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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wolseley; Worms; Woronin

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Wolseley - Woronin.

erreichen lassen wird, daß jeder, der Wolkennamen anwendet, mit diesen einen und denselben bestimmten Begriff verbinden wird. Zur Erreichung dieses Zweckes soll auch die hier gelieferte auszugsweise Kopie aus dem oben erwähnten Wolkenatlas beitragen. Bereits hat eine Reihe von meteorologischen Instituten diese Klassifikation angenommen. Darunter auch die Deutsche Seewarte. Das bis dahin von derselben eingehaltene System unterschied sich, abgesehen von minder bestimmten Definitionen, hauptsächlich dadurch, daß die Formen 2) und 5) als Cirro-Stratus, 3) und 4) als Cirro-Cumulus und 6) und 7) als Strato-Cumulus zusammengefaßt waren, also die Formen Alto-Stratus, Alto-Cumulus und Nimbus fehlten; Cumulo-Nimbus war, Howard folgend, als Cumulo-Stratus bezeichnet, da aber dieser Ausdruck von andrer Seite in wesentlich anderm Sinne gebraucht wurde oder auch ganz bekämpft worden ist, erscheint das neue Wort Cumulo-Nimbus entschieden vorteilhafter. Die Definition des Stratus war unbestimmt.

Neben den angedeuteten Näherungen zwischen 2) und 5), 3) und 4), 6) und 7) gibt es auch manche andre zwischen den aufgeführten Formen, abgesehen davon, daß zwischen allen die mannigfaltigsten Übergänge vorkommen. So sind 3), 4) und 6) W., welche in Lagern von großer horizontaler und geringer vertikaler Ausdehnung vorkommen und aus Bällchen oder Ballen bestehen, die in Herden und zum Teil in Reihen zusammengeordnet sind; von den zarten Flöckchen bei 3) bis zu den massigen Wülsten bei 6) treten allerlei Zwischenformen auf. Anderseits sind einige der unterschiedenen Wolkenformen aus Elementen gebildet, welche, getrennt auftretend, eine besondere Klasse bilden. So lassen die Schleier des Cirro-Stratus meistens eine Zusammensetzung aus Cirrusfäden mehr oder weniger erkennen, und noch deutlicher ist der Cumulo-Nimbus als zusammengesetzte Wolke charakterisiert. Das oberste Stockwerk dieses häufig so großartigen Wolkenkomplexes findet sich durchschnittlich in der Höhe von 3-5 km und wird von Schleiern oder Fäden von Alto-Stratus oder »falschem Cirrus« gebildet, während der echte Cirrus doppelt so hoch zu schweben pflegt. Das mittlere Stockwerk zeigt Cumulusgipfel meist in viel schönerer Entwickelung als bei dem isolierten Cumulus.

Die Beobachtung der W., welche zuerst im Anfang dieses Jahrhunderts durch die Arbeiten von Howard und besonders durch seine Klassifikation einen Anstoß erhielt, ist eins der wenigen Mittel, um über die Zustände und Vorgänge in den höhern Schichten des Luftmeeres uns Aufschlüsse zu verschaffen. Es ist aber leicht begreiflich, daß es ein hoffnungsloses Unternehmen ist, durch alleinige Untersuchung der aller untersten, die Erdoberfläche berührenden Schicht in das Wesen der atmosphärischen Erscheinungen einzudringen. Ist doch diese Schicht nicht nur ein sehr kleiner, sondern auch ein an der Grenze befindlicher und durch die feste Erdoberfläche besonders ungünstig beeinflußter Teil der Atmosphäre! Möglichst häufige und ausdauernde Beobachtung der W., ihres Zuges und ihrer Wandlungen ist deshalb für den Fortschritt der Meteorologie ein höchst wichtiges Bedürfnis. Dabei sind besonders zwei Punkte hervorzuheben. Einmal ist die Kenntnis der Höhe der betreffenden W. eine ebenso wichtige wie leider schwer zu erfüllende Forderung. Es sind also Messungen, wie sie in Upsala unter Hildebrandssons Leitung von Ekholm und Hagström oder in Berlin von Vettin ausgeführt wurden, höchst wünschenswert. Auch die Geschwindigkeit der W. läßt sich nur bestimmen, wenn deren Höhe bekannt und deren Winkelgeschwindigkeit bestimmt ist. Doch kann aus der letztern einigermaßen Brauchbares schon dadurch gewonnen werden, daß für die Höhe durch einen Analogieschluß nach der Form der W. ein wahrscheinlicher Wert angenommen wird, wozu schon die obigen Angaben benutzt werden können. Der zweite wichtige Punkt ist die anhaltende Beobachtung einer und derselben Wolke in günstiger Lage eine Reihe von Minuten hindurch, da nur dadurch eine sichere Auffassung der Vorgänge in den W. gewonnen werden kann. Für beide Zwecke kann dabei die Photographie wertvolle Dienste leisten.

Wolseley, Garnet Joseph, Viscount, brit. General, legte im Herbst 1890 sein Amt als Generaladjutant der Armee nieder und wurde an Stelle des Prinzen Eduard von Sachsen-Weimar Oberbefehlshaber der britischen Truppen in Irland.

Worms, Henry de, Baron, brit. Staatsmann, geb. 20. Okt. 1840 aus einer jüdischen, aus Frankfurt a. M. stammenden, 1871 in den österreichischen Freiherrenstand erhobenen Familie, erzogen im King's College zu London, wurde 1863 Rechtsanwalt daselbst und 1880 für Greenwich ins Unterhaus gewählt, wo er sich der konservativen Partei anschloß. Im ersten Ministerium Lord Salisburys 1885-86 war er Sekretär im Handelsamt und bekleidete das gleiche Amt in dessen zweiter Regierung vom August 1886 bis Februar 1888; er präsidierte in dieser Eigenschaft der internationalen Konferenz über die Abschaffung der Zuckerausfuhrprämien. Im Februar 1888 wurde er zum Unterstaatssekretär der Kolonien ernannt. Er schrieb: »The earth and its mechanism« (1862); »England's policy in the East« (1876); »The Austrio-Hungarian empire, political sketch since 1866« (2. Aufl., 1876). Auch besorgte er die englische Ausgabe von Beusts Memoiren (1887).

Woronin, Michail Stephanowitsch, Botaniker, geb. 2. Aug. 1838 zu St. Petersburg, studierte seit 1854 daselbst Naturwissenschaften, ging 1858 behufs botanischer Studien nach Heidelberg, dann nach Freiburg i. Br., um unter de Barys Leitung seine botanische Ausbildung zu vollenden und sich eingehend mit Algen und Pilzen zu beschäftigen. Aus dem Freiburger Laboratorium stammt die erste botanische Arbeit Woronins über den Bau des Stammes von Calycanthus. 1860 studierte er in Antibes (Seealpen) unter Leitung von J. ^[Jean Baptiste Edouard] Thuret und E. Bornet die Algenformen des Mittelmeers. W. bearbeitete hier die Entwickelungsgeschichte von Acetabularia und Espera und legte die Resultate seiner Studien in einer in russischer Sprache geschriebenen Magister-Dissertation (1861) nieder. Eine beständige Professur hat W. nicht übernommen, doch hielt er 1869 und 1870 an der Petersburger Universität Vorlesungen über Mykologie sowie einige Jahre später an der Petersburger medizinischen Akademie für Frauen (Ärzte) Vorlesungen über Anatomie der Pflanzen und über Mykologie. Die Arbeiten Woronins bewegen sich vorzugsweise auf dem Gebiete der Kryptogamen, und speziell unsre Kenntnis von der Entwickelung der niedern Pilze wurde durch seine feinen und subtilen Untersuchungen mächtig gefördert. Er schrieb: »Beitrag zur Kenntnis der Chytridieen« (mit A. de Bary, Freiburg 1864); »Über die bei der Schwarzerle (Alnus glutinosa) und der gewöhnlichen Garten-Lupine (Lupinus mutabilis) auftretenden Wurzelanschwellungen« (Petersb. 1866); »Zur Entwickelungsgeschichte des Ascobolus pulcherrimus