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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Viscum album; Vitringa; Vogel; Vögel

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Viscum album - Vögel.

1874 ordentlicher Professor und 1877 Rektor der Universität. Seit 1874 Mitglied des Großen Rates und Kirchenrats, beteiligte er sich als Präsident des Eidgenössischen Vereins lebhaft an der Politik seines engern und weitern Vaterlandes in konservativem Sinn. Er starb 30. März 1886. Seine bedeutendsten Schriften sind: »Geschichte des Schwäbischen Städtebundes der Jahre 1376-89« (»Forschungen zur deutschen Geschichte«, Bd. 2 u. 3, Götting. 1862); »Die Sage von der Befreiung der Waldstätte nach ihrer allmählichen Ausbildung untersucht« (Leipz. 1867); »Basler Chroniken«, herausgegeben von der Historischen Gesellschaft in Basel (das. 1872 ff., Bd. 1-3); »Das Urnerspiel von Wilhelm Tell« (Basel 1874); »Erasmiana« (das. 1876); »Über die Grenzen des historischen Wissens« (»Preußische Jahrbücher«, 1877, Bd. 46). Außerdem schrieb er zahlreiche Baseler Neujahrsblätter und Aufsätze in den »Basler Beiträgen zur vaterländischen Geschichte« sowie Artikel in die »Allgemeine deutsche Biographie«.

Viscum album, s. Schmarotzerpflanzen, S. 831.

Vitringa, Annes Johan, niederländ. Satiriker, geb. 29. Sept. 1827 zu Harderwyk, war 1864-90 Professor am Athenäum zu Deventer, trat 1885 zum Katholizismus über und lebt in Utrecht als Mitredakteur der Zeitschrift »De Tijd«, des leitenden Hauptorgans der katholischen Partei. In zahlreichen kleinern Schriften (teilweise unter dem Pseudonym Jan Holland oder Jochem van Ondere) zog er gegen die materialistischen Zeitideen, gegen die Unnatur und Verbildung zu Felde. Sein Roman »Darwinia« erschien auch in deutscher Übersetzung (Deventer 1878, 2 Bde.). Von einer »Geschichte der Philosophie« erschien nur der erste Band: »De Wijsbegeerte Voor Aristoteles« (Amsterd. 1855).

Vogel, 13) Karl Albrecht, protestant. Theolog (s. Bd. 17), starb 11. Sept. 1890 in Wien.

Vögel (Farben und Färbung). Die Ansichten über die Farbstoffe, denen das Gefieder der V. seine Schönheit verdankt, haben im Laufe der Jahre nicht unwesentliche Modifikationen erfahren. Durch Sacc war die Ansicht aufgestellt worden, daß Tierfarben vorwiegend aus den Abfallstoffen des Körpers entständen, und er hatte dies mit Versuchen begründet, nach denen sowohl bei mausernden Eidechsen als bei Schlangen u. Vögeln die Abscheidung von Harnsäure, unter deren Abkömmlingen sich schöne Farbstoffe befinden, bedeutend zurückgehe. Allein dieser Rückgang erklärt sich auch schon durch die verminderte Nahrungsaufnahme während der Mauserungszeit, wenigstens hat nicht wie bei den Schmetterlingen (s. d., S. 835) in einem besondern Falle die Verwandtschaft mit Harnstofffarben nachgewiesen werden können. Unter den Vogelfarben muß man zunächst, wie bei allen lebhaft gefärbten Tieren, die optischen Farben, denen kein entsprechendes Pigment zu Grunde liegt, von den durch Farbstoffe erzeugten unterscheiden. Krukenberg und neuerdings Hacker haben sich mit dieser Unterscheidung beschäftigt. Zu den optischen Farben gehört in sehr vielen Fällen das Blau und Grün der V. Die blaue Farbe wird wie das Blau des menschlichen Auges meist dadurch hervorgebracht, daß eine farblose, lufterfüllte Zellen- und Rindenschicht sich über einen mit dunklem Pigment erfüllten Kern der Federmasse wie ein Schirm herüberlegt, wobei die Form der Schirmzellen mannigfache Nüancen des Blaues bedingt. Wenn sich in diesen Schirmzellen aber ein durchsichtiger gelber oder rötlicher Farbstoff befindet, so treten verschiedene Nüancen von Grün und Violett auf, so daß man (abgesehen von einzelnen Ausnahmen) berechtigt ist, die blaue Reihe (Blau, Grün und Violett) unter die ganz oder halb optischen Farben zu rechnen, denen ein gleich gefärbtes Pigment meist nicht zu Grunde liegt.

Dagegen ist die Reihe gelb, rot, braun, schwarz durch wirkliche Farbstoffe bedingt, die man mit Krukenberg ebenso wie die Haarfarbstoffe in lösliche oder im Fett gleichmäßig verteilte Fettfarbstoffe (Lipochrome) und dunklere Farbstoffe von körniger Beschaffenheit (Melanine) einteilt. Die letztern, welche direkt allen braunen und schwarzen, indirekt aber auch den grauen, blauen, grünen und violetten Färbungen zu Grunde liegen, treten bei der Entwickelung des Tieres zuerst auf, sofern sie schon bei den embryonalen Daunenkeimen sich finden und wesentlich die stammesgeschichtliche Grundlage der Streifung und Zeichnung bedingen. Wenn diese Körnerpigmente in die äußern Zellen und Rindenschichten eintreten, so entstehen die braunen und sattschwarzen Färbungen, je mehr sie sich hingegen in die innern Schichten zurückziehen, die grauen und blauen sowie die durch Lipochrome veränderten oder bedingten grünen, gelben, roten oder violetten Färbungen. Bei den weißen Federn ist entweder gar kein Farbstoff oder doch nur eine Oberflächentrübung in der Schirmzellen- und Rindenschicht vorhanden, welche das zerstreute Licht in ähnlicher Weise reflektiert wie der weiße Schaum des Heeres.

Auf das Eindringen der Fettfarbstoffe oder Lipochrome in die Federn haben gewisse Praktiken, durch welche man V. durch bestimmte Beimischungen zur Nahrung künstlich färbt, einiges Licht geworfen. Die Eingebornen des Amazonenstromgebiets füttern nach der Beobachtung von Wallace den gemeinen grünen Papagei (Chrysotis festiva L.) mit dem Fette gewisser großer, welsartiger Fische, und die so behandelten Tiere bekommen dann Flecken von wundervoll roten und gelben Federn. Im Malaiischen Archipel sah derselbe Beobachter, wie die Eingebornen von Gilolo durch ein ähnliches Verfahren aus dem gewöhnlichen Lori (Lorius garrulus) den sogen. Königslori (Lori Rajah) verfertigten, der somit ein Kunstprodukt ist. Auch bei unsern Kanarienvögelzüchtern war seit etwa 10 Jahren von England aus ein Verfahren in Gebrauch gekommen, Kanarienvögel schön orangerot zu färben, indem man vor der Mauserung dem Futter junger V. einen regelmäßigen Beisatz von Cayennepfefferpulver hinzufügte. Die durch feuchte Luft begünstigte, durch Sonnenlicht und Kälte beeinträchtigte schöne Färbung hält dann bis zur nächsten Mauser an. Sauermann hat hierüber genaue Untersuchungen angestellt, bei denen er ursprünglich von dem Glauben ausgegangen war, daß es allein auf den ca. 4 Proz. betragenden roten Farbstoff des Pfeffers ankomme, der wahrscheinlich dem Karotin der Mohrrüben und Tomaten identisch ist, und daß man ihn ohne Schaden in größerer Menge würde reichen können, wenn man vorher durch Alkohol den scharfen Pfefferstoff (Piperin), dessen Menge 8-10 Proz. beträgt, entfernt. Er hatte dann mehrjährige vergebliche Versuche angestellt, Kanarienvogel mit spanischem Pfeffer, der durch Alkohol seines Piperins und seiner Fett- und Extraktivstoffe (ca. 27 Proz.) beraubt war, zu färben, und der reine Farbstoff gab keinen bessern Erfolg. Es schien daraus hervorzugehen, daß der durch Alkohol entfernte Fettstoff, ein Trioleïn, demjenigen, welches man durch Alkohol aus Olivenöl ausziehen kann, durchaus entsprechend, eine wesentliche Rolle bei der Aufnahme und Verbreitung des Farbstoffes bis in die Federn spiele, und er be-^[folgende Seite]