Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bechtolsheim; Becken; Becker; Becquerel; Bein

90

Bechtolsheim - Bein

Mk. an Zinsen gutgeschrieben; zu Ende dieses Jahres war in den Sparkassen Bayerns ein rentierendes Vermögen von 172 Mill. Mk. niedergelegt. Die öffentlichen Stiftungen haben ein rentierendes Gesamtvermögen von 422 Mill. Mk. erreicht. - Die neuen sozialpolitischen Gesetze haben auch in B. einen segensreichen Erfolg aufzuweisen. Der Stand der Krankenversicherung ergab Ende 1889: 530,687 Versicherte. Die Zahl der Krankenkassen betrug 4541, mit einem Aktivüberschuß von 4,2 Mill. Mk. Die Einnahmen des Jahres beziffern sich auf 7,7 Mill. Mk. (hierunter 5,8 Mill. von den Arbeitgebern und Arbeitern), die Ausgaben auf 7 Mill. (hiervon 1,8 Mill. für ärztliche Behandlung und Arzneien, 2 Mill. ausbezahlter Krankengelder, 1,3 Mill. Kur- u. Verpflegungskosten).

Geschichte.

Da der Landtag im Winter 1890/91 nicht versammelt war, so war die Zeit vom Frühjahr 1890 bis zum Herbst 1891 arm an politischen Ereignissen. Die politische Stille wurde nur unterbrochen durch die Feier des 70. Geburtstags des Prinzregenten, 12. März 1891, bei der die Liebe und Dankbarkeit aller Kreise der Bevölkerung gegen den greisen Fürsten in glänzendster Weise zum Ausdrucke kamen. Der Regent nahm Gelegenheit, in seinem Dankschreiben für die Glückwunschadresse des Ministeriums seinen Wunsch zu betonen, daß die Grundsätze, welche zu dem jetzigen Ansehen und der Blüte Bayerns geführt hätten, von der Regierung auch ferner beibehalten würden; er habe volles Vertrauen zu der gesamten Staatsverwaltung und wolle solches veröffentlicht wissen. Im September folgten die großen Manöver beider bayrischen Armeekorps zwischen München und Augsburg, denen Kaiser Wilhelm II. beiwohnte, und bei denen trotz der strengsten Wahrung der bayrischen Selbständigkeit sich zeigte, wie sehr B. schon in das Deutsche Reich hineingewachsen war, in dem es den ihm gebührenden Rang einnahm. Die Abgeordnetenkammer hielt nach abgelaufener Vertagung 1. Okt. 1891 wieder ihre erste Sitzung, in welcher der Finanzminister v. Riedel den zweijährigen Staatshaushaltsentwurf für die 21. Finanzperiode 1892/93 vorlegte. Die Einnahmen und Ausgaben waren auf js 300 Mill. Mk. für das Jahr (20 Mill. mehr als in der 20. Finanzperiode) veranschlagt. Die erheblichen Überschüsse aus den Jahren 1888/89 (68½ Mill.), welche hauptsächlich dem Mehrertrag der Eisenbahnen, der Stempel und Gebühren und den Überweisungen von Reichseinnahmen zu danken waren, sollen für Eisenbahnbauten und andre Anlagen, aber auch für Erhöhung der Gehalte der Beamten und Lehrer verwendet werden. Für die Anlegung von Doppelgeleisen auf den Staatsbahnen und die Beschaffung von Eisenbahnfahrmaterial wurde die Bewilligung eines Kredits von 40 Mill. Mk. von der Regierung beantragt und von der Kammer anstandslos bewilligt. Eine Abänderung des Heimatsgesetzes von 1868 mit rückwirkender Kraft erwies sich als notwendig, um Konflikte mit der Gesetzgebung andrer deutscher Staaten über das Recht der Eheschließung zu vermeiden. Einmütig sprach sich 4. Nov. die Kammer für Aufrechterhaltung der Öffentlichkeit und Mündlichkeit in der neuen deutschen Militärstrafprozeßordnung aus, und der Kriegsminister v. Safferling versprach, für dieselbe im Bundesrat einzutreten. Das Selbstbewußtsein und die wachsenden Ansprüche der Ultramontanen, deren Macht im Reichstag von der Regierung des Reiches und Preußens durch großes Entgegenkommen und schwerwiegende Zugeständnisse anerkannt war, machten sich auch im bayrischen Landtage geltend, indem die Patrioten bei der Beratung des Kultusetats ganz offen die Freiheit der Wissenschaft und ihrer Lehre auf den Universitäten bekämpften.

Bechtolsheim, Anton, Freiherr von, österreich. General, wurde im März 1891 zum Generalkommandanten des 13. Korps in Agram ernannt.

Becken. (Anthropologisches.) Bei Menschen von hoher Statur sind die Maße des Beckens im Verhältnis zur Körperlänge niedrigere als bei Menschen von niedriger Statur. Es besteht im allgemeinen eine Anlehnung der Beckenbreite an die Schädelbreite; Dabei kommen jedoch individuelle Schwankungen mit in Betracht. Die Beckenlänge zeigt bei verschiedenen Völkern charakteristische Verschiedenheiten, die von der Körperlänge oder sonstigen individuellen Beziehungen unabhängig sind; dieselbe erweist sich jedoch im Mittel durchgehends direkt proportional zu der größten Schädellänge der betreffenden Völker. Die Beckenneigung (Stellung des Beckeneingangs zur Horizontalebene) ist bei verschiedenen Völkern eine deutlich verschiedene. Die ethnischen Unterschiede treten beim männlichen Becken weit schärfer hervor als beim weiblichen.

Becker, 3) Karl, seit 1872 Direktor des kaiserlichen Statistischen Amtes in Berlin, trat im April 1891 in den Ruhestand. - 9) August, Dichter und Schriftsteller, starb 23. März 1891 in Eisenach.

Becquerel, 2) Alexandre Edmond, Physiker, starb 13. Mai 1891 in Paris.

Bein. (Anthropologisches.) Manouvrier hat Untersuchungen angestellt über die Bedeutung und Ursachen der Platyknemie, jener seitlichen Abplattung des Schienbeines (tibia), die bei vorgeschichtlichen Rassen besonders häufig angetroffen wird und dem besagten Knochen die Form einer Säbelscheide verleiht. Er gelangt zu dem Schluß, daß diese Schienbeinabplattung nicht als ein Rassenmerkmal, sondern als eine individuelle Bildung zu betrachten ist und im wesentlichen auf der Wirkung des hintern Schienbeinmuskels (musculus tibialis posticus) beruht. Da dieser Muskel von den Menschen der Steinzeit, denen die Jagd als Nahrungserwerb das Springen und schnelle Laufen zur Notwendigkeit machte, besonders angestrengt wurde, ist es erklärlich, daß bei den Völkern jener Epoche die Platyknemie zwar sehr häufig beobachtet wird, daß aber jugendliche Individuen und Personen weiblichen Geschlechts auch bei jenen Völkern die besagte Abplattung des Schienbeines nicht aufweisen. Daß die Körperhaltung die Gelenkverbindungen der Unterschenkelknochen wesentlich beeinflußt, hat Thomson festgestellt. Derselbe fand, daß hinsichtlich der Länge und Form des Schienbeines bei verschiedenen Menschenrassen und verschiedenen Individuen beträchtliche Unterschiede vorhanden sind, daß insbesondere die Gelenkfläche des äußern Gelenkkopfes des Schienbeines bei verschiedenen Menschenrassen einen verschiedenen Grad von Konvexität aufweist, daß die Entwickelung dieser Konvexität mit dem häufigen Gebrauch der untern Extremität bei starker Kniebeugung in Zusammenhang steht, und daß auch das bei vielen Naturvölkern gebräuchliche Niederhocken zur Entstehung dieser Eigentümlichkeit beiträgt. Gelenkschleifflächen an der vordern Fläche des Sprunggelenks und auf dem Hals des Sprungbeins (astragalus) werden bei Kulturvölkern sehr selten, bei Naturvölkern ziemlich häufig angetroffen und resultieren aus der Gewohnheit, den Fuß in solcher Lage zu halten, daß er stark auf den Unterschenkel gebeugt ist. Die Schleifflächen des Sprunggelenks sind beim