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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Waldeck; Waldersee; Waldplatterbse; Waldstätten; Wale

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Waldeck - Wale.

Entdeckung und kartographische Festlegung vieler Küstenstrecken und Punkte (König Karls-Land, Olgastraße, Kap Heuglin, Kap Waldburg, Zeilinseln), die Kenntnis der Polarwelt vervollständigten. Auf dem Heimweg in Hammerfest die Kunde von der Schlacht bei Sedan erhaltend, eilte W. auf dem Landweg nach dem Kriegsschauplatz, wo er namentlich an den blutigen Gefechten bei Champigny ehrenvoll teilnahm. 1876 schloß sich W. der von dem Bremer Verein für deutsche Nordpolfahrt veranstalteten Expedition (unter Brehm und Finsch) nach Westsibirien an, und im Sommer 1881 begleitete er zu Forschungszwecken das Bremer Handelsschiff Luise auf einer Fahrt nach der Jenisseimündung durch das Karische Meer, worüber er der Geographischen Gesellschaft zu Bremen berichtete. Seit 1882 auf Schloß Syrgenstein im bayrischen Algäu wohnend, starb er 30. Jan. 1890. Seine Gemahlin, Sophie v. W.-Wurzbach, eine Nichte der Schriftstellerin Marie v. Ebner-Eschenbach, hat sich unter dem Pseudonym S. Waldburg als Dichterin bekannt gemacht.

Waldeck, Fürstentum. Die Bevölkerung betrug 1. Dez. 1890 (vorläufiges Ergebnis) 57,283 Seelen und hat seit 1885 um 708 Seelen, d. h. jährlich um 0,25 Proz., zugenommen. Im Etat für die Finanzperiode 1890-92 sind Einnahmen wie Ausgaben veranschlagt worden 1890 auf 1,201,421 Mk., 1891 auf 1,187,810 Mk. und 1892 auf 1,186,802 Mk. Die Landesschuld betrug 1890: 2,245,500 Mk.

Waldersee, Alfred, Graf von, preuß. General, ward 2. Febr. 1891 seines Postens als Chef des Generalstabs enthoben und zum Kommandeur des 9. Armeekorps in Altona ernannt.

Waldplatterbse, s. Lathyrus.

Waldstätten, Johann, Freiherr von, österreich. General, geb. 24. Juni 1833 zu Gospic (Kroatien), Sohn des Feldmarschallleutnants Freiherrn Georg von W. (gest. 1843), absolvierte die Neustädter Militärakademie, wurde 1851 Leutnant, 1854 Oberleutnant, 1856 nach absolvierter Kriegsschule Hauptmann im Generalstab und zeichnete sich im italienischen Feldzug 1859 rühmlichst bei Magenta und Solferino aus. 1865 zum Major befördert, nahm er 1866 am Feldzug gegen Preußen als Generalstabschef der 1. leichten Kavalleriedivision teil, wurde 1867 Oberstleutnant, 1870 Oberst im Generalstab und Professor an der Kriegsschule, 1876 Chef des Büreaus für operative und besondere Generalstabsarbeiten, 1877 Kommandant der 7. Infanteriebrigade und Generalmajor, in welcher Eigenschaft er an der Okkupation Bosniens 1878 teilnahm, 1879 Kommandant der 56., 1880 der 72., 1881 der 13. Infanteriebrigade und in demselben Jahre Kommandant der 34. Infanterietruppen-Division, 1882 Feldmarschallleutnant und hierauf zum Kommandanten der 6. Infanterietruppen-Division ernannt. 1886 wurde W. Stellvertreter des Oberkommandanten der k. k. Landwehr, 1889 Kommandant des 7. Korps und kommandierender General in Temesvár. Am 1. Nov. 1889 rückte er zum Feldzeugmeister auf seinem Dienstposten vor. W. ist seit 1887 Inhaber des 81. Infanterieregiments. Er schrieb mehrere militärwissenschaftliche Werke, davon sind besonders hervorzuheben: »Die Taktik« (9. Aufl., Wien 1890, 2 Tle.); »Die Terrainlehre« (3. Aufl., das. 1872); »Über den Nachrichtendienst« (das. 1870); »Über die Verwendung größerer Kavalleriekörper in den Schlachten der Zukunft« (Teschen 1874); »Technik des angriffsweisen Gefechts der Infanterie« (2. Aufl., Wien 1885); »Die Kavalleriemanöver bei Tótis« (Teschen 1875).

Wale. Alle neuern Erfahrungen drängen dazu, die bisher aufrecht gehaltene Ordnung der W. als eine künstlich zusammengewürfelte Gruppe von Säugetieren sehr verschiedenen Ursprungs aufzulösen und als Ergebnis einer sogen. konvergenten Züchtung, durch die gleichen Lebensbedingungen, denen im Meere lebende Säugetiere ausgesetzt sind, zu betrachten. Schon seit einem Jahrzehnt etwa hat man begonnen, die Seekühe oder Sirenen als sogen. pflanzenfressende W. von den fleischfressenden oder eigentlichen Walen zu sondern und für erstere den Anschluß bei den Huftieren, für letztere bei den Raubtieren gesucht. Lepsius zeigte in seiner Monographie des Halitherium Schinzi, einer Sirene aus dem Miocän des Mainzer Beckens, daß der Schädel derselben die größte Ähnlichkeit mit demjenigen der eocänen Huftiere zeigt, und daß unter den heute lebenden Huftieren nur noch der weniger als seine Verwandten veränderte Tapir deutliche Anklänge der Schädelbildung erkennen läßt. Im Schädel einer ältern, dem untersten Eocän angehörigen Sirene (Prorastomus sirenoides) fand sich noch ein ähnlich reiches Gebiß wie bei den eocänen Huftieren, nämlich 3 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 4 Prämolaren und 3 Molaren (zusammen 44 Zähne), vor, von denen die letztern denen des Flußpferdes glichen, und da auch der übrige Schädel eine große Ähnlichkeit aufweist, so hat man alle Ursache, anzunehmen, daß die Sirenen einem gleich den Flußpferden dem Wasserleben angepaßten Zweige der Huftiere angehören und diesen anzuschließen sind.

Für die fleischfressenden W. hatte man durch das Mittelglied der Delphine den Anschluß bei den Seeraubtieren gesucht, allein der englische Zoolog Flower hat in einer vor einigen Jahren veröffentlichten Abhandlung gezeigt, daß auch dies nur für einen Teil derselben wahrscheinlich ist, sofern einzelne Arten in den Verdauungsorganen eine so große Ähnlichkeit mit Huftieren darbieten, daß man eher einen Pflanzenfresser vor sich zu haben glaubt, der sich an Fleischnahrung gewöhnt hat, was bekanntlich bei Rindern, die man in den Küstenländern mit Fischen füttert, sehr leicht geschieht. Die Barten der zahnlosen W. bieten nach Flower die größte Analogie zu den Querwülsten im Gaumen des Menschen und vieler andrer Tiere, die sich schon beim Rinde und noch mehr bei der Giraffe zu förmlichen Kämmen erheben, auch dann freilich nur als schwache Andeutungen der gewaltigen Horn- und Fischbeinbildungen gelten können, welche dieser Klasse von Walen als Filtrierapparate dienen. Schädel und Gebiß sind durch das Emporrücken der Nasenlöcher (die bei den Sirenen noch wie gewöhnlich an der Spitze des Oberkiefers liegen) und durch die Aufrichtung der früher schief nach vorn verlaufenen Nasenkanäle zu fast senkrecht sich erhebenden Spritzlöchern so umgestaltet, alle Schädelknochen derartig verändert und verschoben, daß eine erfolgreiche Vergleichung mit Landtierschädeln bei ihnen sehr erschwert ist, weshalb sich auch so unbegründete Meinungen entwickeln konnten, als seien die W. direkt aus lebendig gebärenden Meerreptilien (Ichthyosaurus) hervorgegangen.

Alles, was man nach den Befunden bisher sagen konnte, war der auch durch die Paläontologie bestätigte Schluß, daß es sich um sehr alte Anpassungen von Placentatieren an das Meeresleben handeln müsse, und die sehr früh auftretende große Verschiedenheit der Gebißbildungen ließ von vornherein erwarten, daß daran Ahnentiere der verschiedensten Klassen beteiligt sein mochten. Neben dem schon im