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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Blattläuse (Fortpflanzung, Lebensweise etc.)
rückwandernde, die Geschlechtstiere erzeugende Generation, I'n Mkra.L, Lichtenstein,8exuMi'3.6, Dreyfus, likmizi^nteg, Blochmann; 5) Geschlechtsgeneration, 86xual68. Von praktischer Bedeutung ist die noch zu entscheidende Frage, ob die von der Fichte! auswandernden Tannenläuse nur auf der Lärche ^ ihre Existenzbedingung finden und ob diese Auswan- > derung für die Lebensfähigkeit der Art absolut not-! wendig ist; in diesem Fall wäre zum Schutz junger ^ Fichtenbestände vor dem Schmarotzer die erste Regel, unter Fichten oder in die Nähe derselben keine Lärchen zu pflanzen. Wanderungen von Blattläusen von einer Baumart auf die andre sind außer von der ^ Tarmenlaus auch noch von andern Blattläusen, besonders von den gallenbildenoen ^em Mi^us-Arten, doch auch von nicht gallenbildenden ^Mg-Arten u. a. bekannt. Nach der bei andern tierischen Parasiten gültigen Terminologie wird als Hauptnährpflanze der wandernden V. diejenige Pflanze bezeichnet, auf welcher die Geschlechtsgeneration lebt und das befruchtete Ei ablegt, als Zwischenpflanze diejenige, auf welcher die betreffende Blattlausart nur in parthenogenetisch sich fortpflanzenden Generationen vorkommt. Für viele Arten, z. V. für die auf der Ulme als Hauptnährpflanze häufig vorkommende 'I'strau Lnra uliui!>., ist die Zwischenpflanze noch nicht bekannt. Starke Gründe sprechen dafür, daß z auch bei der Gattung kii Moxkra und ihrer bekanntesten Art, der Reblaus, die Entwickelung nicht so einfach verläuft, wie bisher angenommen wird, sondern daß auch hier, ähnlich wie bei der Tannenlaus, Parallelreihen existieren und Formen, die bisher zu verschiedenen Arten gerechnet wurden, sich in Zukunft als Glieder eines und desselben Entwickelungskreises erweisen werden. Bei der Reblaus scheint ferner der Entwickelungskreis der Art durch äußere Einflüsse und Bedingungen stark modifiziert zu werden.
Über die Art, wie die B. sich ernähren und verteidigen, verdanken wir Büsgen die ersten genauen Untersuchungen. Er zeigt, daß die Mundwerkzeuge aus einem von der Ober- und Unterlippe gebildeten Rüssel bestehen, der einer Anzahl langer Borsten (welche Ober- und Unterkiefer darstellen) als Schutzscheide dient und ihr Umbiegen beim Anstechen der Pflanzengewebe hindert. Denn diese Borsten, die weit aus dein Scheidenrüssel hervorgestreckt werden können, dienen als eigentliche Stech- und Saugorgane und arbeiten verschieden, je nachdem sie aus weichern oder härtern Teilen den Saft herauszuholen haben. Die Oberkieferborsten fungieren hauptsächlich als wegbahnende Stechapparate, die Unterkieferborsten formen dann einen Saugkanal, in welchem die erbohrten Säfte teils durch Kapillarität, teils durch Saugen emporsteigen. Dieses Borstenbündel dringt nun entweder, z. B. bei der Kochenille-Blattlaus, direkt in die Parenchymzellen ein, oder es schiebt sich durch die äußern Zwischenzellräume der Epidermis und Rinde bis zu dem Eiweißstoffe führenden Weichbast (Siebteil) der Gefäßbündel. Trifft das Borstenbündel dabei auf den Hartbast, dessen dickwandige Zellen den Weichbast nach außen schützen, so durchbohrt es denselben nicht, sondern rückt seitwärts an dessen Oberfläche weiter, bis es eine leichter durchbohrbare Stelle (Markstrahl) und so mit Hin- und Herbiegung den Weichbast erreicht. Doch findet bei manchen Rindenläusen (I^olmus) auch direktes Eindringen bis zum Weichbast statt. Während des Stechens sondert das Insekt ein aus einer eiweißartigen Substanz bestehendes Sekret ab, welches im Augenblick seines Austrittes aus dem Vor stenbündel erhärtet, letzteres wie ein geschlossenes Rohr als Fortsetzung des Rüssels umgibt und sein Umbiegen an widerstandsfesten Stellen verhindert.
Die Ursache der Aufsuchung des Weichbastes mit Durchbohrung oder Umgehung der gerbstoffreichen äußern Bastzellen, deren Inhalt den Tieren unangenehm ist, liegt wahrscheinlich in der Eiweißarmut dieser Zellsäfte, denn nur der Saft, nicht die plasmatischen Stoffe, die auch den Saugkanal verstopfen würden, werden gesucht und in solchen Massen aufgenommen, daß noch ein großer Teil der aufgesogenen und während der Verdauung teilweise in Traubenzucker umgewandelten Zuckerstoffe durch den After wieder ausgeschieden wird und den Honigtau bildet, resp. von befreundeten Ameisen genossen wird. Früher glaubte man, daß dieser süße Saft aus den beiden Rückenröhren, mit denen viele Blattlauslarven versehen sind, ausgespritzt würde, die daher in vielen Lehrbüchern auch als Honigröhren bezeichnet werden; allein Vüsgen zeigte, daß dieser Honigtau nur vom After ausgeschieden wird, während jene Röhren ein wachsartiges, leicht erstarrendes Sekret ausscheiden, dessen sich die B. als eines Schutzmittels gegen Angreifer bedienen, namentlich gegen die sogen. Vlattlauslö'wen (Florfliegenlarven) und Marienkäferlaruen, die sie damit zu beschmieren suchen. Man kann diese Tiere, z. B. die Nosenblattläuse, leicht durch Berührung ihres Kopfes od. Rückens mit einer Nadel zu dieser Röhrenabsonderung veranlassen. Das Tier richtet dann die Röhren einzeln oder gemeinsam gegen die Nadelspitze und wischt daran einen Tropfen der sofort erstarrenden und sehr klebrigen Ausscheidung ab. So verfährt es auch gegelt die genannten Angreifer, die von hinten her anrücken und ihre Zangen in den Leib des Tieres schlagen, um den süßen Inhalt auszusaugen. Besonders gut gelingt ihnen das bei den Marienkäferchen (Coccinelliden). Wenn eine Rosenblattlaus an ihren langen Beinen die Annäherung dieses Feindes spürt, so sucht sie sich zunächst mittels derselben in Sicherheit zu bringen oder sich herabfallen zu lassen. Gelingt ihr dies nicht, so beschmiert sie dem Käfer mit ihrer klebrigen Ausscheidung den ganzen Vorderkörper, weshalb auch die Käfer sich kaum an die erwachsenen B. wagen und mehr die jüngern verfolgen, wobei sie freilich ihrem eignen Vorteil noch dadurch dienen, daß sie das trächtige, sich stark vermehrende Thier schonen. Der wichtigste Schutz der B. bleibt freilich ihre Ameisenleibgarde, die sie durch ihren reichlichen süßen Saft anlocken und für ihre Dienste belohnen, weshalb sie von manchen Ameisenarten auch förmlich gezüchtet werden. Bei uns üben die Ameisen besonders energisch ihr Amt gegen die Larven der Coccinelliden und verschiedener'Fliegen. Man kann nach Büsgen leicht beobachten, mit welcher Wut sie sich auf diese Tiere stürzen, wenn man diese in die Nähe einer Blattlauskolonie mit Ameisen bringt. In wenigen Minuten sind sie von der Pflanze herabgestürzt oder davongeschleppt. Auch scheinen die Larven ihre Feinde wohl zu kennen und eilen, sich bei deren Annäherung zu verbeegen. Da die B. sich nun von dem Pflanzensaft nicht nur selber ernähren, sondern auch noch Scharen von Schutzameisen erhalten und eine Menge Saft als Honigtau vergeuden, so üben sie ernstlichen Schaden, und Vüsgen berechnet für einen von Boussingault beschriebenen Fall, daßdie einer Linde von ihnen entzogene Menge von Kohlehydraten hingereicht haben würde, den sechsten Teil der Krone neu zu erzeugen. Der Honigtau schadet vielleicht nicht direkt, da ihn der nächste Regen von den