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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ultrarotes Spektrum

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Ultrarotes Spektrum (Langleys Wärmekurve des Sonnenspektrums).

rung kommt. Ist nun der eine Pol einer Batterie mit dem Hebel H (bei X) verbunden und der andre durch die Elektromagnetwindungen mit q, so ist im Augenblick, wo H auf q aufliegt, der Strom geschlossen, der Anker A wird angezogen, der Hebelarm W bewegt sich kräftig nach oben und erteilt dem gesunkenen Gewicht G einen Anstoß, daß es nach oben geschnellt wird. Der Sperrkegel s verhindert ein Zurückfallen. Es ist somit die Uhr wieder für einige Zeit (5-7 Minuten) aufgezogen. Das gleiche Spiel wiederholt sich, sobald das Gewicht G wieder so weit gesunken ist, daß H den Kontakt q berührt. Um für den Augenblick, wo das Gewicht nach aufwärts geschnellt wird, einen Rückstoß zu verhindern und einen gleichmäßigen Gang der Uhr zu erzielen, ist an der Welle des Minutenrades innerhalb des Gehäuses E eine entgegenwirkende Sperrfeder angebracht.

Eine äußerst sinnreiche elektrische Signaluhr ist von Kont in Budapest hergestellt worden. Während die meisten Signaluhren nur auf ein oder mitunter auf mehrere Zeichen für den Zeitraum von nur 12 Stunden eingestellt werden können, lassen sich bei dieser neuen Signaluhr für sämtliche Viertelstunden der Tage und Nächte einer ganzen Woche Alarmzeichen im voraus festsetzen. Die Signalgebung für die einzelnen Zeiten geschieht durch Kontakte, welche die einzelnen Räder (Wochen-, Tages-, Stundenräder etc.) geben, falls man in einem eigenartig konstruierten Stöpselsystem durch Einschieben von Stöpseln leitende Verbindungen herstellt. Das Uhrsystem gestattet jedoch selbstverständlich auch eine Signalgebung für größere Zeiträume (Monate) und ebenso eine solche innerhalb einer Viertelstunde, z. B. von 5 zu 5 Minuten. Zur Litteratur: Fiedler, Die Zeittelegraphen und die elektrischen Uhren (Wien 1890).

Ultrarotes Spektrum. Weniger leicht der Erforschung zugänglich als die unsichtbaren Strahlen jenseit des brechbareren Endes des Farbenspektrums, die ultravioletten Strahlen, welche sich ja sofort auf einer gewöhnlichen photographischen Platte abbilden, sind die unsichtbaren ultraroten (infraroten) Strahlen jenseit des weniger brechbaren Endes des Spektrums. William Herschel entdeckte 1800 diese Strahlen, als er mittels eines geschwärzten Thermometers die Wärmewirkung der verschiedenen Gebiete des Sonnenspektrums prüfte; er fand, daß die Wärmewirkung, im Blau nur schwach, gegen das rote Ende hin zunahm, ja sich sogar darüber hinaus erstreckte, und in diesem unsichtbaren Gebiet mehrere Maxima und Minima der Erwärmung erkennen ließ. John Herschel (1840) wandte ein originelles Mittel an, um diesen durch seine hohe Wärmewirkung ausgezeichneten unsichtbaren Teil des Spektrums sichtbar abzubilden und wenigstens auf kurze Zeit zu fixieren. Er ließ das Sonnenspektrum auf berußtes und mit Alkohol getränktes Papier fallen; an den am stärksten erwärmten Stellen verdunstete der Alkohol rascher, es entstanden trockne Flecke mit dazwischenliegenden Stellen, wo die Erwärmung geringer gewesen und das Papier feucht geblieben war; es gab somit kältere Lücken in diesem Gebiet unsichtbarer Wärmestrahlung, entsprechend den Fraunhoferschen Linien im sichtbaren Spektrum. Dieses Verfahren konnte offenbar nur ungenaue und verschwommene Resultate geben. Genauere Aufschlüsse über das ultrarote Spektrum gab die zuerst von Fizeau und Foucault (1847), später von Desains, Lamansky, Mouton u. a. zu diesem Zweck angewendete Thermosäule. In neuester Zeit hat Langley die Thermosäule durch das weit empfindlichere Bolometer ersetzt, mit dessen Hilfe es ihm gelang, noch Wärmestrahlen bis zu einer Wellenlänge von 0,028 mm oder 28 Mikron (1 Mikron = μ = 0,001 mm) nachzuweisen. Die Fig. 1a zeigt die von Langley nach seinen Messungen entworfene Wärmekurve des normalen Sonnenspektrums (Gitterspektrums) vom Ultraviolett bis zur Wellenlänge 5 μ im Ultrarot; um sie zu erhalten, wurden auf der Skala der Wellenlängen die zugehörigen Galvanometerausschläge als Ordinaten senkrecht errichtet. Die Gipfel der Kurve entsprechen den größten Werten der Wärmestrahlung, die Einsenkungen den kältern Lücken, welche den Fraunhoferschen Linien entsprechen. Der unter die Wärmekurve gezeichnete Spektralstreifen (Fig. 1 b) versinnlicht den Anblick, den diese unsichtbare Wärmestrahlung einem Auge gewähren würde, welches sie sehen könnte. Die stärksten Absorptionsstreifen im Ultrarot hat Langley mit Φ, Ψ, Ω bezeichnet. Wie man sieht, nimmt das sichtbare Spektrum nur eine sehr geringe Strecke der ganzen Sonnenstrahlung ein, von 0,393 μ bis 0,760 μ. Da der Brückendraht des Bolometers mit Ruß geschwärzt ist, ein schwarzer Körper aber Strahlen jeder Art gleich vollständig absorbiert, so entspricht der Galvanometerausschlag jedesmal der gesamten, jedem Strahl innewohnenden Energie; die Kurve stellt daher die Verteilung der Energie im normalen Son-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 1a. Wärmekurve des normalen Sonnenspektrums.]

^[Abb.: Fig. 1b. Spektrum mit dem ultraroten Teil.]