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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baken; Bakterien

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Baken - Bakterien

ist er als Kritiker in den zwei Feuilletonsammlungen: "Zur Kritik der Moderne" (Zürich 1890) und "Die Überwindung des Naturalismus" (1891). Seine dramatischen Dichtungen: "Die neuen Menschen"(1887), "Die große Sünde", bürgerliches Trauerspiel (Zür. 1889), und "Die Mutter", der Roman "Die gute Schule" (Verl. 1890), die kleinern Erzählungen "Fin de siècle" (das. 1891) u. a. zeigen sein Talent in Gärung, oft auch Verirrung.

Baken, Bakentonnen, s. Seezeichen.

Bakterien. Die Geschichte der Bakteriologie läßt sich in zwei große Abschnitte teilen, von denen der erste von ihrer Entdeckung bis zum Anfang der 70er Jahre dieses Jahrhunderts reicht, zu welcher Zeit durch Cohn die Systematik der B. sowie ihre Biologie zum erstenmal in eingehender Weise zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung gemacht wurde. Der zweite Abschnitt umfaßt diese Untersuchungen Cohns und reicht bis zur Gegenwart; er wird wiederum durch die Entdeckung der Gelatinekultur, welche für den Ausbau der gesamten Bakteriologie von der größten Bedeutung war, in zwei kleinere Abschnitte geteilt. Aus früherer Zeit finden wir bereits einzelne Andeutungen, welche sich auf das Vorhandensein kleinster, dem menschlichen Auge unsichtbarer Organismen beziehen, besonders in Verbindung mit dem Gedanken, daß durch dieselben die ansteckenden Krankheiten bedingt würden. Diese Lehre vom contagium vivum, dem lebenden, fortpflanzungsfähigen, organisierten Ansteckungsstoff, gab zunächst den Anstoß, immer wieder nach dem Vorhandensein der kleinsten Wesen zu forschen. Da gelang es im J. 1675 dem berühmten Mikroskopiker Antony van Leeuwenhoek, im faulenden Regenwasser außerordentlich kleine Organismen zu entdecken, welche er in einer Anzahl Briefe an die Royal Society in London beschrieb; im J. 1683 teilte er der gleichen Gesellschaft seine Entdeckung von kleinsten, lebenden Organismen im Zahnschleim mit und erläuterte diese Entdeckung durch eine Anzahl so vorzüglicher Abbildungen, daß man an der Natur der entdeckten Organismen nicht wohl zweifeln kann; es waren B. Auf Leeuwenhoeks Entdeckung folgte ein langer Zeitraum, in welchem für die wissenschaftliche Ausbildung der Naturgeschichte der B. nichts Wesentliches mehr geschah; erst am Ende des 18. Jahrh. versuchte der dänische Zoologe Otto Friedrich Müller in seinem großen Werk "Animalcula infusoria" die von ihm beobachteten Bakterienarten unter den Gattungen Vibrio und Monas in systematischer Weise zu beschreiben; er stellte sie zwar zu den Infusorien, also zu den Tieren, betont jedoch ausdrücklich ihre nahe Verwandtschaft zum Pflanzenreich. Im J. 1838 stellte Ehrenberg in seinem Werk "Die Infusionstierchen als vollkommene Organismen" die B. unter den Familien Vibrioina und Monadina unbedenklich zu den Tieren; bei ihm werden die B. bereits in die Gattungen Vibrio, Spirillum, Spirochaete und Bacterium eingeteilt. Die einzelnen Arten werden jedoch in so ungenauer Weise beschrieben, daß sie sich mit wenigen Ausnahmen heutzutage nicht mehr wiedererkennen lassen. Dujardin stellte die B. ebenfalls zu den Tieren und behielt auch die Ehrenbergschen Namen bei, veränderte aber die Begrenzung der Gattungen, ohne dabei einen wesentlichen Fortschritt gegenüber Ehrenberg zu erreichen. Durch Pertys Werk "Zur Kenntnis kleinster Lebensformen" wurde zunächst zum erstenmal die tierische Natur der B. in Frage gestellt, und durch Cohns erste hierauf bezügliche Arbeit: "Untersuchungen über die Entwickelungsgeschichte der mikroskopischen Algen und Pilze« (1854), war die pflanzliche Natur derselben fest begründet. Cohn bringt in dieser Arbeit die B. in nahe Beziehung zu den Algen, während sie Nägeli drei Jahre später allein auf Grund der physiologischen Merkmale den Pilzen zuweist. Bisher war man im wesentlichen der Ansicht, daß sich unter den B. ebenso wie unter den übrigen Organismen einzelne Gattungen und Arten mit Sicherheit voneinander würden abgrenzen lassen, sobald man nur in dem Studium dieser kleinsten Wesen weit genug würde gekommen sein und namentlich durch bessere Instrumente zur Aufklärung schwer erkennbarer Einzelheiten besserausgerüstet sein würde. Im Gegensatz zu dieser Anschauung lehrte Hallier in den 60er Jahren dieses Jahrhunderts, auf ungenaue Methoden und falsche Schlußfolgerungen gestützt, daß die B. nur Entwickelungszustände von gewissen Schimmelpilzen seien, und daß es überhaupt nur wenige, aber sehr vielgestaltige Pilzarten gäbe, in deren Kreis unter andern auch die Hefepilze und B. gezogen werden müßten. Das Unhaltbare dieser Auffassung zeigte sich sehr bald, und es ist namentlich De Barys Verdienst, dieselbe erfolgreich widerlegt zu haben.

Hatte die systematische Erforschung der B. bis zum Ende des ersten Abschnitts ihrer Geschichte nur wenig Fortschritte und zuletzt sogar Rückschritte gemacht, so war man auch auf andern Gebieten der Bakteriologie nicht wesentlich weiter gekommen. Zu der Lehre des Contagium vivum trat noch eine andre Idee, welche das Interesse an der Biologie dieser Organismen wach hielt. Man glaubte in den B. diejenigen niedersten Organismen gefunden zu haben, welche sich direkt aus der organischen Substanz entwickeln könnten, also durch Urzeugung entstünden. Statt überzeugender Experimente waren es jedoch mehr Spekulationen, durch welche verschiedene Naturforscher zu der Idee der elternlosen Zeugung bei den B. gelangten, und wo Experimente angestellt wurden, ließen sie an Fehlerhaftigkeit und Ungenauigkeit nichts zu wünschen übrig. So stand es auch mit dem berühmten Versuch Needhams, welcher Fleischsaft kochte und ihn in einer wohl verschlossenen Flasche aufbewahrte. Der Fleischsaft ging in Fäulnis über, und es entwickelten sich in ihm zahllose B. verschiedenster Art. Aus diesem Experiment folgerte Needham, da doch alles Lebende durch das Kochen getötet sein mußte und von außen nichts in die fest verschlossene Flasche dringen konnte, daß die B. durch elternlose Zeugung aus der organischen, aber toten Materie des Fleischsaftes selbst entstanden seien. Schon Bonnet wies darauf hin, daß es doch wohl Organismen geben könnte, welche die Siedehitze zu überleben vermöchten, und daß es auch nicht unmöglich wäre, daß sehr kleine Organismen durch den Verschluß der Flasche nicht gehindert seien, von außen in die Flasche einzudringen. Da er jedoch keine hierauf bezüglichen Experimente anstellte, blieben seine an sich sehr richtigen Anschauungen ohne weitern Einfluß auf die Lehre von der Urzeugung. Erst durch Spalanzani wurde der Beweis geliefert, daß bei exakter Ausführung eines entsprechenden Experiments keine Organismen in dem Fleischsaft entstünden. Er betonte, daß auch die Wände des Glasgefäßes, welches den Fleischsaft aufnehmen sollte, Keime und Organismen enthielten, und daß diese letztern ebenfalls vollkommen vernichtet werden müßten, um ihre Entwickelung zu vermeiden. Er brachte den Fleisch-^[folgende Seite]