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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ball; Ballagi; Ballestrem; Ballistisch-photographische Versuche

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Ball - Ballistisch-photographische Versuche

einem Konsortium übertragen. Man beabsichtigt, durch Erbauung eines Wellenbrechers ein enges inneres Hafenbassin zu schaffen, die Tiefe desselben, wo es nötig erscheint, durch Baggerungen zu vergrößern und einen breiten, mit Schienengeleisen versehenen Molo weit in das Wasser hineinzubauen. Eine Verlegung der subventionierten Postdampferlinie des Deutschen Reiches Brindisi-Port Said nach Saloniki-Port Said würde nicht nur den Vorteil einer wesentlichen Abkürzung der Reise (um 905 Seemeilen) haben, Deutschland würde auch von dem sicher zu erwartenden Aufschwung Salonikis beträchtlichen Nutzen ziehen. Die zweite Linie, Mitrowitza-Schkoplje oder Üsküb (119 km), bildet die Verlängerung der makedonischen Hauptlinie, deren ursprüngliche Anlage bis zu der jetzigen Kopfstation Mitrowitza unter Voraussetzung ihrer Fortsetzung durch Bosnien bis zur Save erfolgt war. Doch scheint der Ausbau der Zwischenstrecke Mitrowitza-Serajewo noch in weitem Felde zu stehen. Die Linie Mustafa Pascha-Konstantinopel ist das Endglied der großen Überlandlinie, während die Linie Kuleli-Burgas-Dedeagatsch wichtig ist als direkte Schienenverbindung zwischen Adrianopel und dem Innern von Thrakien-Ostrumelien und dem Meer. Weiter geplant und deutschen Unternehmern übergeben sind die Linien Saloniki-Monastir und eine 242 km lange Bahn von dem Hafen San Juan di Medua am Adriatischen Meer über Skutari und Prisrend nach der Station Ferisowitz der Bahn Saloniki-Mitrowitza. Die ehemaligen Hirsch-Bahnen, jetzt zur Hauptsache in deutschen Besitz übergegangen, mit einer Schweizer Bank als nomineller Eigentümerin, hatten 1890 im Betrieb 1,263,783 km, eine Bruttoeinnahme von 13 und einen Reinüberschuß von 6,3 Mill. Frank. Griechenland war nach Ausführung der 10 km langen Piräeusbahn (Piräeus-Athen) im Eisenbahnbau ganz unthätig geblieben, seit 1885 arbeitete es aber um so rühriger am Ausbau seines Eisenbahnnetzes, das 1890 bereits 722km umfaßte, während 204 km im Bau und 827 km projektiert waren. Gegenwärtig besitzt Griechenland das entwickeltste Eisenbahnsystem auf der B. Die einzelnen Linien sind die folgenden: Piräeus-Athen (10 km), Athen-Laurion mit Abzweigung (von Herakli) nach Kephisia (74 km), vorzugsweise zur Verfrachtung der in den laurischen Gruben gewonnenen silberhaltigen Bleierze, Athen-Korinth-Patras (221 km) mit eigner Verbindung nach dem Piräeus. Diese Linie ist seit kurzem längs der Küste von Elis bis Katakolon um 100 km verlängert worden. Ferner Korinth-Nauplia (165 km), Katakolon-Pyrgos (13 km), eine Flügelbahn von dem wichtigen, von vielen Dampfern angelaufenen Küstenplätz Katakolon (gegenüber von Zante). Von der Linie Volos-Velestino-Larissa (74 km) zweigt sich bei Velestino eine Linie nach Kalabaka (151 km) ab, welche die wegen ihrer Fruchtbarkeit altberühmte thessalische Ebene durchzieht. Im Bau ist eine wichtige Linie, die sich bei Argos von der Bahn Korinth-Nauplia abzweigt, bei Myli am Golf von Nauplia das Meer verläßt und den ganzen Peloponnes in südöstlicher Richtung über Tripolitza durchschneidet. Endpunkt dieser Linie ist Kalamata am Messenischen Golf. Um das Eisenbahnnetz Griechenlands einheitlich zu gestalten und die getrennten Glieder zu verknüpfen, bedarf es nur noch der projektierten Linie Athen-Volos, während Volos-Saloniki das griechische Netz an den europäischen Verkehr angliedern wird. Das Gesamtnetz der auf der B. in Betrieb stehenden Eisenbahnen umfaßt gegenwärtig 3481 km. Davon entfallen auf die ottomanischen Provinzen 820, auf Bulgarien (mit Ostrumelien) 802, Griechenland 722, Bosnien-Herzegowina 547, Serbien 526 und Rumänien (Tschernawoda-Küstendsche) 64 km. Vgl. W. Eras, Unser Handel mit den Balkanländern (Leipz. 1891).

Ball, John, Naturforscher und Reisender, geb. 20. Aug. 1818 zu Dublin, studierte in Cambridge Mathematik und Naturwissenschaften, bereiste dann verschiedene Teile Europas, besonders die Alpen, und verfaßte 1863 - 68 einen weitverbreiteten »Alpine Guide« in mehreren Bänden (»Central Alps«, »Western Alps«, »Eastern Alps« u.a.). Im J.1871 machte er mit dem Botaniker Joseph Hooker eine Reise nach Marokko, über deren Verlauf das gemeinschaftlich geschriebene Werk »Morocco and the Great Atlas« (Lond. 1879) Auskunft gibt. Selbständig veröffentlichte er »Spicilegium Florae Maroccanae«. Im J. 1882 unternahm er eine Reise nach Südamerika und schrieb darüber »Notes of a naturalist in South America« (Lond. 1887). Er starb 21. Okt. 1889 in London.

Ballagi, Moritz, ungar. Sprachforscher und Schriftsteller, starb 1. Sept. 1891 in Budapest.

Ballestrem, Franz, Graf von, ultramontaner Politiker, wurde im Juni 1891 auch zum Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses gewählt; seit dem Tode Windthorsts gewann B. als einer der Führer der Zentrumsfraktion immer mehr Einfluß.

Ballistisch-photographische Versuche. Mach in Prag ist es gelungen, die durch Geschosse in der Luft veranlaßten Vorgänge durch Momentphotographie festzuhalten. Das Verfahren war folgendes: Der Schließungskreis einer Batterie von Leidener Flaschen enthält zwei Unterbrechungsstellen, bei deren einer die Elektroden in Glasröhrchen eingeschlossen sind; das Geschoß zerschlägt die Röhren, die Entladung erfolgt, der gleichzeitig an der andern Stelle überspringende Funke beleuchtet einen Augenblick das Geschoß, und die Objektivlinse einer geeignet aufgestellten photographischen Camera entwirft ein Momentbild vom Projektil, den Elektroden, dem Funken und den stattfindenden Druckänderungen der Luft, und zwar werden letztere sichtbar abgebildet, weil Luftschichten verschiedener Dichte verschiedenes Lichtbrechungsvermögen besitzen (sogen. »Schlierenmethode«). Es ergab sich, daß eine Verdichtung als sichtbare Grenze einer Verdichtungswelle sich nur bei Fluggeschwindigkeiten zeigt, welche die Schallgeschwindigkeit (340 m) übersteigen; bei dem Geschoß eines Werndl-Karabiners (Geschwindigkeit 327-339 m) erschien eine solche nicht, dagegen zeigte sie sich bei einem Werndl-Infanteriegewehr (438 m) und bei einem Guedes-Infanteriegewehr (530m). Die Grenze dieser Welle ist einem Hyperbelast ähnlich, mit dem Scheitel vor dem Kopf des Geschosses und mit der Achse in der Flugbahn; außerdem gehen von der Kante und vom Mantel des Geschosses geradlinige Grenzstreifen nach rückwärts. Je größer die Fluggeschwindigkeit ist, desto spitzer ist der von den Grenzstreifen gebildete Kegel. Bei besonders großer Geschwindigkeit erscheint der Schußkanal hinter dem Projektil mit Wölkchen erfüllt. Diese Erscheinungen erklären sich in einfacher Weise aus dem Huyghensschen Prinzip (s. Wellenbewegung, Bd. 16). Die von der Spitze des Geschosses erzeugten kugelförmigen Verdichtungswellen schneiden sich nicht, wenn das Geschoß langsamer als der Schall geht, sie berühren sich sämtlich in der Geschoßspitze, wenn beide Geschwindigkeiten gleich sind, sie schneiden sich dagegen und werden von einem Kegel eingehüllt, wenn das Geschoß sich schneller be-^[folgende Seite]