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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Silvester II.; Silvestri; Simmons; Simor; Sinnestäuschung; Sittard

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Silvester - Sittard.

-Ausfuhren der Vereinigten Staaten folgende Beträge in Millionen Dollar:

Einfuhr Ausfuhr Plus- oder Minus-Einfuhr

1888/89 29 97 -68

1887/88 59 46 +13

1886/87 60 36 +24

1885/86 39 72 -33

1884/85 43 42 +1

Durchschnitt pro Jahr -13.

Bleibt also das bisherige Verhältnis des Warenumsatzes mit dem Ausland und der Schuldigkeiten an dasselbe weiter bestehen, so würde die Union im Durchschnitt 13 Mill. Doll. jährlich an dasselbe abzugeben haben. Dieser ganze Betrag würde aber, da die Union des Silbers bedarf, in Gold bestehen. Überdies würden noch, solange die inländische Silberproduktion dem Bedarf nicht nachgekommen ist, direkt Silbereinfuhren aus dem Auslande gegen Gold (weniger gegen Waren) erfolgen. Angesichts der enormen Schwankungen der einzelnen Jahre läßt sich aber nicht in dieser Weise rechnen, und der kritische Moment kann unter Umständen daher früher für die Union eintreten. Die Bildung eines Agios für Gold wird auch schon durch die Vermehrung der Zirkulation an sich begünstigt. Jahr für Jahr sollen dem Verkehr Silbercertifikate, bez. Schatznoten für 54 Mill. Doll. neu überantwortet werden. Mehr Geld bedeutet höhere Preise und teureres Leben; teurere Produktion verminderte Konkurrenzfähigkeit gegen das Ausland; weiter dann, da die Exportfähigkeit sinkt, die Importe immer vorteilhafter werden, ungünstige Handels- und Zahlungsbilanz und Goldexport. Die erwartete stimulierende Wirkung dürfte sich in erster Linie an der Börse äußern. Die vorläufige Überreizung muß aber unausweichlich in einer Krise enden.

Silvester II., Papst. Zur Litteratur: Weißenborn, Gerbert. Beiträge zur Kenntnis der Mathematik des Mittelalters (Berl. 1888); »Lettres de Gerbert, 983-997« (hrsg. von Havet, Par. 1889).

Silvestri, Orazio, Geolog, starb im August 1890 in Catania.

Simmons, Sir John Lintorn Arabin, brit. General, geb. 1821 zu Longton in Somerset, ausgebildet auf der Militärakademie zu Woolwich, trat Dezember 1837 als Leutnant im Ingenieurkorps in die britische Armee ein. Er diente zunächst einige Jahre in Amerika und wurde dann seit 1846 bei der Eisenbahnverwaltung beschäftigt, zuletzt als Sekretär der Eisenbahnabteilung im Handelsministerium. 1853 ging er mit Urlaub nach der Türkei und wurde von dem Botschafter Lord Stratford de Retcliffe zu verschiedenen Missionen benutzt. Den Krimkrieg machte S. als britischer Kommissar im Hauptquartier Omer Paschas mit und zeichnete sich besonders während des kleinasiatischen Feldzugs so aus, daß ihm der Sultan einen Ehrensäbel verlieh. 1855 wirkte S. als britischer Kommissar bei der Regelung der türkisch-russischen Grenze in Asien mit, 1857 wurde er zum Generalkonsul in Warschau ernannt, 1860 aber zum Dienst im englischen Geniekorps zurückberufen. Zum Generalmajor aufgerückt, wurde er 1868 stellvertretender Gouverneur und 1870 Gouverneur der Militärakademie in Woolwich, 1872 Generalleutnant u. Kommandeur des Geniekorps, war 1875 bis 1880 Generalinspektor des Fortifikationswesens und wurde 1877 zum General und 1890 zum Generalfeldmarschall ernannt. Seit 1884 ist S. Gouverneur von Malta; im Sommer 1890 war er mit Verhandlungen am römischen Hofe betraut, welche sich auf die Regelung der kirchlichen Verhältnisse Maltas bezogen.

Simor, Johann, Kardinal und Fürstprimas von Ungarn, starb 23. Jan. 1891 in Gran.

Sinnestäuschung (psychologisch), die irrtümliche Verlegung eines subjektiven Vorstellungsbildes als Wahrnehmung eines (nicht so vorhandenen) Objekts nach außen. Man unterscheidet zwei Arten der S.: Halluzinationen und Illusionen. Halluzinationen sind reproduzierte Vorstellungen, welche dem Willen nicht gehorchen und ganz und gar den Charakter objektiver Sinneswahrnehmungen besitzen, ohne daß in der Außenwelt etwas zu ihrer Anregung vorhanden oder in der Vergangenheit, wie bei den Wiederholungsempfindungen (s. Empfindungen), eine stark reizende, durch die Halluzination inhaltlich wiedergegebene Sinneswahrnehmung vorangegangen ist. Die Halluzinationen entstehen durch Blutarmut oder Blutüberfüllung des Gehirns oder durch Einwirkung giftig wirkender Substanzen, wie Morphium, Alkohol etc., indem hierdurch die Reizbarkeit der Hirnrinde erhöht wird. Je nachdem ein bestimmter Teil der Rinde betroffen ist, äußern sich die Halluzinationen auf bestimmten Sinnesgebieten und zwar meist als Halluzinationen des Gesichts oder Gehörs. Dagegen ist der nähere Inhalt der Halluzinationen von der bisherigen Beschäftigung oder von der letzten starken seelischen Erschütterung abhängig; so sah ein geisteskranker Waldaufseher überall Holzstöße und ein aus einem Brande geretteter Mann überall Flammen. In seltenern Fällen associiert sich mit einer wirklichen Sinneswahrnehmung eine Halluzination, z. B. mit dem Anblick eines bestimmten Stuhles das Bild der darauf verstorbenen Gattin, und in diesem Falle ist die Gesichtshalluzination an einen bestimmten Ort gebunden, während sie sonst mit den Bewegungen des Auges wandert. Illusionen nennt man solche halluzinatorische Vorstellungen, die von einem äußern Sinneseindruck ausgehen, ihn jedoch infolge gesteigerter Reizbarkeit der zentralen Sinnesflächen und infolge allzu lebhafter Vorstellungsthätigkeit falsch auffassen. Wenn ein Baumstumpf für eine Spukgestalt, das Sausen des Windes für himmlische Musik gehalten wird, so sind das Illusionen. Der Inhalt einer Illusion ist bestimmt sowohl durch den veranlassenden Sinneseindruck als auch durch den gewohnten Beschäftigungskreis des Individuums, insofern hiervon die Art der Interpretation abhängt; das Auftreten der Illusion ist an den bestimmten Ort gebunden, von dem der Reiz ausgeht. Vgl. Brierre des Boismont, Des hallucinations (3. Aufl., Par. 1861).

Sittard, Joseph, Musikschriftsteller, geb. 4. Juni 1846 zu Aachen, betrieb in Heidelberg historische und litterarische Studien, widmete sich dann seit 1868 auf dem Konservatorium in Stuttgart der Musik, wurde nach Beendigung seiner Studien 1872 an demselben als Lehrer für Gesang und Klavier angestellt und übernahm 1883 auch die Vorlesungen über Musikgeschichte. Im Herbst 1885 trat er an Stelle von L. Meinardus als Musikreferent in die Redaktion des »Hamburger Korrespondenten« und übernahm Mitte 1890 die Redaktion des Feuilletons des genannten Blattes. 1891 wurde er vom Herzog Ernst zu Sachsen-Koburg-Gotha zum Professor ernannt. Er schrieb außer größern Aufsätzen in Fachzeitschriften (besonders der »Allgemeinen musikalischen Zeitung«, den »Monatsheften für Musikgeschichte«, der »Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft« etc.): »Kompendium der Geschichte der Kirchenmusik« (Stuttg. 1881); »Zur Einführung in die Geschichte und Ästhetik der Musik« (das. 1885); »Studien und Charakteristiken«