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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bektasch; Belgien

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Bektasch - Belgien

Gorilla deutlich ausgesprochen und beruhen hier auf der starken Fußbeugung beim Klettern.

Bektasch, ein körperlich wie religiös abgesonderter Stamm in Lykien, den Tachtadschy (s. d.) nahe verwandt, aber nicht wie diese im Gebirge hausend, sondern Stadtbewohner. Besonders in Elmaly gibt es viele B., reiche Grundbesitzer und in angesehener Stellung. Offiziell gelten sie zwar für Mohammedaner, aber sie trinken Wein und feiern den Ramasan nur zum Schein. In welchem Verhältnis sie zu den gleichnamigen (heulenden) Derwischen stehen, ist noch nicht ausgemacht. F. v. Luschan hält sie für Reste der alten vortürkischen und vorgriechischen Urbevölkerung des südlichen Kleinasien.

Belgien (Heerwesen). Die in B. noch heute geltende Stellvertretung durch Loskauf, durch welche die gebildeten und wohlhabenden Stände dem Heere fern gehalten und diesem zahlreiche sittlich unlautere Elemente zugeführt werden, findet immer mehr Gegner, besonders unter den Liberalen, wie die Debatten über den Antrag d'Oultremont im Sommer 1887 erkennen ließen. Dieser Antrag, ein förmlicher Rekrutierungsgesetzentwurf, verlangte die allgemeine Wehrpflicht mit persönlicher Dienstpflicht. Bei Vorlage des Heeresbudgets für 1891 äußerte der Kriegsminister im Namen des Ministeriums: »Wir sind und bleiben die überzeugten Parteigänger für die Notwendigkeit der Abschaffung der Stellvertretung.« Dagegen ist eine Änderung der Bestimmung des Milizgesetzes, welche einem wiederholt bestraften Menschen den Eintritt in die Armee gestattet, wenn die einzelnen Strafen nicht ein Jahr Gefängnis für Diebstahl, Vertrauensbruch oder Gaunerei, oder zwei Jahre für andre Vergehen erreichten, dahin erfolgt, daß die Gesamtheit der erlittenen Strafen nur diese Zahlen erreichen dürfen. Die Friedensorganisation des Heeres ist durch Gesetz vom 23. Juni 1889 geregelt. Die Generalität besteht aus 22 Generalmajoren und 11 Generalleutnants, von denen 4, bez. 2 der Reserve angehören; das Generalstabskorps zählt 20 Stabsoffiziere und 26 Hauptleute, die Intendanz 35 Offiziere; Rechnungsführer bei den Truppen (Quartier- und Zahlmeister, Bekleidungsverwalter) sind 153 Offiziere vom Rang des Hauptmanns bis Unterleutnant. Die Infanterie besteht aus je 1 Regiment Karabiniers und Grenadieren, 3 Regimentern Jäger und 14 Linienregimentern von je 3 aktiven und 2 Reservebataillonen, nur das Karabinierregiment hat deren 4 und 3; ferner 2 Sedentär-, 6 Disziplinar- und 2 Kompanien Pupillenschule; zusammen 1745 Offiziere und 28,673 -28,973 Mann. Die Kavallerie besteht aus 2 Jäger-, 2 Guiden- und 4 Lanciersregimentern von je 5 aktiven und 1 Depoteskadron, zusammen 304 Offizieren, 5712 Mann, 5520 Pferde. Die Artillerie besteht aus 4 Feld- und 4 Festungsregimentern, erstere zählen zusammen 30 fahrende, 4 reitende, 8 fahrende Reserve- und 4 Depotbatterien; die Festungsartillerie zählt 58 aktive, 8 Reserve- und 4 Depotbatterien, zusammen 534 Offiziere, 7879 Mann, 2584 Pferde, 204 Geschütze; die Genietruppe besteht aus 1 Regiment zu 3 aktiven Bataillonen zu je 4 Kompanien, 1 Reservebataillon, 1 Depot- und 5 Spezialkompanien (Eisenbahn-, Feld- und Festungstelegraphisten etc.), zusammen 146 Offiziere, 1430 Mann. Der Train besteht aus 1 Regiment von 2 Bataillonen und 1 Depot: 29 Offiziere, 398 Mann, 320 Pferde; die Gendarmerie zählt in 3 Divisionen 57 Offiziere, 2401 Mann, 1605 Pferde. Die Friedensstärke des Heeres beträgt demnach 3417 Offiziere, 47,566 Mann, 119 Zivilbeamte, 8820 Pferde, 204 Geschütze. Die Fußtruppen sind mit einem Mausergewehr M/98 von 7,65 mm Kaliber und anhängbarem Magazin, 4,313 kg Gewicht mit vollem Magazin und Bajonett, die Kavallerie mit einem Mauser-Repetierkarabiner M/89, die Lanciers mit einer Lanze von 2,85 m Länge, 1,285 kg Gewicht bewaffnet. Die fahrenden Batterien sind mit 8,7, die reitenden mit 7,5 cm Kruppschen Geschützen M/78 ausgerüstet. Im Kriege zerfallen die Streitkräfte in 1) die Feldarmee, 2 Divisionen Aufklärungskavallerie und 2 Armeekorps von je 2 gemischten Divisionen umfassend; 2) die Festungstruppen, die zur mobilen und zur eigentlichen Verteidigung der Festungen und zum Dienst in den Militäretablissements dienenden, sowie die Depots, Sedentärkompanien etc.; 3) die Territorial-Gendarmerie.

ad 1) 2193 Offiziere, 65 903 Mann, 18 846 Pferde, 1952 Fahrzeuge

ad 2) 1605 Offiziere, 59 018 Mann, 3462 Pferde, 465 Fahrzeuge

ad 3) 47 Offiziere, 2082 Mann, 1266 Pferde

Zus.: 3845 Offiziere, 127 003 Mann, 23 574 Pferde, 2417 Fahrzeuge

Der Kriegsminister hat nachgewiesen, daß sich bei der Mobilmachung eine Heeresstärke von mehr als 130,000 Mann erreichen läßt; dabei sind folgende Stärken in runden Zahlen gerechnet: für die Feld- (Operations-) Armee 68,000 Mann, als Garnisonen von Lüttich 7000, Namur 5100, Huy 540, Antwerpen 24 000, mobile Divisionen des verschanzten Lagers von Antwerpen 12,000, in den vorgeschobenen Stellungen von Antwerpen zu Dendermonde 4800, zu Diest 2600, Depots, Gendarmerie etc. 5400 Mann. Die Maasbefestigungen sind Mitte 1891 vollendet worden. Für deren Bau waren 54 Mill. Frank, davon 33 Mill. für den Bau der Forts, 20 Mill. für deren Armierung veranschlagt, es heißt aber, daß diese Summe erheblich überschritten wurde. - Über Getreideproduktion und Volksvertretung in B. vgl. die besondern Artikel.

Geschichte.

Im J. 1891 berieten die Kammern in gewohnter Weise den Staatshaushaltsentwurf für 1892. Bei der Verhandlung über die außerordentlichen Kredite gaben die für die Maasbefestigungen in beiden Kammern zu erregten Debatten Anlaß, da die Notwendigkeit dieser Werke sowie die Möglichkeit ihrer Verteidigung bei den geringen Streitkräften Belgiens bestritten wurden und außerdem bei der Ausführung Fehler begangen und die veranschlagten Kosten überschritten worden waren. Die chauvinistische französische Presse erneuerte bei dieser Gelegenheit die ganz ungegründete Behauptung, daß die Maasforts dazu bestimmt seien, Deutschland im Fall eines Krieges ausgeliefert zu werden, und der König hielt es für nötig, durch den Bürgermeister von Brüssel, Buls, bei einem Fest in Marseille die strengste Neutralität Belgiens versichern zu lassen; eine Wirkung erzielte Buls bei jener Presse nicht. Ja, das Übelwollen gewisser Kreise in Frankreich gegen B. wurde noch gesteigert, als dieses im Dezember mit Deutschland und Österreich-Ungarn auf 12 Jahre Handelsverträge schloß und sich damit dem mitteleuropäischen Handelsbund beigesellte. Die Frage der Verfassungsrevision rückte nur langsam vorwärts. Im Februar 1891 wurde von der Deputiertenkammer zur Vorberatung der Frage eine Zentralsektion eingesetzt, welche im Mai ihre Beratungen schloß. Gemäß dem Vorschlag der Regierung entschied sie sich gegen das allgemeine Wahlrecht, das die Zahl der Wähler mit einemmal von 134,000 auf 1,200,000 - 1,300,000 vermehren würde, dagegen für die Begründung