Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

124
Bremse - Brief
Bremse. Von A.Ieenel in Breslau ist eine selbstthätige Wa genbremse angegeben, die auch von der Hand in Wirksamkeit gesetzt werden kann. Selbstthätig wirkt sie, indem sie angezogen wird, sobald die Zugtiere angehalten werden und sich rückwärts stemmen. Als Handbremse wird sie vom Innern des Wagens oder vom Kutscherbock aus angezogen. Der Wagen ist in der Deichsel verschiebbar. Werden nun die Pferde und damit die Deichsel angehalten, so schiebt sich der Wagen in Führungen auf der Deichsel vor oder, wenn man den Wagen als ruhend betrachtet, die Deichsel dringt in den Wagen ein und drückt mit einem auf ihr befestigten Querbolzen die Gabel eines Hebels zurück, von welchem die Bremsbacken an die Vorderräder des Wagens angelegt werden.
Beim Anziehen der Deichsel werden die Bremsbacken durch Federn zurückgezogen, wobei der Gabelhebel stets an dem Qnerbolzen der Deichsel anliegt. Soll die Bremse nicht selbstthätig wirken, so wird die Deichsel mittels einer an ihr angebrachten Zahnstange und eines in diese eingreifenden Sperrzahns dadurch festgestellt, daß ein Riemen, der in gespanntem Zustande den Sperrzahn einer Feder entgegen ausgelöst erhält, von einem am Kutscherbock angebrachten Halteknopf losgemacht wird, worauf der Sperrzahn in die Zahnstange einfällt und an dieser die Deichsel festhält. Das Anziehen der Bremsen von der Hand geschieht mittels Riemen, die überrollen zu den Bremsbacken laufen, wobei der Gabelhebel von dem Querbolzen der Deichsel abgehoben wird.
Bezüglich der Eisenbahnbremsen hat sich in Preußen an maßgebender Stelle ein Umschwung der Meinungen vollzogen, der einen baldigen Systemwechsel zur Folge haben wird. Seiner Zeit wurde die Carpenterbrenise auf den preußischen Staatsbahnen eingeführt, weil sie nach dein damaligen Stande der Technik von den preußischen Eisenbahntechnikern als die beste und zuverlässigste begutachtet war. Sie hat auch im ganzen gute Dienste gethan, ist aber nach der Ansicht berufener Sachverständiger heutzutage von andern Bremssystemen überflügelt, welche zuverlässiger wirken und die Züge schneller znm Stehen dringen. Außerdem ist es vielfach als Übelstand empfunden worden, daß die preußischen Staatsbahnen mit ihrem Bremssystem fast allein dastandeil (nur Sachsen und Oldenburg haben noch Carpenterbremsen), während sonst im übrigen Deutschland, in Österreich, Holland und Belgien fast ausschließlich das Westinghouse-System eingeführt ist. Auf Veranlassung des Ministers Thielen wurden nun Versuche mit verschiedenen Bremssystemen angestellt, deren Resultate dazu führen dürften.daß alle deutschen Bahnen ein einheitliches Vremssystem bekommen sollen. Das würde nicht nur bezüglich der Einfachheit des Betriebes, sondern auch besonders bezüglich 5er Sicherheit als ein großer Fortschritt zu begrüßen sein.
Brentano, 2) Lorenz, Politiker und Journalist, starb 18. Sept 1891 in Chicago.
4) Lujo, Nationalökonom, wurde 1891 an die Universität München berufen.
Bridgman, Laura, s. Dreisinnige.
Brief. (Geschichte des Briefes in Deutschland.) In Deutschland war wie in den übrigen Ländern Europas die Briefsprache im Mittelalter lateinisch. In den Klöstern und überhaupt von Geistlichen wurde das Briefschreiben eifrig betrieben, in den Klosterschulen die Bnefschreibetunst sehr gepflegt. Die Geistlichen besorgten in jener Zeit auch in den weltlichen Dingen alle Schreibereien und
< leiteten namentlich die Kanzleien der Großen. Hier kam es wesentlich auf die Beherrschung der Formen! nnd Formeln an. Es kamen da dem Unterricht früh! zeitig Mustersammlungen zu Hilfe, in denen Muster^ für den geschäftlichen und rechtlichen Verkehr ent^ halten waren. B. und Urkunde sind darin nichts geschieden; die Kunst, sie abzufassen, hieß die ai'8^ äiot Hiiäi. In Italien war sie ausgebildet worden,! man hatte eine Theorie geschaffen (namentlich Alberich von Monte Cassino), und den welschen Vorbildern folgte Deutschland nach. Der Gebrauch der lateinischen Sprache dauerte im Briefverkehr fast das ganze Mittelalter hindurch an. Indessen tauchen "doch auch früh Spuren eines Briefverkehrs in deutscher Sprache auf. Das Minnezeitalter widmete dem B., dem Vermittler nicht nur der Geschäfte, sondern auch der Liebe, eine besondere Pflege. Dieser Briefver! kehr war deutsch, und zwar in der Regel poetisch.
Hin und wieder begegnen uns aber auch deutsche Briefe in Prosa. Im 14. Jahrh, treten uns dann sogar Briefe in deutscher Prosa entgegen, die eine große Beherrschung der Sprache zeigen. Es sind dies die Briefe der deutschen Mystiker, die in ihrer Vollendung aber ganz und gar Ausnahmen sind. Die^ Regel blieb aber auch in dieser Zeit der lateinische V.
! Erst als im öffentlichen Verkehr die deutsche Sp räche! überhaupt mehr und mehr durchdrang, begann auch! der allgemeine Briefverkehr, dessen Charakter in> jener Zeit durchaus ein geschäftlicher war, allmählich in deutscher Sprache geführt zu werden. Aber der deutsche B. entstand durchaus aus dem lateinischen.
Oft wechselten beide Sprachen in demselben Briefe miteinander ab. Adresse, Anrede, Datum waren auch in sonst deutschen Briefen häufig lateinisch. Im 15. Jahrh, wird der deutsche B. endlich die Regel.
Das Pergament wurde in dieser Zeit von dem Papier fast ganz verdrängt, das Format war sehr groß. Der B. wurde aber in der Regel sehr klein zusammengefaltet und oft mit Fäden zur Sicherung durchzogen. Die Adresse war sehr umständlich, namentlich die Titel und Zusätze äußerst ausgedehnt.
Regelmäßig stand am Anfange des Briefes der Gruß oder die Diensterbietung; danach folgte die lange Anrede; am Schluß stand eine Empfehlung in Gottes Schutz oder abermals eine Diensterbietung. Auch sonst finden wir bestimmte Formeln, wie denn über: Haupt der B. durchaus etwas Schematisches hat und der Stil dem entsprechend höchst ungeschickt und schwerfällig und wesentlich Kanzleistil ist.
Der V. diente in jener Zeit der politischen Berichterstattung und besonders dem kaufmännischen Verkehr, dagegen dem geselligen, geistigen und freundschaftlichen Verkehr wenig. Das änderte sich allmäh! lich im 15. Jahrh. Einerseits ist ein bedeutender Stilfortschritt erkennbar (z. B. in den Briefen des Albrecht Achilles und seiner Gemahlin), und der schwerfällige Kanzleistil unterscheidet sich schon von dem leichten Stil der Privatbriefe, anderseits verliert der B. mehr und mehr den rein geschäftlichen Eharatter. Im 15.Iahrh. begannen auch die Briefsteller, d.h. Formelsammlungen, deutsch abgefaßt zu werden. Die bekanntesten sind das Augsburger »Formalari« und Riedrers Spiegel der waren Rhetoric«; spätere Verfasser von Briefstellern sind Frangk und Fabri von Höningen.
Im ausgehenden Mittelalter pflegte man den eigentlichen Briefen kleine Zettel (von ceäulir) beizugeben oder in diese einzuschließen. Der Ursprung der Sitte ist dunkel, man hat sie aus der Unsicherheit der Beförderung entwickeln wollen, aber ohne besondern