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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Aschinow; Asiatische Türkei; Asien

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Aschinow - Asien

aufgeweicht, darauf in einem Reißwolf aufgelockert, auf besonders eingerichteten Krempeln nach Art der Hede gekrempelt und in ein Band verwandelt, welches durch fortgesetztes Strecken und Drehen allmählich verfeinert und in Garn übergeführt wird. Um diesem mehr Halt zu geben, findet auch mitunter im Reißwolf ein Vermischen mit Baumwolle statt, während dickere Garne durch Zwirnen gewonnen werden. Aus dem Garn erzeugt man auf gewöhnlichen Webstühlen Gewebe auf dreierlei Art: 1) nur aus Asbest; solche Gewebe besitzen nur geringe Festigkeit und Haltbarkeit. 2) Aus Baumwollkette und Asbestschuß; diese Gewebe sind zwar von größerer Haltbarkeit, aber von geringerer Unverbrennlichkeit. 3) Aus Metalldrahtkette und Asbestschuß; solche Gewebe sind äußerst widerstandsfähig gegen Wärme, Druck, Wasser u. dgl. Die Fabrikation von Platten mittels Verfilzung geschieht, wie bei den Pappen, nach einem Zerkleinerungsprozeß auf Pappen- oder Papiermaschinen mit Anwendung starker Pressen, weil das Material das Wasser sehr fest hält. Die Dicke dieser Asbestpappen beträgt 1-10 mm, ihre Länge und Breite gewöhnlich 1 m. Die dünnsten Formen von 0,3 - 0,75 mm Dicke und beliebiger Länge werden Asbestpapier genannt und in langen Bahnen erzeugt. Eine besondere Verarbeitung des Asbestes mit Kautschuk findet statt, um dadurch auch ein für Dampf, Wasser u. dgl. bei hoher Temperatur und hohem Druck undurchlässiges Gewebe zu erzeugen. Die Verarbeitung besteht wesentlich darin, daß man Asbestgewebe oder -Platten mit einer Kautschuklösung in beliebigen Lagen zusammenklebt oder noch zweckmäßiger mit einem Kautschukschwefelteig vereinigt und vulkanisiert (Asbestkautschukplatten). Die Hauptverwendung finden diese A. zu feuersichern Vorhängen in Theatern, Anzügen zum Schutz gegen herumspritzendes flüssiges Metall in Gießereien, Stahlfabriken etc., ferner als Dichtungsmaterial in Dampfmaschinen, Kompressoren (Stopfbüchsen), Dampfleitungen; als Umhüllungsmaterial für Dampfleitungen; als Grundlage für Dachpappen; als Filter und Schlammpreßtücher für Wasserreinigung, in Zuckerfabriken, zur Bierklärung etc. In Pulverform, mit Wasserglas oder Mineralfarben vermischt, liefert der Asbest einen feuersichern Anstrich (Asbest-Email). Auf Holz anzuwenden ist besonders folgender Anstrich: 30 geglühter Asbeststaub und 20 feiner, feuerfester Thon wird in einer heißen Lösung von 10 Borax, 30 Wasser und 10 Wasserglas drei Stunden gemahlen und darauf beliebig mit Erdfarben gefärbt.

Aschinow, der »freie Kosak« (Bd. 17), wurde im September 1891, weil er die für eine neue Unternehmung nach Abessinien gesammelten Gelder vergeudet hatte, in Reni (Bessarabien) verhaftet und vor Gericht gestellt.

Asiatische Türkei, Eisenbahnen, s. Kleinasien.

Asien (Forschungsreisen in jüngster Zeit).

Drei Schiffen ist es im Sommer und Herbst 1890 geglückt, die Nordküste Sibiriens zu erreichen: es waren das norwegische Schiff Biscaya, Kapitän Petersen, der englische Dampfer Thule, Kapitän Cordiner, und der Schleppdampfer Bard, Kapitän R. Wiggins, welche sämtlich nach dem Jenissei fuhren. Diese vereinzelten Erfolge beweisen indessen nichts für die Möglichkeit einer dauernden Schiffsverbindung mit dem nördlichen Sibirien. Eine auf vier Jahre berechnete Expedition unter Tscherski wird jetzt von der St. Petersburger Akademie ausgerüstet, um die Flüsse im Nordosten Sibiriens zu untersuchen, geologische Aufnahmen zu machen und namentlich Die Diluvialfauna, die Mammut- und Rhinozerosreste zu studieren.

Kleinasien.

Aus dem Jahr 1890 sind noch einige Expeditionen hier nachzutragen. Kusnetzow unternahm 1890 im Auftrag der Russischen geographischen Gesellschaft seine dritte Reise, welche hauptsächlich dem westlichen Transkaukasien (Karthalinien) galt und Studien über Gletscher und Flora zum Zweck hatte. Im Juli 1890 bestieg der Topograph Pastuchow behufs topographischer Aufnahmen den Elbrus, konnte aber den Abstieg infolge eingetretenen Schneesturms nur unter großen Gefahren vollenden. Von Engländern unternahm G. G. Baker eine Tour durch den weniger erforschten und niedrigern östlichen Kaukasus, wo er den zu 4830 m anzeigenden Basardschusi erklomm. In der Zentralkette war Holder thätig, die Gletscher und die Orographie der Adai Choch-Gruppe an den Quellen des Rion aufzuhellen, während der Italiener Sella drei Monate lang ebendort reiste und photographierte. Im Sommer 1891 erschienen auch Deutsche auf diesem Felde wissenschaftlicher Thätigkeit: Ende Juni gingen Merzbacher aus München und Purtscheller aus Salzburg zu Gletscherforschungen nach dem zentralen Kaukasus, wo sie trotz schlechten Wetters eine Reihe von Bergbesteigungen und wissenschaftlichen Beobachtungen ausführten.

Westturkistan.

Adolf Bastians letzte große zweijährige Reise, welche, wie stets ethnographischen Zwecken dienend, 1889 ihren Anfang nahm, war zunächst nach den russischen Besitzungen in Westturkistan gerichtet. Samarkand, Taschkent, Chodshent. Buchara und Merw waren die vorzüglichsten Stationen; der Weg führte dann weiter durch Kaukasien, Konstantinopel, die europäische Türkei, Ostafrika, Ostindien.

Hochasien.

Der vorjährige Bericht (vgl. Bd. 18, S. 337) hatte die Brüder Grum Grshimailo auf ihrer zentralasiatischen Reise bis zu dem Vorstoß von Turfan südwärts nach dem Lop-Nor zu begleitet. Anstatt dort durch ein von den bisherigen Karten verzeichnetes Dünengebiet zu kommen, stießen sie auf ein Gebirge, Tageta, von 2700-3000 m Höhe; den Lop-Nor selbst erreichten sie nicht. Doch konstatierten sie auf diesem Ausflug, welcher hauptsächlich unternommen worden war, um eine Herde wilder Kamele zu verfolgen, bei dem Ort Lukschin kyr (in etwa 42½° nördl. Br. und 89½° östl. L. v. Gr.) das Vorhandensein einer ungeahnten Depression von 50 m unter der Oberfläche des Ozeans, deren genauere Untersuchung der Generalmajor A. v. Tillo plant. Die beiden Brüder, der eine, Gregor, Naturforscher, der andre, Michael, Offizier, gingen dann über Chami durch die Wüste Gobi nach Sutschou, durch das Gebirge Nanschan nach dem Westufer des Kuku-Nor, überschritten südöstlich desselben den obern Huangho und drangen jenseit desselben noch etwa 100 km südwärts bis zum Gebirge Ulan vor. Ihre Rückreise führte sie über Kantschou, Sutschou und Chami nach Kuldscha. Ihre Resultate sind namentlich in zoologischer und botanischer Hinsicht bedeutend; sie brachten unter anderm drei Exemplare des Wildpferdes mit heim. Aber auch für die Geographie haben sie gearbeitet, indem sie an 40 Punkte astronomisch bestimmten, ihre ca. 8000 km langen Routen auf chinesischem Gebiet krokierten und einige hundert Photographien aufnahmen, und diese Arbeiten sind um so wichtiger, als sie es sich angelegen sein ließen,