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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rowlandscher Effekt; Rückschritt; Rudini

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Rowlandscher Effekt - Rudini.

durch die von Rowland hergestellten ebenen und konkaven Reflexionsgitter. Namentlich die konkaven Gitter, welche den Gebrauch von Linsen entbehrlich machen, übertreffen alle frühern Gitter an Helligkeit und scharfer Zeichnung der Beugungsspektren. Auf der polierten Fläche eines Hohlspiegels aus Spiegelmetall von 3-5 cm Durchmesser und 1,5-6,5 m Krümmungsradius sind 14,000-100,000 feine Linien in gleichen Abständen mit einer durch eine vorzügliche Teilmaschine geführten Diamantspitze eingeritzt, etwa 400 oder auch 800 Linien auf die Länge eines Millimeters. Fällt Licht durch einen mit den Strichen parallelen Spalt auf das Hohlgitter, so erscheinen die Gitterspektren der verschiedenen Ordnungen (s. Beugung des Lichts, Bd. 2) dort, wo die reflektierten gebeugten Strahlen mit Gangunterschieden von 1, 2, 3 etc. Wellenlängen zusammentreffen. Diese Vereinigungspunkte der gebeugten Strahlenbündel, in welchen sich die Spektren mit allen ihren Einzelheiten (z. B. Fraunhoferschen Linien) scharf abbilden, liegen auf einer bestimmten krummen Linie, der Fokalkurve. Befindet sich der Spalt irgendwo auf dem Umfang eines Kreises, welcher über dem Krümmungsradius des Gitters als Durchmesser beschrieben ist, so ist dieser Kreis selbst die Fokalkurve. Bringt man daher den Spalt in dem Durchschnittspunkt zweier zu einander senkrechter horizontaler Schienen an, und sind das Gitter und die Auffangfläche, auf welcher das Spektrum entworfen werden soll, an den Enden einer Stange befestigt, deren Länge gleich dem Krümmungsradius des Hohlspiegels ist, und die mittels an diesen Enden angebrachter Rädchen auf jenen Schienen rollt, so bleiben Spalt, Gitter und Auffangfläche automatisch stets auf dem Kreise, welcher die Stange zum Durchmesser hat, und sämtliche Spektren erscheinen gleichzeitig scharf, wie man auch die Stange und mit ihr Gitter und Auffangfläche verschieben mag. Da im Gitterspektrum oder Normalspektrum (s. Beugung des Lichts, Bd. 2) bekanntlich die Abstände der verschiedenen homogenen Lichtarten den Unterschieden ihrer Wellenlängen proportional sind, so kann man längs der einen Schiene eine Skala anbringen und mit ihrer Hilfe die Mitte des Auffangschirms auf jede gewünschte Wellenlänge einstellen. Der absolute Wert der Wellenlänge, dieses wichtigsten Merkmals der homogenen Lichtarten, wird aus der genau bestimmten Entfernung zweier Gitterstriche und dem gemessenen Beugungswinkel mit großer Genauigkeit gefunden. Die Wellenlängen der beiden D-Linien z. B. wurden mit Hilfe der Rowlandschen Gitter mit früher nie erreichter Schärfe gefunden und zwar für D_{1} 0,5896156 Mikron (1 Mikron = μ = 0,001 mm) und für D_{2} 0,5890188 μ.

Das Normalspektrum der Sonne hat Rowland mittels eines Konkavgitters von 5 cm Durchmesser und 6,5 m Krümmungsradius photographiert und so einen Atlas des Sonnenspektrums hergestellt, der die früher mühsam nach Messungen angefertigten Zeichnungen an Schönheit, Reichtum der Linien und Genauigkeit weit übertrifft. Dabei gelang es, auch die weniger brechbaren Gebiete des Spektrums, für welche gewöhnliche photographische Platten bekanntlich unempfindlich sind, mit Hilfe orthochromatischer Platten ebenfalls zu photographieren. Der Rowlandsche Atlas des normalen Sonnenspektrums umfaßt 20 Spektralstreifen von je 90 cm Länge auf 10 Tafeln, von der Wellenlänge 0,300 μ im äußersten Ultraviolett bis zur Wellenlänge 0,695 μ im Rot. An der zugehörigen Skala können die Wellenlängen bis auf 0,000005 μ abgelesen werden.

Rowlandscher Effekt, elektromagnetische Wirkung statischer Elektrizität bei Bewegung des mit ihr geladenen Körpers. Durch einen elektrischen Strom, d. h. durch Elektrizität, welche sich in einem ruhenden Leiter bewegt, wird die Magnetnadel abgelenkt. Es fragt sich nun, ob auch Elektrizität, die sich auf einem Körper im Gleichgewicht befindet, elektromagnetisch wirkt, wenn man ihren Träger in Bewegung setzt. Daß dies in der That der Fall ist, hat Rowland durch folgenden Versuch nachgewiesen. Eine vergoldete Ebonitscheibe ward um eine vertikale Achse in rasche Drehung versetzt und konnte mittels einer ihrem Rande genäherten Spitze aus einer großen Batterie Leidener Flaschen mit positiver oder negativer Elektrizität geladen werden. Sie befand sich während der Rotation zwischen zwei ihr parallelen vergoldeten Glasplatten, deren Belegungen zur Erde abgeleitet waren. Die elektromagnetische Wirkung wurde mittels Spiegel, Fernrohr und Skala an einem astatischen Nadelpaar beobachtet, dessen Nadeln senkrecht zum Radius der rotierenden Scheibe standen. Wurde die Scheibe ohne elektrische Ladung in Drehung versetzt, so ergab sich eine Ablenkung der Magnetnadeln infolge des sogen. Rotationsmagnetismus (s. Magnetelektrizität, Bd. 11), durch Rückwirkung der in der bewegten Scheibe durch die Magnetnadeln induzierten Ströme. Wurde dann die Scheibe geladen, so erfolgte eine weitere Ablenkung, welche in die entgegengesetzte überging, wenn die Ladung umgekehrt wurde.

Rückschritt, in der Biologie das Herabsinken eines Lebewesens von der erreichten Organisationsstufe, wie es häufig nach einer Veränderung der äußern Lebensverhältnisse eintritt. So büßen Pflanzen, die eine schmarotzende Lebensweise annehmen, das Vermögen der Kohlensäurezersetzung im Lichte, Tiere, die sich an eine unterirdische Lebensweise gewöhnen, das Sehvermögen, solche, die im Meere festwachsen, die Bewegungs- und Sinnesorgane ein. Dabei tritt bei Tieren häufig die aus dem »biogenetischen Grundgesetz« erklärbare, auffallende Erscheinung ein, daß ein solches Tier in seinen Jugendzuständen höher organisiert ist als im herangewachsenen Zustand, z. B. die mit Augen und Bewegungsorganen versehenen Larven der Rankenfüßer. Man erklärte diese Erscheinung sonst einfach als ein Verkümmern infolge des Nichtgebrauchs. Besser ist die von Darwin formulierte Erklärung: »Wenn unter veränderten Lebensbedingungen eine früher nützliche Struktur von geringerm Gebrauch (Nutzen) wird, so muß deren Abnahme begünstigt werden, denn das Individuum hat Vorteil davon, seinen Nährstoff nicht zum Aufbau einer nutzlosen Struktur zu verwenden.« Neuerdings hat Weismann unter dem Namen Panmixie eine Erklärung gegeben, die aber nicht von der Darwinschen verschieden zu sein scheint. Vgl. Darwinismus, Bd. 17, S. 209.

Rudini, Antonio Starrabba, Marchese di, ital. Staatsmann, geb. 1839 zu Palermo aus einem alten sizilischen Adelsgeschlecht, nahm früh am politischen Leben teil und bekleidete 1866 in seiner Geburtsstadt das Amt des Sindaco (Bürgermeisters), als daselbst ein Aufstand gegen die italienische Regierung ausbrach, den die Klerikalen und die Anhänger der Bourbonen angezettelt hatten. Nachdem er bei der Niederwerfung dieser Emeute ebensoviel Mut wie Kaltblütigkeit entwickelt hatte, wurde er zunächst zum Präfekten von Palermo ernannt und 1868 auf eine der größten Präfekturen des Königreichs, nach Neapel, versetzt. Im Oktober 1869 trat er, erst 30jährig, als Minister des Innern in das Ministerium Menabrea