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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Stickstoff; Stickstoffwasserstoffsäure; Stöcker

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Stickstoff - Stöcker.

mete sich aber schließlich ganz der Schriftstellerei, in welcher er große Erfolge errang. Aus Gesundheitsrücksichten unternahm er wiederholte Reisen in Europa und Amerika, von wo er mannigfachen Stoff für seine Schriften mitbrachte, bis er sich endlich auf Samoa dauernd ansiedelte. Er schrieb: »An Inland voyage« (1878), »Edinburgh picturesque notes« (1879), »Travels with a donkey through the Cevennes« (1879), »Virginibus puerisque« (1881), »Studies of men and books« (1882), »New Arabian nights« (1882, 2 Bde.), womit er das Gebiet des Phantastischen betrat, und »The Treasure Island« (1883), sein an Defoe erinnerndes Meisterwerk, welchem die zunächst folgenden Erzählungen: »The Silverado squatters« (1883), »The Dynamiter« (1885), »Prince Otto« (1885), in denen die Lust am Abenteuer ebenfalls wieder stark hervortritt, nicht gleichkamen. In »The strange case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde« (1885) trat S. wieder ganz auf das Gebiet des Wildphantastischen, doch fand das Buch bei der wachsenden Freude am Wunderbaren und Gruseligen, die sich seit Anthony Trollopes photographischer Darstellung des wirklichen Lebens hervorgedrängt hat, zahlreiche Freunde und, als Spektakelstück auf die Bühne gebracht, seine Bewunderer. In »Kidnapped« (1886), einer um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in Schottland spielenden Abenteurergeschichte, hat sich S. wieder der Art zugewandt, welche ihm in »Treasure Island« so reiche Lorbeeren eingebracht hatte. Ähnlicher Art sind: »Black arrow« (1888) und »The master of Ballantrae« (1889). Auch veröffentlichte S. einige Bände Gedichte (»A child's garden«, 1885; »Underwoods«, 1887; »Ballads«, 1891) und »Memories and portraits« (2. Aufl. 1888). Ein Lustspiel »Beau Austin« (in Gemeinschaft mit W. C. Henley) ging im Herbst 1890 über die Londoner Bühne.

Stickstoff. Direkte Vereinigung von S. mit Sauerstoff ist bisher nur in vereinzelten Fällen nachgewiesen worden. Kleine Mengen von salpetriger Säure scheinen bei allen Verbrennungen in der Luft zu entstehen. Hält man einen feuchten Kolben eine halbe Minute über eine kleine Flamme des Bunsenbrenners und spült den Kolben mit Wasser aus, so kann man in letzterm salpetrige Säure nachweisen, die aus dem S. der Luft durch direkte Vereinigung mit Sauerstoff entstanden ist. Auf diesen Prozeß ist die angebliche Bildung von salpetriger Säure beim Verdunsten von Wasser an der Luft zurückzuführen. Überall, wo hierbei salpetrige Säure nachgewiesen werden konnte, entstammte sie der Feuerung. Bei höherer Temperatur veranlaßt Platin die direkte Vereinigung von S. mit Sauerstoff. Die Wirkung beginnt für Platinmohr bei 180°, für Platinschwamm bei 250°, für Platinblech bei 280°. Durch längeres Erhitzen auf 300° verliert das Platin seine Wirksamkeit. Länger bekannt ist die Thatsache, daß die elektrische Entladung in einem feuchten Gemenge von S. und Sauerstoff zur Bildung von Salpetersäure Veranlassung gibt und zwar jedenfalls infolge davon, daß der Sauerstoff zunächst in Ozon umgewandelt wird. Bei gewöhnlicher Temperatur läßt sich S. mit Sauerstoff direkt vereinigen, wenn man gereinigte Luft durch Kalilösung leitet, in welcher Platinmohr verteilt ist. Enthält die Lösung nur 0,1 pro Mille Alkali, so entsteht lediglich salpetrige Säure. Der in geringer Menge mit Sauerstoff am Platin verdichtete S. wird unter Mitwirkung des Alkalis wahrscheinlich zunächst zu Stickoxyd oxydiert, welches sich dann weiter in salpetrige Säure verwandelt. Ist die Alkalilösung konzentrierter (0,5 Proz.), so wird Wasser zersetzt, und es entsteht salpetrigsaures Ammoniak. Diese Verbindung des freien Stickstoffs mit Sauerstoff ohne Mitwirkung von Elektrizität oder erhöhter Temperatur bietet vielleicht ein Analogon zu einem Vorgang, welcher in der Natur in größtem Maßstab stattfindet. Gewisse Pflanzen, vor allem die Leguminosen, vermögen den S. der Luft in assimilierbare Verbindungen überzuführen, wobei die eigentümlichen Gebilde an den Wurzeln dieser Pflanzen eine Rolle spielen. Auch hier dürfte sich zuerst salpetrigsaures Ammoniak bilden. Nähern Einblick in den stattfindenden Prozeß hat man noch nicht gewinnen können, vielleicht aber ist dem Protoplasma dabei eine ähnliche Wirkung zuzuschreiben wie im oben beschriebenen Falle dem fein verteilten Platin.

Stickstoffwasserstoffsäure (Azoimid) N3H ^[N_{3}H] entsteht, wenn man Hydrazinhydrat N2H4·2H2O ^[N_{2}H_{4}·2H_{2}O] auf Benzoylglykolsäure einwirken läßt, das (neben Hydrazinessigsäure) entstandene Benzoylhydrazin mit salpetriger Säure behandelt und das durch Abspaltung von Wasser aus dem gebildeten Nitrosobenzoylhydrazin hervorgegangene Benzoylazoimid mit Natronlauge verseift. Man erhält Stickstoffnatrium NaN3 ^[NaN_{3}], aus welchem Schwefelsäure die freie S. abscheidet. Farbloses, an der Luft rauchendes Gas, riecht höchst eigentümlich, furchtbar stechend, erzeugt selbst in verdünntem Zustand Schwindel und Kopfschmerz unter gleichzeitiger heftiger Entzündung der Nasenschleimhaut. Es wird vom Wasser lebhaft absorbiert; bei Destillation der Lösung entweicht zunächst ein Teil des Gases, dann geht zwischen 90 und 100° eine sehr konzentrierte wässerige Säure über, welche bis zu 270 Teile Stickstoffwasserstoff enthalten kann. Bei weiterm Erhitzen tritt ein Gleichgewichtszustand ein, und bis zum letzten Tropfen destilliert eine verdünnte Säure. Bei Neutralisation der S. mit Basen entstehen Stickstoffmetalle, welche den Chlormetallen ähnlich, aber höchst explosiv sind. Die Detonation weniger Milligramme der Quecksilberoxydulverbindung soll eine ganz beispiellose sein. Auch die freie Säure scheint leicht und äußerst heftig zu explodieren. Bisher kannte man nur zwei basische Verbindungen des Stickstoffs mit Wasserstoff, das Ammoniak NH3 ^[NH_{3}] und das Hydrazin (Diamid) H2N-NH2 ^[H_{2}N-NH_{2}]. Der von Curtius in Kiel entdeckte Stickstoffwasserstoff ist zu betrachten als eine Verbindung der Imidogruppe NH mit der Azogruppe N2 ^[N_{2}]. Ist es nun also möglich gewesen, drei Stickstoffatome zu einem Molekül zu vereinigen, so darf man auch hoffen, daß es gelingen wird, eine größere Anzahl derselben aneinander zu ketten. Wenn das aber (wie bei dem Kohlenstoff) möglich ist, dann eröffnet sich der Ausblick auf eine neue Chemie der Stickstoffverbindungen, die der Chemie der Kohlenstoffverbindungen oder der organischen Chemie sich zur Seite stellen würde.

Stöcker, Adolf, preuß. Hofprediger, setzte auch 1889 und 1890 nicht bloß seine Agitation für die christlich-soziale Partei, sondern auch seine politische Agitation gegen die gemäßigten Parteien fort und versuchte trotz aller Ablehnungen immer wieder eine Einigung mit den Ultramontanen herbeizuführen. Ferner vertrat er auf den Synoden die hierarchischen Tendenzen in der evangelischen Kirche in schroffster Weise. Er meinte, daß er nach dem Rücktritt Bismarcks in den höhern Kreisen keinen Gegner mehr habe. Indes als der Oberhofprediger Kögel im Herbst 1890 einen längern Urlaub erhielt, beauftragte der Kaiser S., obwohl derselbe der nächst älteste Hofprediger war, nicht mit der Vertretung Kögels und erteilte 8. Nov. S. sofort die angebotene Entlassung.