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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Sergius Alexandrowitsch - Silber.

serbischen Volkes in Einklang gebracht werden. Denn die Radikalen schmeichelten sich ernstlich mit der Hoffnung, daß Rußland ihnen helfen werde, das großserbische Reich zu errichten. Das Budget wurde nun genehmigt; mit Hilfe einer Anleihe von 5 Mill. war das Gleichgewicht in der Höhe von 57½ Mill. hergestellt, eine Vermehrung der regelmäßigen Einnahmen durch neue Steuern gesichert. Eine verdrießliche Schwierigkeit bereitete dem neuen Ministerium der Exkönig Milan, der im März 1891 plötzlich wieder in Belgrad erschien und, indem er seinen frühern Ministerpräsidenten Garaschanin, der durch seine Parteinahme für die Königin Natalie seinen Zorn gereizt, der Ermordung (1887) der Attentäterin Ilka Markowitsch und ihrer Gefährtin Jelena Knitschanin im Kerker beschuldigte, einen großen Skandal hervorrief. Garaschanin, durch die Anklage heimlicher Mitwissenschaft mit dem Mordanschlag auf Milan herausgefordert, schob in seiner Antwort an den »Grafen von Takowo« diesem die Schuld an der Erdrosselung der beiden Frauen zu. Doch gelang es der Regierung, Milan durch eine Vorschußzahlung von 1 Mill. Din. auf seinen Anteil an der Zivilliste zu dem Versprechen zu bewegen, bis zur Großjährigkeit des jungen Königs von S. fernzubleiben. Die Skuptschina genehmigte dies Abkommen sowie ein neues Preßgesetz, welches auch dem königlichen Elternpaar Schutz verlieh.

Sergius Alexandrowitsch, Großfürst von Rußland, geb. 11. Mai 1857 in Zarskoje Selo als vierter Sohn des Kaisers Alexander II. und der Prinzessin Maria von Hessen, wurde Offizier in der Garde und rückte bis zum Generalmajor und Kommandeur des Regiments Preobraschenskij auf. 1891 ernannte ihn sein Bruder, Kaiser Alexander III, zum Generaladjutanten und Generalgouverneur in Moskau. Obwohl sein sittliches Verhalten nicht tadelfrei war, ist S. doch streng kirchlich, dabei stockrussisch und deutschfeindlich. Er ist seit 15. Juni 1884 in kinderloser Ehe vermählt mit der Prinzessin Elisabeth von Hessen (geb. 1. Nov. 1864), der zweiten Tochter des Großherzogs Ludwig IV., die auf Andrängen ihres Gemahls 1891 zur griechisch-orthodoxen Kirche übertrat.

Servais (spr. sserwä), Emanuel, luxemburg. Staatsmann, geb. 1810, ward 1867 Staatsminister des Großherzogtums Luxemburg, wußte durch geschickte Politik 1870/71 die Neutralität und Unabhängigkeit Luxemburgs aufrecht zu erhalten, trat 1874 zurück und übernahm das Präsidium des Staatsrats, zugleich das Ehrenamt eines Bürgermeisters der Stadt Luxemburg. In den letzten Jahren war er auch Mitglied der Kammer. Er starb 17. Juni 1890 in Nauheim.

Serves Rippenröhren, s. Dampfkessel, S. 168.

Sheddach, s. Dach.

Sherman, 1) William Tecumseh, nordamerikan. General, starb 14. Febr. 1891 in New York.

Sicherheitsabblasevorrichtung, s. Dampfkessel, S. 171.

Siebeck, Hermann, philosophischer Schriftsteller, geb. 28. Sept. 1842 zu Eisleben, studierte auf den Universitäten Leipzig und Berlin Philologie und Philosophie, wirkte zunächst als Gymnasiallehrer in Gera, Stargard und Halle, habilitierte sich 1872 in letzterer Stadt als Privatdozent der Philosophie an der Universität, ward 1875 als ordentlicher Professor nach Basel, 1883 in gleicher Eigenschaft nach Gießen berufen. Ursprünglich als Schüler von Drobisch Herbartianer, ward er mehr und mehr von dem neuern Kantianismus angezogen. Er schrieb: »Untersuchungen zur Philosophie der Griechen« (Halle 1873; 2. Aufl., Freib. i. Br. 1888); »Das Wesen der ästhetischen Anschauung« (Berl. 1875); »Das Traumleben der Seele« (das. 1877); »Über das Bewußtsein als Schranke der Naturerkenntnis« (Gotha 1879); »Geschichte der Psychologie« (Bd. 1, das. 1880-84) u. a.

Siebenbürgen, Geschichte, s. Ungarn.

Siegfried von Eppenstein, Erzbischof von Mainz. Vgl. Herrmann, Siegfried I., Erzbischof von Mainz (Leipz. 1889).

Siemens, 5) Karl Wilhelm, Ingenieur. Von Poles Biographie erschien eine deutsche Übersetzung (Berl. 1890).

Signalpistole, s. Militärtelegraphie.

Sijmons (spr. seim-), Barend, niederländ. Philolog, geb. 18. Nov. 1853 zu Rotterdam, seit 1881 Professor an der Universität Groningen; schrieb außer Aufsätzen und Anzeigen in der »Zeitschrift für deutsche Philologie«, der »Germania«, dem »Litteraturblatt für germanische und romanische Philologie«, den »Taalkundige Bijdragen«, »De Gids« etc.: »Untersuchungen über die Völsungasaga« (in Paul und Braunes »Beiträgen«, 1876), »Zur Helgisage« (das. 1877), »Zur Kudrun« (das. 1884), »Bijdrage tot de dagteekening der Eddaliederen« (in den »Verslagen en Mededeelingen der Kon. Akademie van Wetenschappen«, 1887), den Abschnitt über »Heldensage« in Pauls »Grundriß der germanischen Philologie« (2. Bd., 1890) und besorgte Ausgaben der »Kudrun« (Halle 1883, Textausgabe) und der »Lieder der Edda« (herausgegeben und erklärt, Bd. 1: Text, 1. Hälfte: »Götterlieder«, das. 1888).

Silber. Zum chlorierenden Rösten der Silbererze wird neuerdings in den Vereinigten Staaten Nordamerikas vielfach der Röstofen von Stetefeld mit Erfolg benutzt. Das mit der erforderlichen Menge Kochsalz (2,5-18 Proz.) gemischte Erz (mit 0,1-2,7 Proz. S.) rutscht in dem 9-14 m hohen Ofenschacht herunter, dem im untern Teile des Schachtes eintretenden Heizgas entgegen. Die Röstgase entweichen durch einen zweiten, mit Schauöffnungen versehenen Schacht, welcher in die Flugstaubkammern mündet, und treten schließlich in eine Esse von mindestens 16 m Höhe. Je nach der Zusammensetzung der Erze beträgt die Durchsatzmenge im Stetefeldschen Röstofen in 24 Stunden 30-70 Tonnen. In allen Fällen, in welchen eine Gewinnung von Schwefelsäure nicht beabsichtigt wird, kann der Ofen auch zum oxydierenden Rösten benutzt werden. Neuerdings werden in den Vereinigten Staaten Nordamerikas vielfach Silbererze, welche nicht viel Blei und Kupfer enthalten, nach dem Russelschen Auslaugeprozeß auf S. verarbeitet. Das Verfahren beruht darauf, daß man die rohen oder die chlorierend, bez. oxydierend gerösteten Erze mit einer etwa 2 proz. Natriumthiosulfatlösung behandelt, welche durch Mischen von Thiosulfat- und Kupfervitriollösung hergestellt wird. Diese Lösung enthält Natriumkupferthiosulfat (CuS2O3, Na2O3) ^[(CuS_{2}O_{3}, Na_{2}O_{3})], in welchem das Kupfer leicht durch S. ersetzt werden kann. Das in Lösung gegangene S. wird durch Schwefelnatrium aufgefüllt. Zur Raffination von Blicksilber schmelzt die Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt Blicksilber im Graphittiegel ein und rührt in die Oberfläche des Metallbades allmählich geschmolzenes Silbersulfat ein. Blei und Wismut tauschen sich dann gegen S. in dem Sulfat aus und gehen in die Schlacke. Um das Angreifen des Graphittiegels möglichst zu vermeiden, schüttet man zunächst auf das geschmolzene Blicksilber eine Schicht von Quarzsand, in deren Mitte man das Silbersulfat einrührt.

Eine Lösung von zitronensaurem Eisenoxydul gibt