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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Überlandpost; Übersprünge; Uhr

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Überlandpost - Uhr.

U.

Überlandpost, ursprünglich die neben Personenbeförderung auch der Postbeförderung dienende Verbindung des Südostens der Vereinigten Staaten von Nordamerika mit dem fernen Westen auf dem Landweg (overland route). Von Woods ins Leben gerufen und von J. ^[John] Burch geleitet, wurde im August 1857 eine halbmonatliche Wagenverbindung zwischen San Antonio in Texas durch das sogen. Indian Territory und Arizona nach San Francisco eingerichtet. Diese Verbindung dauerte bis zum August 1858, um welche Zeit Butterfield die nach ihm benannte wöchentlich zweimal abgehende Ü. zwischen St. Louis in Missouri und San Francisco einrichtete, nachdem der Generalpostmeister mit dem Unternehmer für 600,000 Doll. jährlich einen Vertrag abgeschlossen hatte, auf Grund dessen die Entfernung zwischen St. Louis und San Francisco (2500 engl. Meilen = 4025 km) in 25 Tagen zurückgelegt werden mußte. Der Weg führte durch die endlosen Einöden und pfadlosen Gebirge der Gebiete Kansas, Colorado, Utah und Nebraska, in denen allen noch feindliche Indianer hausten. Trotzdem wurde die Fahrt meist in 20-22 Tagen zurückgelegt, und als es einmal einer Botschaft des Präsidenten galt, gar in 16 Tagen. Als der Aufruhr des Südens ausbrach (April 1861), hörte die Butterfield-Überlandpost auf. Eine zweite Ü. war die 1859 zwischen St. Joseph in Missouri und San Francisco eingerichtete Overland Pony Express, mittels welcher die vom Osten an dem damaligen Eisenbahnendpunkt St. Joseph ankommende Post durch Reiter nach San Francisco befördert wurde. Die Entfernung (1950 engl. Meilen = 3140 km) wurde in 10 Tagen zurückgelegt. Die Unternehmung war von New Yorker Spekulanten in Goldaktien, denen an schleunigster Übermittelung des Standes der Goldbörse gelegen war, mit einem Aufwand von 200,000 Doll. ins Leben gerufen worden, bestand aber nur ein Jahr, da der Ausbruch des Bürgerkrieges auch ihr ein Ende machte.

Heute versteht man unter Ü. die Postbeförderung von England nach Indien über Frankreich und Italien. Die günstige Lage Italiens, die guten Eisenbahnverbindungen des Landes mit Frankreich, Deutschland und Österreich, die weit in das Mittelmeer nach Ägypten, bez. den Suezkanal hin vorgeschobene Lage des mittels internationaler Schnellzüge erreichbaren Hafens Brindisi haben bewirkt, daß der Postverkehr zwischen dem mittlern und westlichen Europa einer- und dem Orient anderseits allmählich fast ausnahmslos den Weg über Italien genommen hat. Die indische Ü. wird wöchentlich einmal über Brindisi, die australische abwechselnd die eine Woche gemeinsam mit der indischen über Brindisi, die andre Woche (mit Schiffen der Orientlinie) über Neapel befördert. Mit der indischen Ü. sind vom 1. Juli 1887 bis 30. Juni 1888: 51,446, 1888-89: 44,369 Briefsäcke in der Richtung nach Indien, bez. Australien und in ersterm Jahr 16,944, in letzterm Jahr 16,606 Briefsäcke in der Richtung aus Indien, bez. Australien befördert worden. Von diesen Säcken waren abgesandt aus England bez. 40,585 und 33,396, aus Frankreich bez. 2431 und 3314, aus Deutschland bez. 828 und 966, aus Österreich bez. 412 und 275, aus den Niederlanden bez. 499 und 543, aus Portugal bez. 267 und 263, aus der Schweiz bez. 163 und 110 und aus Italien selbst bez. 6201 und 5502. Von den aus Indien bez. Australien in Brindisi eingegangenen Briefsäcken waren bez. 12,046 und 11,991 nach England, 1151 und 1173 nach Frankreich, 413 und 564 nach Deutschland, 851 und 539 nach Österreich, 216 und 248 nach den Niederlanden, 294 und 288 nach der Schweiz und bez. 1973 und 1804 nach Italien gerichtet. Die Beförderung erfolgte, wennmöglich, mit den fahrplanmäßigen Schnellzügen; wurde der Anschluß an einen solchen nicht erreicht, so wurden zur Beschleunigung Sonderzüge für Rechnung der italienischen Postverwaltung eingelegt. Seit 1. Jan. 1890 erfolgt die Beförderung auf der ganzen Strecke (Modane-Brindisi) ausschließlich durch Sonderzüge. Die italienische Postverwaltung bemüht sich angelegentlichst, den Transit der Posten zu erleichtern, um die drohende Konkurrenz der Linie nach Saloniki fernzuhalten oder doch zu erschweren. Der Teil der australischen Ü., der über Neapel geht, betrug 1887-88: 9544, 1888-89: 17,006 Briefsäcke. In den beiden bezeichneten Jahren wurden in der Richtung nach Australien über Neapel 3731 und 10,506 Säcke aus England, 134 und 364 aus Frankreich und 442 und 450 aus Italien, und in der Richtung aus Australien 445 und 470 Säcke nach Italien, 272 und 275 nach Frankreich, 24 und 46 nach Deutschland und 4496 und 4895 nach England befördert. Seit 1. Jan. 1890 wird auch die australische Ü. auf der Eisenbahnlinie Foggia-Neapel ausschließlich durch Sonderzüge befördert. Für die gesamten Transitleistungen hat die italienische Postverwaltung z. B. 1886: 1,930,000,1887: 2,178,000 und 1888: 2,500,000 Frank bezogen.

Übersprünge, s. Dislokation.

Uhr. Hemmungen, bei welchen durch Einschaltung eines Hilfsmechanismus die Schwingungen der Unruhe während des größern Teils der Schwingungsdauer unabhängig von der Antriebsvorrichtung stattfinden, nennt man freie Hemmungen. Ihrer Anlage nach unterliegen sie am wenigsten Störungen, gewähren daher den genauesten und sichersten Gang und gehören deshalb zu den wichtigsten Teilen der Chronometer. Doch gab es bis jetzt vollkommen freie Hemmungen nicht, weil sowohl durch den Antrieb der Unruheachse als durch die Auslösung des Gangrades noch meßbare Widerstände zu überwinden waren. Um eine vollkommene Freiheit der Unruheschwingungen zu erzielen, gab Ingenieur Riefler in München die gewöhnliche Art der Kraftübertragung auf, indem er die Kraft des Räderwerkes durch die Spiralfeder auf die Unruhe übertrug. Wenn nämlich die letztere aus der Ruhelage gekommen ist, hat die Spirale eine gewisse Spannung, welche mit der Größe des Schwingungsbogens zunimmt. Wird diese Spannung im richtigen Moment durch das Räderwerk vermehrt, so findet eine Kraftzufuhr statt, was dadurch ermöglicht wird, daß das eine Ende der Spirale nicht fest mit den Platinen, sondern beweglich angebracht wird. Daraus ergibt sich als Aufgabe des Räderwerkes: den Befestigungspunkt der Spirale (das sogen. Spiralklötzchen) bei jeder Unruheschwingung im geeigneten Moment hin und her zu bewegen. Diese Aufgabe hat das nachstehend beschriebene Echappement von Riefler ebenso einfach wie vollkommen gelöst.

Unterhalb der Unruheachse a (Fig. 1 u. 2, S. 946) befindet sich in deren Verlängerung die Drehachse eines sternförmigen Hebels B mit drei Armen. In dem einen Arm ist bei K das eine Ende der Spirale P