Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Valutadifferenz; Vegetationsformen; Velociped; Venus; Verbrennung; Verdam; Verdienstorden

956

Valutadifferenz - Verdienstorden.

Valutadifferenz, s. Koupondifferenz.

Vegetationsformen, s. Pflanzengeographie.

Velociped, s. Fahrrad.

Venus (Planet). Eine kritische Untersuchung der frühern Arbeiten zur Bestimmung der Rotationsdauer der V. hat Schiaparelli zu dem Ergebnis geführt, daß dieser Planet höchst wahrscheinlich in derselben Zeit von 224,7 Tagen sich einmal um seine Achse dreht, in welcher er seinen Umlauf um die Sonne vollendet, und daß die Drehungsachse nahezu senkrecht auf der Bahnebene steht, höchstens um 10-15° von der senkrechten Stellung abweicht. Die Beobachtungen einzelner dunkler Flecke auf der Planetenscheibe durch D. Cassini (1669) und J. ^[Jacques] Cassini (1732), aus denen eine Rotationsdauer von ungefähr 24 Stunden abgeleitet wurde, waren zu selten, und die Anzahl der Rotationen zwischen zwei Beobachtungen war zu wenig bekannt, als daß sie einer sichern Bestimmung hatten als Grundlage dienen können; Schiaparelli findet übrigens, daß die Beobachtungen des ältern Cassini sich leichter durch eine Periode von 224,7 Tagen als durch eine solche von 24 Stunden erklären lassen. Die Flecke, welche Bianchini (1726-28) beobachtete, waren zu schlecht begrenzt, als daß die von ihm gefundene Rotationsdauer von 24 Tagen Vertrauen verdiente. Ebenso zeigt sich, daß Schröter, Flaugergues, Hussey und de Vico nur durch übereilte Schlüsse zu einer Rotationszeit von ungefähr 24 Stunden gelangt sind. Schiaparelli selbst hat die V. vom 5. Nov. 1877 bis 7. Febr. 1878 in Mailand beobachtet, und gleichzeitig sind von Holden in Washington, Niesten in Brüssel und Trouvelot in Cambridge (Vereinigte Staaten) Beobachtungen angestellt worden. Aus diesen gleichzeitigen Beobachtungen ergibt sich, daß die Rotation sehr langsam von statten gehen muß, da die Lage der Flecke gegen die Lichtgrenze während eines ganzen Monats keine wahrnehmbaren Veränderungen erleidet. Gegen eine Periode von 24 Stunden sprechen am deutlichsten ein paar Beobachtungen von Schiaparelli und Holden vom 15. Dez. 1877, welche um ungefähr 8 Stunden auseinander liegen. Dieselben beziehen sich auf zwei helle Flecke am südlichen Horn der V., einen dazwischenliegenden tiefdunkeln Schatten und einen von den Flecken nach Norden verlaufenden dunkeln Streifen. Die von den beiden Beobachtern entworfenen Zeichnungen dieser Objekte stimmen so genau überein, wie es unmöglich der Fall sein könnte, wenn der Planet in der Zwischenzeit von 8 Stunden ein Drittel Rotation vollendet hätte. Auch blieb die Lage des Streifens während der dreistündigen Dauer der Beobachtung ungeändert. Auf die geringe Veränderung, welche die Flecke von einem Tage zum andern erleiden, hat übrigens schon Bianchini hingewiesen; es scheint aber, daß ihn gewisse Veränderungen im Aussehen der Flecke, die vom Wechsel der atmosphärischen Zustände auf der V. herrühren, auf die Annahme einer Rotationsdauer von 24 Stunden geführt haben. Im allgemeinen erweisen sich übrigens die Flecke auf der V. ziemlich unbeständig, und die Bestimmung der Umdrehungszeit erreicht daher nicht die Sicherheit wie beim Merkur; dieselbe ist vielmehr um einige Wochen unsicher, und es lassen sich Perioden von 6-9 Monaten mit den Beobachtungen vereinigen. Die schnellen, in Zwischenzeiten von etwa 24 Stunden sich wiederholenden Veränderungen im Aussehen des Planeten, besonders seiner Hörner, welche manche Beobachter bemerkt haben, setzt Schiaparelli auf Rechnung der mit der wechselnden Höhe überm Horizont wachsenden Sichtbarkeitsbedingungen und der wechselnden Helligkeit des Himmelsgrundes. Schiaparelli macht ferner aufmerksam auf bisweilen gut begrenzte, helle wie dunkle Flecke, die in den südlichern Teilen der V. von Zeit zu Zeit unter gleicher Form sich zu bilden scheinen und wahrscheinlich von Ursachen abhängen, die auf der Oberfläche der V. ihren Sitz haben. Endlich weist er noch hin auf die Wichtigkeit des Studiums gewisser sehr kleiner, heller, scharf begrenzter runder Flecke, umgeben oder einseitig begrenzt von tiefen Schatten, meist paarweise auftretend, die sich namentlich in der Nähe der Schattengrenze zeigen, aber nur wenige Tage dauern. Die Ergebnisse Schiaparellis werden bestätigt durch neuere Beobachtungen von Terby in Löwen und Perrotin in Nizza.

Verbrennung. Bei der V. von Schwefel werden neben schwefliger Säure nicht unerhebliche Mengen Schwefelsäureanhydrid gebildet, und bei der V. von Wasserstoff, Leuchtgas und Kohle entstehen deutlich nachweisbare Mengen salpetriger Säure. Verbrennt man aber Schwefel unter einem Druck von 40-50 Atmosphären in reinem trocknen Sauerstoff, so oxydiert sich nahezu die Hälfte desselben zu Schwefelsäure. Ebenso werden beim Verbrennen von Kohle unter hohem Druck ganz erhebliche Mengen Salpetersäure gebildet, doch ist das Mengenverhältnis der Gase zu einander und zu der Menge der angewandten Kohle nachgewiesenermaßen von großem Einfluß auf den Verlauf des Prozesses.

Verdam, Jakob, niederländ. Sprachforscher, geb. 22. Jan. 1845 zu Amsterdam, studierte in Leiden, ward daselbst Gymnasiallehrer und 1878 Professor an der Universität zu Amsterdam. Er schrieb: »Tekstkritiek van Middelnederlandscher Schrijvers« (Leiden 1872, Dissertation); »Geschiedenis der Nederlandsche Taal« (Leuwarden 1890) und gab zahlreiche mittelniederländische Texte (darunter den »Segkelyn van Jherusalem«) heraus. Seit 1882 bearbeitet er das große, mit E. Verwijs vorbereitete »Middelnederlandsch Woordenboek«, von dem bisher 2 Bände (bis H) erschienen sind.

Verdienstorden (neue). 1) Der V. der Republik Venezuela, gestiftet vom Präsidenten Paez 29. Aug. 1861 zur Auszeichnung hervorragender Verdienste um den Staat, in drei Klassen: Großkreuzen, Kommandeuren und Rittern. Die Dekoration besteht in einem weiß emaillierten, achtspitzigen Stern von Gold mit Kügelchen an den Spitzen, durch dessen Arme sich grün emaillierte Lorbeer- und Eichenzweige winden. Der weiße Mittelschild trägt im Avers die Inschrift: »29. Aug. 1861« und in dem blauen Ringe die Umschrift: »Republica de Venezuela«, im Revers das Staatswappen mit der Umschrift: »Honor al merito«. Der Großkreuzstern ist achtstrahlig von Silber mit daraufliegender Dekoration. Die Dekorationen der einzelnen Klassen unterscheiden sich durch die Größe. Das Band ist rot mit blauen Randstreifen.

2) Orden für ausgezeichnete Verdienste (The distinguished service order), Militär- und Marineorden Großbritanniens, gestiftet von der Königin Viktoria 6. Sept. 1886 für Offiziere, welche von den Höchstkommandierenden wegen ihrer Verdienste vor dem Feinde zu dieser Auszeichnung empfohlen werden. Fremde Offiziere, welche bei den Operationen mitgewirkt haben, können zu Ehrenrittern ernannt werden. Die Dekoration besteht in einem weiß emaillierten Goldkreuz, dessen rot emaillierter Mittelschild die kaiserliche Krone, umgeben von grünem Lorbeerkranz, trägt, während der ähnliche Reversmittelschild die kaiserliche und königliche Chiffer V. R. I. trägt.