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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alpenvereine; Altersversicherung; Aluminiumrhodanid

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Alpenvereine - Aluminiumrhodanid

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Alpenpflanzen'

blühende Alpenvegetation rasch unter dem Einfluß der sengenden Sonnenstrahlen, so daß nur längs der Bachrinnsale sich einiges Grün erhält. Auch in den Zentralkarpathen breiten sich oberhalb des Krummholzgürtels meist nur spärliche Matten aus; von Hochalpenpflanzen besitzen die Karpathen nach Sagorski und Schneider 128 Arten, von denen die Mehrzahl auch in die Knieholzregion hinabsteigt; die Gipfelflora der Krzeszanica und die der Thalkessel zwischen Novy und Havran gibt der Hochflora der Schweiz an Mannigfaltigkeit und Blumenpracht nichts nach. Jedoch fehlen den Karpathen unter anderm die Alpenrosengebüsche, das Strauchwerk graubehaarter Gebirgsweiden und die Azaleenteppiche. Im ganzen stellen die Karpathen ein floristisches Bindeglied zwischen Ostalpen, dem siebenbürgischen Hochgebirge und den Sudeten her. Einen den Hochfloren der Schweiz und der Österreichischen Alpen ähnlichen Reichtum von Arten besitzen die Pyrenäen, in denen außer vielen A. von allgemeiner Verbreitung, wie z. B. Edelweiß u. a., auch eine große Reihe rein endemischer Hochgebirgsarten vorkommt. Auch die Alpenflora Siebenbürgens wird als mannigfaltig und der schweizerischen ebenbürtig geschildert. S. auch Anpassung. - Zur Litteratur: Kolb, Die europäischen und überseeischen A. (Stuttg. 1889-90); Keller, Die Blüten alpiner Pflanzen (Basel 1887); Schröter, Taschenflora des Alpenwanderers (115 kolorierte Abbildungen, 2. Aufl., Zür. 1890).

Alpenvereine. Der Deutsche und Österreichische Alpenverein, dessen Geschäftsstelle Ende 1891 nach Berlin verlegt wurde, zählte im Herbste d. J. über 25,000 Mitglieder in 192 Sektionen. Er ist somit der weitaus wichtigste Verein und noch immer in stetem Wachstum begriffen, während in Österreich alle übrigen Vereine stark abgenommen haben, nachdem die Eisenbahnverwaltungen die früher gewährten Fahrpreisvergünstigungen teilweise aufgehoben hatten, und andre Vereine in der Schweiz, Italien etc. keine Zunahme zeigen. Die Einnahmen betrugen 1890: 179,325 Mk., die Ausgaben 169,072 Mk. (davon für Weg- und Hüttenbauten gegen 40,000 Mk.). Die Zahl der über die ganzen Ostalpen verteilten Schutzhütten beträgt 136; mehrere neue sind im Bau begriffen. Das Schutzhaus auf dem Sonnblick, zu dessen Erhaltung die Meteorologische Gesellschaft in Wien beiträgt, enthält als Eigentum des Vereins die höchste meteorologische Station in Österreich (3095 m). Die Führerunterstützungskasse, die den (mit einem besondern Führerabzeichen versehenen) Führern sowohl bei Unglücksfällen augenblickliche Hilfe als auch im Fall hohen Alters oder Invalidität jährliche Pension gewährt, besaß Ende 1891 ein Vermögen von 36,418 Mk. und verteilte in demselben Jahr Unterstützungen im Betrag von 3200 Mk., darunter 2600 Mk. jährliche Pensionen an 42 Führer. Zur theoretischen Ausbildung der Führer, auch mit den notwendigsten Kenntnissen in Bezug auf Geographie und den Gebrauch von Landkarten, läßt der Verein alljährlich Führer-Instruktionskurse abhalten, welche nach und nach in allen Teilen der Ostalpen stattfinden; ein zu gleichem Zweck eigens verfaßtes »Führer-Instruktionsbuch« wird an sämtliche Führer verteilt. Zur Pflege der wissenschaftlichen Aufgaben des Vereins ist aus dem Kreis der Mitglieder ein wissenschaftlicher Beirat eingesetzt, dem die Verwendung der für diese Zwecke bestimmten Mittel obliegt; das ins Leben gerufene alpine wissenschaftliche Archiv des Vereins ist im Ferdinandeum zu Innsbruck untergebracht. Hauptzweig der wissenschaftlichen ↔ Thätigkeit des Vereins ist gegenwärtig eine umfassende Gletschervermessung zum Zweck des Gletscherstudiums, Einrichtung von Pegelstationen etc. Eine von hervorragenden Kennern der Gebiete im Auftrag des Vereins bearbeitete »Geschichte der Erschließung der Ostalpen« erschien Anfang 1892. Ein vom Verein herausgegebener »Populär-geographischer Handweiser für Touristen« wurde von Buchheister, Emmer, E. Richter und Zeppegauer verfaßt (Wien 1892).

Von andern Alpenvereinen, bei welchen sich nennenswerte Änderungen zutrugen, und von in den letzten Jahren neu entstandenen Vereinen seien folgende erwähnt: Der 1869 gegründete Österreichische Touristenklub, dessen Thätigkeit sich früher besonders auf die Niederösterreichischen und Julischen Alpen erstreckte, später jedoch in einzelnen Werken in die eigentliche Hochgebirgswelt eingriff, zählt gegenwärtig etwa 10,000 Mitglieder. Er gab in den ersten Jahren ein »Jahrbuch«, später die »Österreichische Touristenzeitung« heraus und besaß Ende 1890: 43 Schutzhütten. Der Österreichische Alpenklub, der (1878 gegründet) bis 1884 den Namen »Alpenklub Österreich« führte und die »Österreichische Alpenzeitung« herausgibt, zählte Anfang 1891: 822 Mitglieder und besitzt 3 Schutzhütten; er ist hauptsächlich eine Pflegstätte sportlichen Bergsteigertums. Der 1890 gegründete Niederösterreichische Gebirgsverein hat sich ausschließlich die Pflege der niederösterreichischen Gebirgsteile zur Aufgabe gemacht und zählt über 1000 Mitglieder. Diese letztern Vereine haben ihren Sitz in Wien. Außerdem entstanden noch eine Reihe kleinerer alpiner Gesellschaften, die in Bezug auf Wegmarkierung, Weg- und Hüttenbau zum Teil Anerkennenswertes geleistet haben, so in Wien die Ennsthaler, Mürzthaler, Preinthaler, Reisthaler, Voisthaler, Altenberger, Lackenhofer etc., in Innsbruck die Schwefelbande, in München das Turneralpenkränzchen, die Haltspitzler. Zu den fremden Vereinen sind hinzugekommen: die Société des Touristes de Dauphiné (1875), der Club alpine belge (1883), die Società Alpina delle Giulie (1883), der Club Alpino Ticinese (1886). Die Zeitschrift des Italienischen Alpenvereins, der 68 Schutzhütten in den Alpen errichtete, erscheint jetzt unter dem Titel: »Rivista mensile del Club Alpino Italiano«.

Altersversicherung, s. Invaliditäts- u. Altersversicherung.

Aluminiumrhodanid (Rhodanaluminium, Aluminiumthiocyanat) Al2(CNS)6 entsteht bei Zersetzung von Aluminiumsulfat (schwefelsaurer Thonerde) mit Rhodanbaryum oder Rhodancalcium. Die vom Niederschlag abgezogene klare Flüssigkeit, welche das A. gelöst enthält, ist rötlich gefärbt, wenn eins der angewandten Materialien Eisen enthielt. Die Färbung verschwindet beim Erhitzen, weil alsdann das Eisenoxydsalz in Eisenoxydulsalz verwandelt wird. Hierauf beruht die Anwendung des Aluminiumrhodanids in der Zeugdruckerei zur Erzeugung besonders schöner und frischer Alizarinrotfarben, da es Spuren von Eisen in den angewandten Materialen verhindert, sich mit dem Alizarin zu vereinigen und so die rote Farbe zu beeinträchtigen. Diese Beize ist wenig ökonomisch, weil nur 0,33 des Thonerdegehalts an die Faser abgegeben wird. Man benutzt indes auch basische Aluminiumrhodanide, welche aus Rhodanbaryum oder Rhodancalcium mit abgestumpftem Aluminiumsulfat oder Alaun dargestellt werden, und deren Lösungen sich

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 20.