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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vereinigte Staaten von Nordamerika

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Vereinigte Staaten von Nordamerika (Geschichte).

auf 789,3 Mill. Doll., die der Ausfuhr auf 845,3 Mill. Daran beteiligten sich als Hauptverkehrsländer (in Tausenden Dollar):

Einfuhr Ausfuhr

Großbritannien 186489 444459

Deutschland 98838 84315

Frankreich 77672 49013

Niederlande 17029 22488

Belgien 9336 26140

Italien 20330 12974

Spanien 5289 12736

Britisch-Nordamerika 39397 38545

Mexiko 22691 12666

Spanisch-Westindien 57855 14917

Britisch-Westindien 14865 8075

Brasilien 59319 11903

Japan 21103 5227

China 17230 7379

Britisch-Ostindien 20804 4655

Australien 4278 11168

Nach der Botschaft des Präsidenten sind seit 4. März 1889 durch Verträge mit verschiedenen Indianerstämmen 14,726,000 Acres Land für die Besiedelung durch Weiße zurückgewonnen worden. Dem Jahresbericht des Ministers des Innern zufolge besitzen die Indianer immer noch 103 Mill. Acres, etwa 750 auf den Kopf, Mann und Weib, jung und alt mit eingerechnet, das sei viel zu viel und hemme auf der einen Seite den Fortschritt des Landes, auf der andern schädige es die besten Interessen der Rothäute selbst. Nach dem nämlichen Bericht beziffert sich die Zahl der Kinder, welche die öffentlichen Schulen der Vereinigten Staaten besuchen, auf 12,3 Mill. und ist in beständiger Zunahme begriffen.

Geschichte.

Man macht es dem Präsidenten Harrison zum Vorwurf, daß er bei Verteilung der Ämter so viel Zeitungsredakteure berücksichtigte und sie einerseits dadurch für ihre der Partei geleisteten Dienste belohnt, anderseits ihre Blätter in seinen Sold genommen habe, daß er die eignen Verwandten stark bedachte, daß er anerkannt tüchtige Männer entließ, um Platz für Parteigänger zu schaffen. Er entfernte sogar den Republikaner Pearson von der Spitze des New Yorker Postamtes, welches derselbe so ausgezeichnet verwaltet hatte, daß ihn selbst der demokratische Präsident Cleveland nach Ablauf des Amtstermins wieder ernannte. Die New Yorker Wochenschrift »The Nation« berechnete, daß Harrison in seiner rührigsten Woche der Ämterbesetzung jede dritte Minute eine Entlassung unterzeichnete. Die sogen. Zivildienstkommission dagegen, der es obliegt, die Ausführung der Reformgesetze zu überwachen, ergänzte er durch vortreffliche Persönlichkeiten. Die Konferenz der Seeuferstaaten, welche 11. Okt. 1889 in Washington zusammengetreten war, um einen internationalen Signaldienst zu vereinbaren und Maßregeln zur größern Sicherheit des Seeverkehrs zu treffen, beendigte 31. Dez. 1889 ihre Arbeiten, doch blieb der Erfolg weit hinter den Erwartungen zurück, was man hauptsächlich auf England zurückführt, welches vielfach verlangte, man möge seine Regeln und Vorschriften annehmen. Ferner tagte in der Bundeshauptstadt der sogen. panamerikanische Kongreß, dessen Hauptzweck es war, die »drei Amerikas« in eine Handelsunion mit politischem Schiedsgericht, Einheit von Münze, Maß und Gewicht etc. zusammenzufassen. Der Gedanke war nicht neu, da ihn schon Bolivar der Befreier in Südamerika angeregt hatte, aber er wurde nicht verwirklicht, bis James G. Blaine ihn 1881 als Staatssekretär unter Garfields Präsidentschaft wieder aufnahm. Indessen gelangte er auch diesmal nicht zur Ausführung, da die Ermordung Garfields und der darauf folgende Wechsel im Kabinett es hinderte. Am 24. Mai 1888 beschloß nun der Kongreß die Aufforderung zur Beschickung einer internationalen amerikanischen Konferenz, an der sich alle amerikanischen Staaten mit Ausnahme San Domingos beteiligten; Chile erklärte seine Bereitwilligkeit, doch wollte es nur volkswirtschaftliche Fragen behandelt haben, politische und auch die über das Schiedsgericht dagegen ausschließen. Die Ergebnisse der Konferenz, deren Reisen durch das Gebiet der Union und spätere Verhandlungen in den Vereinigten Staaten mit einer Art mitleidiger Geringschätzung begleitet wurden, standen mit den von ihren Urhebern gehegten Erwartungen in keinem Verhältnis. Beim Schlußprotokoll verpflichteten sich acht Staaten zur gegenseitigen schiedsrichterlichen Begleichung ihrer Streitigkeiten; aus der beabsichtigten Zoll-, Handels- etc. Union ist nichts geworden. Nur die Vorschläge der Konferenz für die Herstellung eines amerikanischen Münzverbandes und die Ausgabe von gewöhnlichen Silbermünzen wurden von sämtlichen Ländern angenommen, bloß Guatemala, Uruguay und Paraguay haben noch nichts von sich hören lassen. Die erste Sitzung des Verbandes findet 17. Jan. 1891 zu Washington statt.

Mit England erhob sich eine Streitfrage, die auch jetzt (April 1891) noch nicht zum Austrag gebracht ist. Mit dem Verkauf Alaskas durch die russische Regierung an die Vereinigten Staaten 1867 gingen in den Besitz der letztern die im Herzen des Beringsmeers gelegenen Pribylowinseln über, wo sich alljährlich zur Brunstzeit Millionen von Vlies- oder Edelrobben einfinden. Zuerst wurden jene Inseln an die Alasca Commercial Company mit dem Rechte verpachtet, jährlich die Zahl von 100,000 Robben, aber nicht mehr, zu schlagen. Im J. 1890 ging dieses Recht an die North American Commercial Company of New York and San Francisco über, da die Pachtzeit der alten Gesellschaft abgelaufen war und die andre ein höheres Angebot gethan hatte. Schon seit einigen Jahren machen englische Jäger aus Victoria Jagd auf das Robbenheer, bevor dasselbe jene Eilande erreicht; die Tiere werden durch Schüsse erlegt oder harpuniert, ohne Rücksicht auf Geschlecht und Trächtigkeit, die Hälfte der getöteten und verwundeten geht verloren, und diese Raubjagd bedroht den ganzen Bestand. Außerdem ist zu befürchten, daß die Robben, die seit unvordenklichen Zeiten jene Inseln besuchen, wenn sie dauernd vor dem Landen getötet werden, sich andre Brunstgründe wählen, wo kein Mensch sie auffindet. England leugnet es auch nicht, daß die Jagdmethode, welche von seinen kanadischen Unterthanen verfolgt wird, die Vernichtung der Vliesrobben herbeizuführen drohe, indessen hätten dieselben ein Recht dazu, weil das Beringsmeer ein offenes Meer sei, von und in welchem nichts einem bestimmten Souverän gehöre. Die Amerikaner hingegen behaupten, das Beringsmeer sei ein mare clausum, indessen geben sie zu, daß dieser Punkt zweifelhaft ist; zweitens aber seien ihre Fischerei-, bez. Jagdrechte alt, hätten von jeher ausschließlich gegolten und seien ein volles Jahrhundert hindurch unter hinreichenden Anzeichen der Einwilligung als solche geachtet worden, was von den ersten Völkerrechtslehrern als vollgenügend zum Besitzrecht angesehen wird; endlich hätten sie das russische Amerika nur wegen seines Reichtums an Seepelzwerk gekauft, und hätte man damals angenommen, es könne sich jeder nach Belieben an der Jagd auf die Vliesrobben der Pribylowinseln beteiligen, so wäre es niemand eingefallen, Millionen für etwas zu bezahlen, das jedermann zur freien Verfügung steht.