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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vortragsvereine; Vries; Wahrnehmung

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Vortragsvereine - Wahrnehmung.

auch nach ihrem jeweiligen, durch die Unbeständigkeit des Bewußtseins veranlaßten Verschwinden gegenseitig als sogen. Hilfen. 4) Sämtliche Reproduktionsgesetze erhalten die abgeschwächte Bedeutung, daß sie die Bedingungen aufzeigen, unter denen eine Tendenz zur Reproduktion gegeben ist, eine Tendenz, die eben wegen der beschränkten Leistungsfähigkeit des Bewußtseins nicht in allen Fällen von Erfolg gekrönt zu sein braucht.

Vortragsvereine. Die Schwierigkeit, mit welcher die Beschaffung regelmäßiger populärwissenschaftlicher Vorträge in Vereinen, namentlich in kleinern Städten, verknüpft ist, veranlaßte 1876 den Kaufmännischen Verein zu Kassel, mit noch fünf andern Vereinen einen Mitteldeutschen Verband für öffentliche Vorträge zu begründen, als dessen Zweck »die erleichterte Erreichung geeigneter Vortragskräfte und gegenseitiger Austausch von Erfahrungen auf dem Gebiet des Vortragswesens« bezeichnet wurden. Diese Schöpfung bewährte sich so vortrefflich, daß man schon 1879 mit Hinblick auf die erlangte Verbreitung des Verbandes den Namen desselben in »Deutscher Verband von Vereinen für öffentliche Vorträge«, 1890 in Deutscher Vortragsverband umänderte. Am 1. Juni d. J. gehörten dem Verband 158 Vereine an mit über 120,000 Mitgliedern. Verbandsvorsteher ist seit 1876 Edmund Lotz in Koburg. Der Verband hält regelmäßige jährliche Hauptversammlungen ab, auf welchen die Rednerliste für die nächstfolgende Vortragszeit (Oktober bis April) festgestellt wird. Dabei wird aber die Dispositionsfreiheit der einzelnen Vereine in keiner Weise beschränkt, vielmehr bleibt jedem überlassen, von den durch den Vorsteher mitgeteilten Erfahrungen zu benutzen, was ihm beliebt. Die Mehrzahl der Vereine macht die Vorträge auch Nichtmitgliedern gegen Vorzeigung von Abonnementskarten zugänglich. Es sind von 1876 bis 1890 im Vortragsverbande bereits gegen 6000 Vorträge der besten deutschen Redner mit steigendem Erfolg veranstaltet worden. Die Vereine des Deutschen Vortragsverbandes genießen bei den Rednern 20 Proz. Honorarvergünstigung vor verbandsfremden Vereinen. Seit 1890 hat sich zur Pflege gemeinsamer Interessen der kaufmännischen Vereine innerhalb des Vortragsverbandes eine kaufmännische Abteilung unter dem Namen Deutscher Verband kaufmännischer Vereine und wieder innerhalb dieser Abteilung eine freie Vereinigung unter dem Namen: Stellenvermittelungsbund kaufmännischer Vereine gebildet. Der Zweck letzterer Vereinigung ist einheitliche Regelung des Stellenvermittelungswesens für junge Kaufleute, Erleichterung für Stellesuchende und Anbahnung nützlicher Beziehungen zu ausländischen kaufmännischen Körperschaften. Der »Deutsche Verband kaufmännischer Vereine« hat mit großem Erfolg sich der Gründung kaufmännischer Pensionskassen (Hamburg, Leipzig, Chemnitz) und kaufmännischer Krankenkassen angenommen. Die Mitgliedschaft der Vereine des »Vortragsverbandes« bei dem »Deutschen Verband kaufmännischer Vereine« und dessen »Stellenvermittelungsbund kaufmännischer Vereine« ist fakultativ, nicht aber kann bei letzterer Abteilung ein Verein Mitglied werden, wenn er nicht vorher Mitglied des Deutschen Vortragsverbandes geworden ist. Der Vorstand des Verbandes wird alljährlich gewählt. Die jährliche Verbandssteuer beträgt beim Vortragsverband für Vereine von weniger als 100 Personen 10 Mk., von 100-200 Personen 15 Mk., von 200-500 Personen 20 Mk., von mehr als 500 Personen 25 Mk., beim »Deutschen Verband kaufmännischer Vereine« und dessen »Stellenvermittelungsbund« für kaufmännische Vereine von weniger als 500 Personen 5 Mk., für kaufmännische Vereine von mehr als 500 Personen 10 Mk.

Vries, Hugo de, Botaniker, geb. 16. Febr. 1848 zu Haarlem, studierte Naturwissenschaften in Leiden und promovierte daselbst 1870 zum Doktor der Naturwissenschaften. Im Winter 1870/71 arbeitete V. im botanischen Institut zu Heidelberg sowie von 1871 bis 1877 wiederholt in dem unter Sachs' Leitung stehenden pflanzen-physiologischen Institut zu Würzburg. 1871 wurde er Lehrer an der Realschule in Amsterdam, 1875 erhielt er vom preußischen landwirtschaftlichen Ministerium einen Auftrag zum Studium für die Landwirtschaft wichtiger Pflanzen, 1877 habilitierte er sich als Privatdozent für Botanik in Halle, wurde aber schon in demselben Jahre als Lektor an die Universität Amsterdam berufen und hier im folgenden Jahre zum außerordentlichen, 1880 zum ordentlichen Professor der Botanik ernannt. Seine Arbeiten bewegen sich hauptsächlich auf dem Gebiete der Pflanzenphysiologie; speziell zur Theorie des Wachstums der Pflanzen lieferte er (nach Sachs) die grundlegenden Untersuchungen, auch die Physiologie der Zelle verdankt ihm ganz wesentliche Förderung. Von bedeutendern Publikationen seien hier hervorgehoben: »Untersuchungen über die mechanischen Ursachen der Zerstreuung« (Leipz. 1877); »Eine Methode zur Analyse der Turgorkraft«; »Plasmolytische Studien über die Wand der Vakuolen«; »Intracellulare Pangenesis« (Jena 1889). In dem mit Oudemans herausgegebenen »Leerboek der Plantkunde« schrieb er den ersten Teil: »Pflanzenphysiologie« (2. Aufl., Zalt-Bommel 1885).

W.

Wahrnehmung, ursprünglich und auch heute noch im Sprachbewußtsein kaum von Empfindung (d. h. eigentlich Herausfindung) unterschieden, hat doch den etwas andern Sinn, daß sie ein aktives Auffassen von Objekten bezeichnet, während Empfindung bloß ein passives Getroffenwerden von Reizen besagt. Die höchste Stufe der W. wird passend mit einem vom klarsten Sinne hergenommenen Ausdruck »Anschauung« genannt (daher Anschauungsunterricht); die nach innen gewendete W. (innere W. gleich Selbstbeobachtung oder innerer Erfahrung) wird von der äußern W. unterschieden. Diese ist dadurch gekennzeichnet, daß sie eine große Anzahl von qualitativ verschiedenen Empfindungen zur einheitlichen Auffassung eines »Dinges« vereinigt, und zwar stützt sie sich bei dieser ihrer vornehmsten Aufgabe auf zwei Momente: ein objektives (1) und ein subjektives (2). 1) Das wiederholte Auftreten gleicher oder ähnlicher Empfindungskomplexe zusammen mit der ergänzenden Thätigkeit von Vorstellungen bewirkt von der objektiven Seite her die Entstehung der Dinglichkeit in der W. Eine Apfelsine ist für uns nicht eine rote Kugel,