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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sterilität, männliche; Stern der drei Könige

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Sterilität - Stern der drei Könige.

gewordenen Thatsachen weisen darauf hin, daß die Isomerie der Oxime auf eine verschiedene Lagerung der mit Stickstoff verbundenen OH-Gruppe in Bezug auf die mit Kohlenstoff verbundenen Radikale x und y zurückzuführen ist, wie es durch folgende Formeln verdeutlicht sein mag: ^[img]

x-C-y und x-C-y

|| ||

N. OH HO. N

Man erkennt unschwer die Analogie mit der soeben entwickelten Isomerie ungesättigter Verbindungen mit doppelter Kohlenstoffbindung; (CH)''' ist durch N''' ersetzbar. Weiter ist ersichtlich, daß nur bei Verschiedenheit von x und y Konfigurationsunterschiede obwalten können, völlig im Einklang mit der Thatsache, daß wir zwei isomere Oxime des Benzaldehyds C_{6}H_{5}.CO.H, des Tolylphenylketons C_{6}H_{5}.CO.C_{6}H_{4}CH_{3}, jedoch nur ein Oxim des Diphenylketons C_{6}H_{5}.CO.C_{6}H_{5} kennen. Auch entspricht es den Anforderungen dieser Theorie, daß aus dem Benzil, welches die CO-Gruppe zweimal enthält, C_{6}H_{5}.CO-CO.C_{6}H_{5}, zwei isomere Monoxime, aber drei Dioxime dargestellt werden konnten: ^[img]

1) -C - C-2)-C - C-3)-C-C-

|| || || || || ||

N. OH N. OH N. OH HO. N HO. N N. OH.

Die Isomerie besteht nicht nur bei den Oximen selbst, sondern bleibt auch erhalten, wenn der Wasserstoff der OH-Gruppe durch Alkoholradikale ersetzt wird. Auch gewisse Eigentümlichkeiten im Verhalten der isomeren Oxime finden ihre ungezwungene Erklärung in den Raumformeln, so ist z. B. nur dasjenige Benzaldoxim, dem wir die Formel ^[img] || zuschreiben müssen, im stande, unter Abspaltung von H_{2}O in Benzonitril überzugehen: ^[img] ||| +H_{2}O. Bemerkenswert ist jedoch, daß die stereochemische Isomerie sofort aufhört, wenn nur eins der beiden an Kohlenstoff gebundenen Radikale der Fettreihe angehört; z. B. Acetophenon C_{6}H_{5}.CO.CH_{3} bildet nur ein Oxim.

Obwohl vorläufig allein auf das Gebiet der Kohlenstoffverbindungen und unter den Stickstoffverbindungen auf die Klasse der Oxime beschränkt, in vielen Punkten noch der Entwickelung bedürftig, hat die S. jedenfalls das Wagnis, räumliche Vorstellungen in die Strukturlehre einzuführen, gerechtfertigt. Vgl. Le Bel in Bull. soc. chim. (1874); van 't Hoff, La chimie dans l'espace (Rotterd. 1875; deutsch von Herrmann: »Die Lagerung der Atome im Raume«, Braunschw. 1877); Derselbe, Dix années dans l'histoire d'une théorie (Rotterd. 1887); Wislicenus in den Verhandlungen der sächs. Akad. d. Wissensch., XIV, 1; V. Meyer, Ergebnisse und Ziele der stereochemischen Forschung (Heidelb. 1890); Auwers, Hantsch, Werner in den Berichten der Deutschen chemischen Gesellschaft, Bd. 21-23; Auwers, Die Entwickelung der S. (Heidelb. 1890).

Sterilität, männliche, s. Unfruchtbarkeit.

Stern der drei Könige (Stern der Weisen), der Stern, welcher nach dem Bericht im 2. Kapitel des Matthäus-Evangeliums die Weisen (Magier) aus dem Morgenland zum Geburtshaus Jesu nach Bethlehem führte. Bei den Juden hat von alters her der Glaube geherrscht, die Ankunft des Messias werde durch einen Stern von außergewöhnlicher Art bezeichnet werden, und schon Bileams Weissagung (4. Mos. 24, 17): »Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen«, ist auf denselben gedeutet worden. Auch in der Zeit nach Christo ist in rabbinischen Schriften vielfach von dem Stern des Messias die Rede. In ganz bestimmter Weise wird derselbe aber, wie es scheint, zuerst auf eine Zusammenkunft der beiden Planeten Jupiter und Saturn im Zeichen der Fische gedeutet von dem spanischen Rabbi Abarbanel (vgl. Abravanel, Bd. 1), zu dessen Zeit (1463) wieder eine solche Zusammenkunft stattfand. Einer ähnlichen Ansicht huldigte auch Kepler, welcher Ende 1603 eine solche Zusammenkunft der beiden Planeten beobachtete; der Umstand, daß im Herbst 1604 in der Nähe der immer noch nicht weit voneinander entfernten zwei Planeten am östlichen Fuß des Schlangenträgers unerwartet ein heller Stern aufleuchtete (vgl. »Temporäre Sterne« im Art. Fixsterne, Bd. 6, S. 324), veranlaßte ihn, in seiner Schrift »De stella nova in pede Serpentarii« (Prag 1606) die Vermutung auszusprechen, der Stern der Weisen habe aus einer Vereinigung des Saturn, Jupiter und irgend eines außerordentlichen Sternes bestanden. Mit Hilfe der besten damals vorhandenen, noch sehr unvollkommenen Pruthenischen Planetentafeln (vgl. Astronomie, Bd. 1, S. 977 f.) fand Kepler, daß 747 nach der Erbauung Roms eine dreimalige Zusammenkunft, im Juni, August und Dezember, stattgefunden habe und zwar in der letzten Hälfte des Zeichens der Fische, in der Nähe des Widderpunktes; im Februar und März des nächsten Jahres sei zu Jupiter und Saturn noch der Mars hinzugetreten, und die höchst seltene Vereinigung der drei obern Planeten, zu denen noch ein außerordentlicher Stern hinzugekommen, habe die chaldäischen Magier nach den Regeln der Astrologie auf eine Begebenheit von der größten Wichtigkeit aufmerksam machen müssen. Kepler setzte daher die Geburt Christi an den Schluß des Jahres 748 nach der Erbauung Roms. Vgl. seine Schriften: »De Jesu Christi servatoris nostri vero anno natalitio« (Frankf. 1606); »Widerholter Außführlicher Teutscher Bericht, daß vnser Herr vnd Hailand Jesus Christus nit nuhr ein Jahr vor dem Anfang vnserer heutiges Tags gebreuchigen Jahrzahl geboren sey: wie Herr D. Helisaeus Röslinus ... fürgibt: auch nicht nur zwey Jahr, wie Scaliger vnd Calvisius Chronologi mit vielen alten Kirchen-Scribenten dafürhalten, sondern fünff gantzer Jahr« (Straßb. 1613); »De vero anno quo aeternus Dei filius humanam naturam in utero benedictae virginis Mariae assumsit« (Frankf. 1614); ferner: Pfaff, Das Licht und die Weltgegenden, samt einer Abhandlung über Planeten-Konjunktionen und den Stern der drei Weisen (Bamb. 1821); Münter, Der Stern der Weisen. Untersuchungen über das Geburtsjahr Christi (Kopenh. 1827).

Auf Grund neuerer Tafeln von Carlini und Bouvard hat Encke gefunden, daß die drei Konjunktionen des Jupiter und Saturn 747 nach Erbauung Roms 29. Mai, 1. Okt. und 5. Dez. im 21., 18. und 16. Grade des Zeichens der Fische stattfanden, und daß in allen drei Fällen der Abstand der beiden Planeten nur ungefähr einen Grad betrug. Bei der ersten Zusammenkunft waren sie vor Sonnenaufgang am Morgenhimmel, bei den beiden andern abends im Süden sichtbar. Mars kam erst am Anfang des nächsten Jahres in ihre Nähe, stand aber als matter Stern tief am Westhimmel, während die beiden andern in den Strahlen der Abendsonne verschwanden. Als alle drei im April 748 auf der andern Seite der Sonne erschienen, war die Entfernung von Jupiter und Saturn schon ziemlich groß, weshalb es nicht die Zusammenkunft aller drei Planeten sein konnte,