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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Uhren, elektrische

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Uhren, elektrische (von Kirpal und Winbauer).

hängepunkt des Pendels, welcher höher liegt als die Drehachse des Ankers, nach erfolgter Auslösung durch das Heberad in entgegengesetzter Richtung der Pendelschwingung bewegt wird. - Zur Litteratur: Schirek, Die U. in kulturgeschichtlicher und kunstgewerblicher Beziehung (Brünn 1890).

Uhren, elektrische, können eingeteilt werden in solche, in denen statt einer gespannten Feder oder eines sinkenden Gewichts die Elektrizität als bewegende Kraft benutzt wird, und in solche, bei welchen die Elektrizität zum Aufziehen dient. Außer diesen eigentlichen elektrischen Uhren gibt es noch andre, welche durch eine Normaluhr mit Hilfe der Elektrizität getrieben werden; auch gehören hierher die sogen. Signaluhren, welche zu bestimmten Zeiten durch Stromschluß Signale geben.

Von den neuern Uhren, in welchen die Elektrizität unmittelbar als bewegende Kraft auftritt, ist jene von Jos. Kirpal in Wiesbaden zu nennen. Das mittels einer Pendelfeder bei d (Fig. 1 und 1a) aufgehängte Pendel P trägt nahe seinem obern Ende zwei Arme AA in Lyraform, welche an ihrem obern Ende mit aufgelegten Platinplättchen versehen sind und dazu dienen, bei jeder Schwingung des Pendels einen Stromschluß zu bewirken. Das Pendel schwingt vor den Elektromagneten K K. Auf einem Träger L ist ein Gewichtshebel B angebracht, der im Punkte a drehbar ist und an seinen beiden Enden die Laufgewichte D und E trägt. In der Mitte dieses Hebels befindet sich die Stellschraube C und in entsprechender Entfernung der Kontaktarm F; derselbe ist winkelförmig nach vorn gebogen, so daß er während der Ruhelage des Pendels nahe über dem obern Ende des Arms A steht und bei einer Pendelschwingung nach rechts von dem Arm A getroffen wird. An der Berührungsstelle ist sowohl F als A mit Platinplättchen belegt. Der Gewichtshebel B ist vermittelst der beiden Laufgewichte so abgewogen, daß der längere Arm mit dem Gewichte E den kürzern Arm mit dem Gewichte D überlastet und folglich die Stellschraube C mit ihrem untern Ende stets auf dem Anker G aufsteht. Der Druck von C auf G vermag jedoch nicht G aus seiner Ruhelage zu bringen, indem der Anker G durch das Laufgewicht H in entsprechender Weise ausbalanciert ist. Der elektrische Strom geht von der Batterie bei d durch die Pendelaufhängung nach A. Findet bei d Kontakt statt (was bei jeder Rechtsschwingung des Pendels stattfindet), so fließt der Strom weiter durch die Elektromagnete K und zur Batterie zurück; der Anker G wird nunmehr angezogen, der Hebel B drückt mit dem Übergewicht seines längern Arms a E bei b auf den Arm A des Pendels und erteilt diesem somit einen Antrieb nach links. Sobald das Pendel sich etwas nach links bewegt hat, wird der Strom bei b unterbrochen, der Anker kehrt in seine frühere Lage zurück, bis bei der Rechtsbewegung der Strom bei b wieder geschlossen wird und in gleicher Weise ein neuer Antrieb erfolgt.

Von Uhren, bei welchen das Aufziehen auf elektrischem Wege vollzogen wird, ist jene von Alois Winbauer in Baden bei Wien von Interesse, namentlich, da sie sich bereits in der Praxis bewährt hat. Die Einrichtung ist kurz die folgende. An der Welle des Minutenrades M (Fig. 2) sitzt lose drehbar eine Scheibe S, welche den Hebel L nebst dem Gewicht G trägt, welches schwer genug ist, um die Uhr im Gange zu erhalten. An der Scheibe S sitzt ein Sperrkegel s, welcher in die Zähne des lose aufgesetzten Sperrrades C eingreift und dadurch die durch das Gewicht G eingeleitete Drehung auf das Federgehäuse E überträgt. Die Feder des Gehäuses überträgt den Zug auf die Welle des Minutenrades und verursacht eine Drehung, welche durch eine Hemmung K gleichmäßig gemacht wird. Das Gewicht ist nach einer gewissen Zeit so weit gesunken, daß es nahezu auf die in dem zweiarmigen Hebel H eingesetzte Rolle W zu liegen kommt; gleichzeitig hat ein an der Rückseite der Scheibe S sitzender Stift die Feder F durch den Druck auf deren rechten Schenkel f so weit nach links bewegt, daß der Stift t, welcher bisher auf f¹ ruhte, nunmehr vermöge des Eigengewichts des Hebels h und unterstützt durch die Federkraft der Spirale i in den Ausschnitt der Feder F gleitet und mit q in leitende Berüh-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 1. Kirpals elektrische Uhr.]

^[Abb.: Fig. 1a. Kontakteinrichtung.]

^[Abb.: Fig. 2. Winbauers elektrische Uhr.]