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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wasserstoff - Wechselfieber.

nometerrohr in Verbindung setzt, eine Flüssigkeitssäule von entsprechender Höhe im Gleichgewicht gehalten werden. Läßt man nun die Glocke bis auf den Boden eines Behälters hinab, so entspricht die in der Glocke entstehende Spannung der ganzen Höhe der im Behälter befindlichen Flüssigkeit. Es zeigt also die Spannung der Luft, wenn sie in entsprechender Weise gemessen wird, die Höhe der Flüssigkeit im Behälter an. Das Hydrometer ist nun wie folgt eingerichtet. Eine Glocke aus Gußeisen (unter besondern Umständen auch aus Glas, Thon, Blei etc.) wird auf den Boden des Gefäßes gestellt. Der mit Luft gefüllte Hohlraum der Glocke wird durch ein feines Röhrchen aus Kupfer oder Messing mit einem empfindlichen Metallmanometer in Verbindung gebracht, welches in beliebiger Entfernung von dem zu kontrollierenden Gefäß aufgestellt werden kann. Hierbei ist das Röhrchen bis zu 50 m Länge 3 mm stark zu machen, bei größern Entfernungen empfiehlt es sich, 4 mm starke Röhrchen anzuwenden. Ist es nötig, daß die Höhe des Standes einer Flüssigkeit gleichzeitig an mehreren Orten angezeigt wird, so genügt dazu eine einzige Glocke, von welcher aus mehrere Rohre abzuzweigen sind. Die Skala des Manometers ist so eingerichtet, daß man direkt Zentimeter Flüssigkeitshöhe abliest. Natürlich hängt dann die Entfernung der Teilstriche von dem spezifischen Gewicht der Flüssigkeit ab. Das Hydrometer kann zur Messung des Höhenstandes von kaltem und warmem Wasser, Ölen, Zuckersaft, Bier, Wein, Alkohol, Essenzen, Säuren, Teer etc. sowie zur Anzeigung des Tiefganges von Schiffen verwendet werden.

Wasserstoff verbindet sich nicht ohne weiteres mit Sauerstoff und wirkt nicht auf gelöste, reduzierbare Substanzen, wenn man ihn durch deren Lösung leitet. Sehr viel größere Reaktionsfähigkeit zeigt er im Entstehungszustand und nach Cooke in gleicher Weise bei Gegenwart von fein verteiltem Platin, welches bekanntlich auch die direkte Verbindung mit Sauerstoff veranlaßt. Ein auf elektrolytischem Wege mit Platinmohr überzogenes Platinblech bewirkt eine starke, 5-6 Sekunden andauernde Kontraktion von Knallgas, worauf Explosion erfolgt. Salpetersäure wird bei Gegenwart des präparierten Platinblechs von W. leicht reduziert, verdünnte Salpetersäure beim Erwärmen zu salpetriger Säure und Ammoniak, Chlorwasser gibt Chlorwasserstoff, chlorsaures Kali gibt Chlorkalium. Stickoxyd wird je nach der Menge des vorhandenen Wasserstoffs zu Stickoxydul, Stickstoff, Hydroxylamin und Ammoniak reduziert.

Wattzähler, s. Elektrotechnische Meßinstrumente und Elektrizitätszähler.

Wätzoldt, Gustav Adolf, preuß. Schulmann (Bd. 17), trat 1. Juli 1890 mit dem Charakter eines Wirklichen Geheimen Oberregierungsrates in den Ruhestand.

Weber, Rudolf, Technolog, geb. 15. Juni 1829 zu Halberstadt, studierte an der Gewerbe-Akademie zu Berlin, wurde hier Assistent von G. Magnus, promovierte in Göttingen, wurde 1858 Lehrer an der Gewerbe- und Bauakademie in Berlin und später an letzterer (der jetzigen technischen Hochschule) zum Professor der chemischen Technologie ernannt. Seit 1860 ist er Mitglied der Technischen Deputation im Handelsministerium. Er arbeitete über den Bildungsprozeß der Schwefelsäure in den Bleikammern, über die Ursachen der Mühlenbrände durch Staubentzündung (preisgekrönt vom Verein für Gewerbfleiß), über die Zusammensetzung des Glases, wobei er die Depressionserscheinungen der Thermometergläser ergründete etc. 1890 legte er seine Lehrthätigkeit nieder.

Webersches Gesetz, s. Psychophysik.

Wechsel der geologischen Schichten, s. Dislokation.

Wechselfieber (Malaria). Keine Krankheit besitzt eine so ungeheure Ausbreitung über die bewohnte Erdoberfläche wie das W. Es tritt am häufigsten und heftigsten in den Tropen auf, reicht aber, gegen die höhern Breitengrade an Extensität und Intensität abnehmend, als endemisches Leiden über die gemäßigten Zonen hinaus und tritt als Epidemie nicht selten in weiter Verbreitung auch in solchen Gegenden auf, in denen es nicht heimisch ist. Die berüchtigtsten Brutstätten der Malaria-Erkrankung auf dem europäischen Kontinent besitzt Italien in der römischen Campagna und den Pontinischen Sümpfen. Die Forschung nach der Natur des Malariagiftes datiert weit zurück. Lancisi bildete die Annahme spezifischer Gase als Erreger des Wechselfiebers zur förmlichen Theorie aus, und auch Boussingault suchte dieselbe durch den Nachweis von Schwefel- und Kohlenwasserstoffverbindungen in der Sumpfluft glaubhaft zu machen. Es ist indes eine feststehende Thatsache, daß keines der beschuldigten Gase auch nur ähnliche Krankheitserscheinungen hervorzurufen vermag. Mitchell sprach 1849 zuerst die Vermutung aus, daß Organismen an der Erzeugung des Wechselfiebers beteiligt seien. Man hat dann die Sporen einer Alge, das ätherische Öl der Rhizophoren, der Chara vulgaris, Anthoxanthum odoratum (Ruchgras), ein Sekret von Infusorien verantwortlich gemacht, bis Tommasi-Crudeli und Klebs 1879 einen Bacillus im Boden, im Sumpfwasser und in der Luft der römischen Campagna entdeckten, den sie als Erreger der Malaria ansprachen. Seine Sporen rufen, auf Tiere verimpft, deutliche Malaria-Erkrankung und die derbe, massige Anschwellung der Milz hervor, leider aber konnte der Bacillus niemals im Körper der malariakranken Menschen nachgewiesen werden. Schiavuzzi fand den Bacillus in der Luft bei Pola in größter Menge und zwar um so reichlicher, je höher die Intensität der Malaria stieg. Er wies auch nach der Impfung mit dem Bacillus schwarze Pigmentbildung in den roten Blutkörperchen und amöboide Degeneration derselben nach. Laveran hatte 1880 im Blute von Malariakranken eigentümliche protozoenartige Gebilde, »Malariahämatozoen«, gefunden, welche eine hyaline pigmentierte Masse darstellten und den roten Blutkörperchen anhängen sollten. Richard wies dann nach, daß dieselben sich im Innern der roten Blutkörperchen befinden, und Marchiafava und Celli entdeckten an diesen Gebilden, welche sie Plasmodium malariae nannten, Lebenserscheinungen, durch die sie sich als besonders organisierte Mikroben charakterisieren. Das Plasmodium ist unregelmäßig, verschiedengestaltig, blasser als die Blutkörperchen, zeigt amöboide Bewegungen und enthält braunrote bis schwarze Pigmentkörnchen mit Eigenbewegung. Andre Forscher haben diese Beobachtungen bestätigt, und Golgi hat festgestellt, daß die pigmenttragenden Körper eine vollständige Entwickelung durchlaufen und zwar in der fieberlosen Zeit zwischen zwei Anfällen. Diese Entwickelung verläuft so regelmäßig, daß man geneigt gewesen ist, für die verschiedenen Typen des Wechselfiebers verschiedene Erreger anzunehmen, zumal man auch morphologische Abweichungen bei den Plasmodien entdeckt haben wollte. Die Anhänger des Bacillus malariae sehen in den Plasmodien Degenerationsprodukte der roten Blutkörperchen, die neuesten For-^[folgende Seite]