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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wurmfortsatz; Württemberg

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Wurmfortsatz - Württemberg.

der Befruchtung in die Höhe kommen. Es wird aber von andrer Seite auf das bestimmteste versichert, daß der weitaus größte Teil der Individuen, die bei dem Auftrieb an der Oberfläche des Meeres angetroffen wurden, aus kopflosen Hinterleibsabschnitten bestand. Es kann danach mit einiger Wahrscheinlichkeit vermutet werden, daß sich wie bei vielen verwandten Borstenfüßern auch hier, und zwar zu einer bestimmten Zeit, der mit den Eiern erfüllte hintere Körperabschnitt von dem vordern nachsprossenden, eierlosen ablöst und, obwohl kopflos, munter schwimmend, die Art verbreitet, während die Kopfstücke wieder in ihre Spalten zurückgehen und dort regenerieren. Es wird versichert, daß mitunter (durch Verspätung der Entwickelung?) die W. ausbleiben, aber dann genau 4 Wochen später bei demselben Mondstand erscheinen.

Über die Eingeweidewürmer, bei denen eine ähnliche Ablösung der hintern, mit Eiern gefüllten Glieder eine sehr häufige Erscheinung ist, werden beständig die eigentümlichsten Entwickelungsformen, Wanderungen und Wirtswechsel neu entdeckt, aber eine der merkwürdigsten Lebensgeschichten wird wohl diejenige des Leucochloridium paradoxum bleiben, die durch eine 1889 erschienene Arbeit von Heckert völlig aufgehellt wurde. Schon seit langem war es bekannt, daß die Fühler einer auf feuchten Gebüschwiesen nicht selten vorkommenden Bernsteinschnecke (Succinea amphibia) oft einen merkwürdigen Gast beherbergen. Statt im normalen Zustand schlank und ruhig vorgestreckt zu werden, erscheinen sie dann dick keulenförmig aufgetrieben und nur ein durchscheinendes Futteral zu bilden für einen lebhaft grün und weiß gebänderten, vorn braun marmorierten Schlauch, der wie eine lebendige Insektenlarve beständig ruckweise vor- und rückwärts drängt und dabei seine Farbenringe abwechselnd zusammenschiebt und erweitert. Schon ältere Beobachter hatten vermutet, daß es dabei auf eine Täuschung insektenfressender Vögel, namentlich von Singvögeln, abgesehen sei, und Zeller machte in neuerer Zeit den Versuch, Singvögeln die mit Leucochloridien behafteten Schnecken anzubieten. Und wirklich schnappten Rotkehlchen, Schwarzköpfchen und andre Grasmücken begierig nach den bunten, beweglichen Würmern, rissen sie mit einem Zuge aus dem Schneckenfühler heraus und verzehrten sie mit Behagen, ja sie thaten ihre Vorliebe für diese zarten W. dadurch kund, daß sie dieselben zwischen Mehlwürmern und ähnlichen Leckerbissen zuerst hervorsuchten. Schon Siebold hatte erkannt, daß die Schläuche junge Distomenlarven, d. h. den Leberegeln unsrer Haustiere verwandte Schmarotzer, enthalten. Als nun Zeller die von ihm infizierten Singvögel nach etwa einer Woche tötete, fand er dieselben und zwar namentlich junge Nistvögel mit einem schon länger bekannten Saugwurm, dem Distomum macrostomum, behaftet, der in der Kloake derselben lebt. Ohne Zweifel gelangen dann die Eier desselben mit den Exkrementen der Vögel ins Freie, doch war die weitere Entwickelung bisher unbekannt. Bei den meisten andern Distomeen sind sowohl der aus den Eiern ausschlüpfende Embryo als auch die aus den Sporenschläuchen austretenden Cerkarien mit Schwimmapparaten (Wimpern oder Schwimmschwänzen) versehene Larven, die nach dem Freiwerden im Wasser leben und von da in die Körper der Zwischenwirte (meist Schnecken) gelangen, die dann von Vögeln, Schafen, Rindern etc. gefressen werden, in deren Eingeweiden, namentlich in den Lebern, die Tiere geschlechtsreif werden und wieder Eier produzieren. Bei der neu untersuchten Art war aber die Entwickelung in vieler Beziehung sehr verschieden. Die Eier entwickelten sich im Wasser nicht, und erst als Heckert sie auf Salatblätter verteilte und den Schnecken vorsetzte, wurden sie verzehrt und die leeren Eierhülsen ausgeschieden. Aber im Darme der bald danach getöteten Schnecken wurden die Embryos nicht mehr vorgefunden; sie entwickeln sich beispiellos schnell (in 10-15 Minuten nach der Aufnahme) zu kleinen, infusorienartigen Wesen, die sich mittels eines spitzen vordern und hintern Körperanhanges alsbald durch die Darmwandung bohren und in den Nachbarorganen, zumeist in der Leber, ansiedeln. Hier schwellen sie erst wie die andern Saugwürmer zu einem Keimschlauch an, der aber nur bis zum Ende der zweiten Woche etwa die kugelige Gestalt bewahrt, sich dann vielfach verzweigt und an der Spitze dünner Äste die vorher erwähnten, bunten Maden oder Räupchen ähnlichen Sporenschläuche treibt. Ein paar derselben dringen in die Fühler, treiben dieselben mächtig auf, werden von den Vögeln herausgerissen und verzehrt, worauf die Wunden vernarben, die Fühler sich regenerieren und von neuem mit inzwischen herangewachsenen Schläuchen gefüllt werden. Dieses Spiel kann sich öfter wiederholen, denn die sogen. Amme kann 2-3mal in der Schnecke überwintern, so daß aus einem Ei eine sehr zahlreiche Brut hervorgehen kann. Es ist dies nötig, denn wie es scheint, kommen die Cerkarien nur dann fort, wenn sie von jungen Vögeln gefressen werden, so daß ein ansehnlicher Teil der Vernichtung durch ältere Vögel, die vielleicht mit einem tötenden Magensaft versehen sind, entgegengeht. Da die Cerkarienschläuche direkt von den Vögeln verzehrt werden, so haben die in ihnen enthaltenen Cerkarien nicht nötig, sich frei zu bewegen, und sind daher auch nicht wie bei andern Saugwürmern mit Schwimmschwänzen versehen, um, wenn auf andre Weise aus dem Schlauche befreit, im Wasser leben zu können. Sie werden daher wahrscheinlich auch zu Grunde gehen, wenn die Schnecke stirbt oder getötet wird, ohne in den Magen junger Sylvien oder andrer Vögel, in deren Magen sie gedeihen, zu kommen. Daher ist die Zahl infizierter Bernsteinschnecken nicht überall gleich groß, und Heckert fand in der Umgegend von Leipzig an der einen Örtlichkeit schon auf 50-70 Schnecken, an der andern erst auf 500 ein von dem Schmarotzer besetztes Exemplar. Die günstigsten Örtlichkeiten für ihre Entwickelung dürften feuchte Wiesen mit Gebüsch sein, in denen viele Grasmücken nisten.

Wurmfortsatz, Erkrankung, s. den Bericht: Chirurgenkongreß, S. 157.

Württemberg. Die Bevölkerung betrug nach der Volkszählung vom 1. Dez. 1890 (vorläufiges Ergebnis) 2,035,443 Seelen und hat seit 1885 nur um 40,258 Seelen (2,02 Proz.), im Durchschnitt jährlich um 0,40 Proz., zugenommen, nur wenig stärker als in der Periode 1880-85 (jährlich 0,24 Proz.); im Jagstkreis hat sogar eine Abnahme (um 2199 Seelen) stattgefunden. Auf die einzelnen Kreise verteilt sich die Bevölkerung so:

Einw. auf Zunahme

1890 1 qkm Proz.

Neckarkreis 664554 199 25156 3,93

Schwarzwaldkreis 481170 101 5893 1,24

Jagstkreis 402886 78 -2199 -0,54

Donaukreis 486833 77 11408 2,40

Zusammen: 2035443 104 + 40258 2,02

Die Hauptstadt Stuttgart hatte 139,659 Einw.