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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Telegraph

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Telegraph (Fortschritte, Weltverkehr).

Ersetzung der Brutteiche durch ein neues Aufzuchtverfahren hervorgehoben zu werden. Bei demselben werden kleine, durchsömmerte Streichteiche verwendet, die Brut 5-8 Tage nach der Geburt abgefischt und allsogleich noch im Geburtsjahr unter Anwendung künstlicher Fütterung gestreckt. Die einjährigen Streckfische treten dann mit weit höherm Gewicht in die nächstjährige Strecke als bei dem ältern Aufzuchtverfahren in Brutteichen. In den Streckteichen kommt man heute immer mehr von der Zugabe dreijähriger Karpfen als Leitfische als unzweckmäßig ab. Die Leistung besonders der nicht gesömmerten Hauptteiche wird bei verdoppelter Besatzung durch künstliche Fütterung der Karpfen zweimal die Woche wesentlich erhöht. Zu letzterer werden Fleischmehl, Rapskuchenmehl, Weizenkleie, gekochte Hülsenfrüchte, Biertrebern u. dgl. verwendet. Zur Zeit rechnet man pro Hektar Wasserfläche bei schlechten Teichen 20-35 kg, mittlern Teichen 40-60 kg, guten großen Teichen 60-80 kg, kleinen reichen Teichen 120-190 kg, Dorfteichen mit reichlichem Jauchezufluß 200-400 kg jährlichen Karpfenzuwachs. Eine sehr empfehlenswerte Teichmelioration vor der Sömmering ist das Schlammaufführen im Winter aus den zu tief mit Wasser bedeckt gewesenen Schlammablagerungen an den tiefsten Teichstellen auf die sandigen Teichränder unter Zuhilfenahme von transportabeln Schienenbahnen. Durch die Sömmerung in Verbindung mit Düngung mit Stallmist, menschlichen Exkrementen, Jauche, Kalk (6-12 Ztr. pro Hektar), Superphosphat etc. erhält die nachfolgende Fischbesatzung einen um so wertvollern Zufluß von Nahrung, je besser der Stand der Feldfrüchte war. Durch das Trockenliegen und Beackern während des Sommers werden Rohr, Schilf, Binsen und ähnliche hartstengelige Pflanzen zerstört, welche das Gedeihen der Karpfen erheblich beeinträchtigen. Vgl. Susta, Die Ernährung des Karpfens (Stettin 1888).

Telegraph (Fortschritte, Betriebsergebnisse). I. Ausland. Überall haben die auf die räumliche Ausdehnung und Verdichtung des Leitungsnetzes sowie auf die Erleichterung in der Benutzung der Beförderungsgelegenheiten gerichteten Bestrebungen einen namhaften Zuwachs der telegraphischen Verkehrsmittel zuwege gebracht. Die automatische Telegraphie (s. Telegraph, Bd. 15, S. 568) ist infolge der stetigen Vervollkommnung der Apparate und technischen Betriebseinrichtungen zu einem solchen Grade ausgebildet worden, daß vermittelst des Wheatstoneschen Schnellschreibers, welchem ein nach seinem Erfinder, dem Engländer Stroh, benannter verbesserter Lochapparat beigegeben worden ist, unter günstigen Verhältnissen bis 600 Wörter in der Minute befördert werden können. Während dieser Apparat namentlich für Übermittelung von langen Preßtelegrammen in England in Gebrauch ist, hat Frankreich für den Verkehr zwischen Paris und den Hauptbörsenplätzen den Multiplexapparat von Baudot (s. Telegraph, Bd. 15, S. 570) allgemein eingeführt. Die Ersetzung der lästigen hydro-galvanischen Batterien durch andre Stromquellen ist mit Erfolg versucht worden. Seit längerer Zeit schon wird seitens der Western Union Telegraph Company in Amerika der durch Dynamomaschinen erzeugte Induktionsstrom für den Betrieb ihres weitverzweigten Leitungsnetzes und seitens der französischen Telegraphenverwaltung für den Betrieb einzelner bei der Zentralstation in Paris eingeführter Leitungen verwendet. Über die Ersetzung des Batteriestroms durch Sammlerbatterien s. unten Deutschland. Die unterirdische Führung der Leitungsdrähte ist nach deutschem Vorgang in Frankreich und Amerika nachgeahmt worden und steht in England bevor. Das unterirdische Leitungsnetz Frankreichs verbindet Paris mit Lyon, Marseille, Bordeaux, Havre, Lille und Nancy und hat einen Kostenaufwand von 30,060,000 Mk. erfordert. Die Unterseetelegraphie hat 1889 und 1890 Erweiterungen von hervorragendster Wichtigkeit, daneben aber auch höchst bemerkenswerte Änderungen erfahren; denn außer den vielen neuen Kabelverbindungen für den internationalen Verkehr ist auch mit der bisher allgemein geübten Praxis: die Herstellung und den Betrieb größerer internationaler Kabelverbindungen ausschließlich der Privatindustrie zu überlassen, zum erstenmal in weiterm Umfang gebrochen worden. Über Deutschland wird in dieser Beziehung weiter unten besonders gesprochen werden. Großbritannien hat eine neue Linie von Porthcurno nach Lissabon, Cadix, Gibraltar, Malta und Zante hergestellt, die einen weitern Absatzweg nach Indien und Australien darstellt. Auf Italien entfällt die Linie Massaua-Assab-Perim. Für die transatlantischen Kabel ist das Jahr 1889 insofern von besonderer Bedeutung, als mit demselben der 1885 begonnene Gebührenkrieg beigelegt und eine Einigung aller beteiligten Kabelgesellschaften in der Weise erzielt worden ist, daß nunmehr, unter Zugrundelegung einer einheitlichen Gebühr, die sämtlichen Einnahmen in eine gemeinsame Kasse fließen. Die Verteilung unter die verschiedenen Gesellschaften erfolgt dann nach Maßgabe der Zahl der jeder einzelnen Gesellschaft gehörigen Kabel. In Mittel- und Südamerika sind folgende Kabelverbindungen an das Welttelegraphennetz angeschlossen worden: ein Kabel von Santiago auf Cuba nach Porto Plato auf Haïti. Eine neu hergestellte Landlinie verbindet Porto Plato mit San Domingo im S. von Haïti. San Domingo ist seinerseits durch ein Kabel über Curassao mit La Guayra in Venezuela verbunden, während von Curassao ab ein Kabel ostwärts nach Paramaribo in Surinam und von hier weiter nach Vizeu in Brasilien führt, wo es durch die vorhandenen Landlinien über Para (Belem) oder San Luiz (Maremham) weitern Anschluß findet. In Asien verdient die zwischen Futschou und Tamsui auf der Insel Formosa hergestellte Kabelverbindung Erwähnung. Die Verbindungen an der Westküste von Afrika, welche nur bis Loanda reichten, sind durch ein Kabel über Mossamedes bis zur Kapstadt vervollständigt worden. Ein neues Kabel, von den Kapverdischen Inseln ausgehend, nimmt seinen Weg über Bathurst, Freetown, Bageida, Lagos nach Bonny. An der Ostküste ist von Sansibar eine Zweiglinie nach dem Festland gelegt, welche die Orte Bagamoyo und Dar es Salam an das Welttelegraphennetz anschließt.

Die gesamte Länge der Kabel, welche gegenwärtig in der Welt benutzt werden, beträgt 115,000 Seemeilen oder 213,325 km; davon sind 208,560 einaderig und nur 4765 km mehraderig. 192,000 km gehören den verschiedenen Kabelgesellschaften, und nur 21,325 km sind Eigentum von 16 verschiedenen Staaten. Unter diesen nimmt Frankreich mit 5920 km die erste, Deutschland mit 1113 km die sechste Stelle ein.

Der Verkehr auf den submarinen Kabeln hat insofern eine Verbesserung erfahren, als fast sämtliche Kabel mit dem von Muirhead und Taylor erfundenen Gegensprechsystem (gleichzeitige Beförderung von Telegrammen auf demselben Drahte in entgegengesetzten Richtungen) betrieben werden. Es