zug ein und treibt ihn mit einer dem Luftdruck entsprechenden Geschwindigkeit nach dem Amt C, wo sich eventuell dieselben Vorgänge wiederholen können. Erfolgt die Beförderung durch Luftverdünnung oder zugleich durch Verdichtung von der einen und Verdünnung von der andern Seite, so ist die Wirkung der Vorrichtung eine ähnliche. Damit das Doppelventil vv_{1} sicher schließt, ist unter der Messingplatte mn noch ein Elektromagnet M angeordnet, dessen Pole den unter dem Ventil v_{1} angebrachten Anker U kräftig nach unten ziehen, so daß beide Ventile fest gegen ihre mit Kautschukringen belegten Sitze angedrückt werden. Dieses Anpressen darf aber in dem Moment, wo ein Zug durchgelassen werden soll, nicht stattfinden, deshalb muß der den Magneten erregende elektrische Strom für die Dauer des Übergangs des Zuges unterbrochen werden, was mit Hilfe eines ins Rohr P hineinragenden Kontakthebels durch den Zug selbst geschieht.

In Amerika ist eine pneumatische Post nach dem System Johnson geplant und zwar zunächst zwischen New York und Chicago. In einem etwa 1 m weiten Rohr, das unten mit einer Flachschiene versehen ist, soll eine zur Aufnahme der zu befördernden Gegenstände bestimmte Hohlkugel unter Anwendung von gepreßter und verdünnter Luft bewegt werden, so daß die Kugel auf der Schiene rollt, wodurch die Reibung auf ein Minimum zurückgeführt ist. Die erforderliche Betriebsluft (sowohl Preßluft als verdünnte Luft) soll durch eine 25pferdige Dampfmaschine mittels Rootsscher Ventilatoren (s. Bd. 6, S. 976) erzeugt werden. Die Kugel, deren Durchmesser etwas kleiner ist als der des Rohres, rollt aus der obern Kante der Flachschiene, also vollständig frei. Der geringe Verlust an Triebkraft durch den Spielraum zwischen Kugel und Rohr (Undichtheit) soll wegen der außerordentlich hohen Geschwindigkeit, mit welcher die Kugel fortbewegt wird, kaum in Betracht kommen. Die Geschwindigkeit beträgt nach den Ergebnissen bei einer Versuchsanlage ca. 27 m pro Sekunde. (Die Kugel durchlief die Versuchsstrecke von etwa 300 m Länge in 11 Sekunden.) Hierbei ist jedoch in Betracht zu ziehen, daß sie infolge ihrer Trägheit nur allmählich in Bewegung gesetzt werden konnte und ihre größte Geschwindigkeit erst gegen Ende der Strecke erlangte. Die größte Geschwindigkeit muß aber viel größer sein als die auf die ganze Versuchsstrecke verteilte mittlere. Man hofft, auf zusammenhängenden, großen Strecken der Kugel eine Geschwindigkeit von 130-140 m in der Sekunde erteilen zu können, also etwa die fünffache Geschwindigkeit der schnellsten Eisenbahnzüge. Die Postsendungen von New York nach Chicago, welche zur Zeit noch 25 Stunden brauchen, würden mit der Johnson-R. diese Strecke in etwa 5 Stunden zurücklegen. Das Gewicht der Kugel mit Inhalt betrug bei den Versuchen 340 kg. An der Endstation wird die Kugel von einem Luftkissen empfangen, durch welches ihre Geschwindigkeit allmählich auf Null reduziert wird. Es können auch mehrere Kugeln in einigen Zwischenräumen zu gleicher Zeit fortbewegt werden. Einem Zusammenstoß derselben wird durch die dazwischen befindlichen Luftkissen vorgebeugt. Bei den Versuchen hat sich herausgestellt, daß die Kugel auf gerader Strecke, der Schiene folgend, genau in der Mitte des Rohres läuft, ohne gegen dessen Wandungen anzustoßen, wovon man sich durch Anfärben der Kugeloberfläche wiederholt überzeugte. Die Kugel wird nämlich ähnlich einem im Gang befindlichen Zweirad durch die schnelle Fortbewegung im Gleichgewicht erhalten. In Kurven ist die Laufschiene nach Maßgabe des Radius der Kurve von dem tiefsten Punkte des Rohrquerschnitts nach der äußersten Seite hin zu versetzen, um dem Anlaufen der Kugel gegen das Rohr infolge der Zentrifugalkraft vorzubeugen.

Roll, Alfred Philippe, franz. Maler, geb. 10. März 1847 zu Paris, begann seine künstlerische Laufbahn als Ornament- und Musterzeichner, wurde später Schüler der École des beaux-arts und bildete sich dann bei Gérôme und Bonnat weiter aus. In seinen ersten Arbeiten: Don Juan und Haydée nach Byron (Museum zu Avignon), einer militärischen Szene und einer Jägerin (1876), kreuzten sich noch die Einflüsse seiner beiden Lehrer; in der durch dramatisches Leben und ergreifende Charakteristik ausgezeichneten Szene aus der Überschwemmung von Toulouse im Juni 1875 (Salon von 1877, im Museum zu Havre), die ihm eine Medaille erster Klasse einbrachte, schloß er sich in der düstern Färbung mehr an Bonnat an, während die Komposition von Géricaults Floß der Medusa beeinflußt war. Seitdem bildete er seinen Stil immer mehr nach der Seite des Naturalismus aus. Schon das 1878 ausgestellte Fest des Silen (im Museum zu Gent) trug dieses Gepräge, mehr aber noch der Streik der Kohlenarbeiter (1880, im Museum zu Valenciennes), womit er in die soziale Frage eingriff, die er 1885 wiederum in einem figurenreichen Gemälde: die Arbeit, einem Bauplatz in Suresnes an der Seine mit Steinhauern, Maurern und Zimmerleuten, streifte. Dieses Bild war bereits nach den Grundsätzen der naturalistischen Hellmalerei durchgeführt, und in dem gleichen Stile bewegen sich auch seine zahlreichen Bildnisse, Genrefiguren und -Gruppen, Landschaften und Marinen, die in einer sehr derben Manier nur auf die materielle Wirkung gemalt sind. Er ist seit 1883 Ritter des Ordens der Ehrenlegion.

Rom. Der Umbau und die Erweiterung der Stadt R. ist auf Grund des im J. 1882 festgestellten