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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Afrika (Forschungsreisen im Westen)

schloß sich die von Kapitän Brosselard-Faidherbe an, welcher mit einer gröbern Abteilung das Quellgebiet des Niger und die südlichen Gebiete von Samorys Reich bis an die Grenzen von Sierva Leone und Liberia erforschen wollte, um die hier noch bestehende große Lücke auszufüllen. Da aber die Truppen Samorys, des Herrschers von Wassala, den Durchzug verwehrten, so sah sich Brosselard gezwungen, nach Benin an der Mündung des Mellacori zurückzukehren. Doch haben die gemachten Aufnahmen nachgewiesen, daß dem Bau einer Eisenbahn hier weit geringere Schwierigkeiten entgegenstehen als längs des Senegal. Um Samory für seinen Treubruch zu züchtigen, rückte Oberst Archinard sogleich mit Truppen gegen Wassala vor, eroberte die Hauptstadt Kankan und besetzte sie mit einer Truppenabteilung. Durch Archinard wurde bereits im Januar 1891 mit der Eroberung von Nioro dem ehedem so mächtigen Reich der Toucouleurs ein Ende gemacht, deren Sultan Ahmadu seinen Sitz hierher verlegt hatte, nachdem ihm schon 1890 der Hauptsitz seiner Macht, Segu-Sikoro, verloren gegangen war. Von hier brach Kapitän Monteil auf, um das Land innerhalb des großen Nigerbogens zu durchziehen und den Fluß bis Say zu verfolgen, dem Grenzpunkt zwischen der französischen und der englischen Interessensphäre nach dem unlängst getroffenen Abkommen. Die gestellte Aufgabe, das Nigerbecken von W. nach O. zu durchziehen, wurde in ihrem ersten Teil glücklich gelöst. Monteil erreichte von Segu aus Wagadugu, die Hauptstadt von Mossi, und zog dann Anfang Mai 1891 weiter nach Say. Mossi wurde schon vorher von dem Marinearzt Crozat von Bammako aus besucht. Einen unglücklichen Ausgang nahm die Expedition von Quiquerez und de Seponzac auf der wenig bekannten Strecke zwischen Groß-Bassam und Liberia, indem ersterer im Flusse San Pedro ertrank, worauf der zweite unter großen Entbehrungen die Küste erreichte. Die Reise des zu früh verstorbenen Wolf im Hinterland von Dahomé hat nach seinen jetzt veröffentlichten Tagebüchern eine weit größere Ausdehnung gehabt, als man vorher annahm. Er umging Dahomé in einem weiten Bogen in NW. und N. und gelangte in einem zweimonatigen Marsch nach Dabari oder Ndali in der Landschaft Barbar oder Baribal, so daß er nur noch zwei Tagemärsche von Nikki, einem mit dem untern Niger in Verbindung stehenden Handelsplatz, entfernt war. Durch die Aufnahme des Mono, eines nach der bisherigen Annahme im deutschen Togogebiet entspringenden, bei Grand Popo mündenden Flusses, wollte d'Albéra, Administrator der französischen Besitzungen am Golf von Benin, nachweisen, daß der ganze untere Lauf bis zur Grenze der Schiffbarkeit des Flusses auf französischem Gebiet liegt, während man Togodo bisher zu dem deutschen rechnete.

Westäquatorialafrika.

Leutnant Morgen brach im Oktober 1890 von der Jaundestation am obern Sannaga auf, wandte sich nach Tibati, das Flegel vergeblich zu erreichen versucht hatte, und von hier über Banjo nach Ibi am Binué, wo er Anfang 1891 eintraf. Eine mit ihm zugleich ausgebrochene Handelskarawane kehrte im Gebiete des mächtigen Häuptlings Ngila um und nahm den Rückweg über den Sannaga bis zu den Idiafällen. Morgen selbst kehrte nach Anlage einer Forschungsstation im Gebiet Ngilas nach der Küste und von da nach Europa (Berlin) zurück. Die von Zintgraff mit Leutnant v. Spangenberg unternommene Expedition hatte 31. Jan. 1891 einen schweren Kampf gegen die Bafut zu bestehen, in welchem fast der dritte Teil von Zintgraffs Mannschaft, leider auch Spangenberg, fiel. Obschon die Bafut das Feld räumen mußten, konnte Zintgraff doch seinen Marsch nicht fortsetzen, sah sich vielmehr gezwungen, nach Kamerun zurückzukehren, um auf einen Ersatz für Spangenberg zu warten. Inzwischen suchte er durch Anlage von Straßen die Verbindung zwischen Barombi und Baliburg zu sichern. Preuß begab sich nach Bwea, einem großen Negerdorf im Kamerungebirge, um dort zoologische Sammlungen zu machen. Der Bauinspektor Schran veröffentlichte 1891 seine 1885-90 gemachten Aufnahmen des Kamerunbeckens und von dessen Zuflüssen Mungo, Abo, Wuri, Lungasi, Donga, Quaqua, Malimba, von denen leider der größte Teil durch einen Schiffsunfall verloren ging. Der schwedische Händler Georg Valdau entdeckte gelegentlich seiner 1890 gemachten Handelsreisen im Kamerungebiet (in 100 m Meereshöhe) westlich vom Elefantensee ein diesem wenig nachstehendes Seebecken, welches er Sodensee benannte. Ihm entströmt nach S. der Mokundu, der sich in den Meme ergießt. Aus den klimatologischen Beobachtungen Zenkers auf der Jaundestation geht hervor, daß dies Gebiet bereits ganz wesentlich verschiedene Regenzeiten von dem nahen Kamerun hat. In dem Übergangsgebiet zweier Regionen liegend, wird es von beiden beeinflußt. Fourneau durchwanderte das Gebiet zwischen Loge am mittlern Ogowe bis zum Gabun, indem er das Quellgebiet des Bokoue, eines der Quellflüsse des Gabun, untersuchte. Der von de Brazza entdeckte Sangafluß, ein rechtsseitiger Nebenfluß des Kongo, war von dem Franzosen Chalet weiter untersucht worden, wobei letzterer bis 4° nördl. Br. und 15° 20' östl. L. v. Gr. gelangte. Dadurch wurde Brazzas Vermutung von der Bedeutung und Ausdehnung dieses Flußlaufes bestätigt. Wahrscheinlich nimmt derselbe die meisten der von Flegel in Adamáua erkundeten Gewässer auf und entspringt in der Nähe der Binuēquelle. Um Chalets Arbeiten fortzusetzen, brach Fourneau mit einer Schaluppe nach dem Sanga auf. Seine Aufgabe war, möglichst nahe dem 15.° östl. L. v. Gr., welcher von französischen Kolonialpolitikern als die Ostgrenze unsrer Kolonie Kamerun angesehen wird, nach N. zu reisen, um quer durch Adamáua den Schari zu erreichen. Er verließ 7. März 1891 den französischen Militärposten Woso am Zusammenfluß des Ngoko und Masa, verfolgte anfangs den Lauf des erstern Flusses und ging dann in das Flußgebiet des Masa hinüber, das er am Flüßchen Madombe erreichte. Längs demselben gelangte er zum Masa, wo er 9. April den Kapitän Husson und den Chef Gaillard traf, welche im Dampfer Ballay stromaufwärts bis hierher gelangt waren. Mit ihnen wurde 15. April die Mündung des Kallé in den Masa erreicht und am 18. der Zusammenfluß des Masa aus dem westlichen Massieba oder Massipa und dem nördlichen Likelle, dessen weitern Verlauf der Dampfer aufnahm. Nun setzte Fourneau den Marsch nordwärts fort, doch wurde er 1. Mai nach Überschreitung des Sodi angegriffen und durch einen nächtlichen Überfall im Dorf Nzaureh nach einem Verlust von 15 Toten und 30 Verwundeten zu schleuniger Flucht gezwungen. Am 18. Mai langte er wieder in Woso an. Diese Forschungsreise hat immerhin den Nachweis erbracht, daß das Gebiet des Sanga bis 7° nach N. sich erstreckt.

Dasselbe Ziel, den Schari und Tsadsee, steckte sich Paul Crampel, welcher 1890 den ersten größern nordseitigen Nebenfluß des Ubangi, den