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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cahours; Caine; Caird; Cambon; Cambridge

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Cahours - Cambridge

sind, welche für Caffagiolo als charakteristisch gelten, sondern zum Teil auch eine der häufigsten Meistermarke von Caffagiolo ähnliche Signatur tragen. Die Scherben sind sicher Faentiner Arbeit. Auch das Medici-Wappen kommt auf ihnen vor. Diese Gründe sind alle unbestreitbar; da Faenza die ältere und jedenfalls bedeutendere Fabrik war, wird man von nun an nur diejenigen Stücke als toscanisch halten können, die den vollen Namen von Caffagiolo tragen. Die vollständige Bezeichnung "fatto in Caffagiolo" erklärt Argnani als Abkürzung der Worte "fatto in Casa Fagioli". En Töpfer dieses Namens hat sich in Faenza urkundlich nachweisen lassen. Diese Zusammenziehung ohne Kürzungszeichen ist aber nach dem Schreibgebrauch des 16.Jahrh. unmöglich. Auch existiert im Florentiner Staatsarchiv ein Brief von 1525, worin die Manufaktur von Caffagiolo erwähnt wird. Man muß also an ihrer Existenz festhalten, wenn man auch zugeben muß, daß sie durchaus abhängig von Faenza war und dessen Bedeutung niemals erreichte.

Cahours, Auguste André Thomas, Chemiker, starb im März 1891 in Paris.

Caine (spr. kehn), Thomas Henry Hall, gewöhnlich nur Hall C. genannt, engl. Schriftsteller, geb. 14. Mai 1853 zu Runcorn (Cheshire), stammt von Vaters Seite von der Insel Man, wo er auch einen Teil seiner Erziehung erhielt, und die er bisher in Vorträgen und dem anziehenden Buche "The little Manx nation" (1891) zu verherrlichen bestrebt war. Nachdem er schon sehr früh sich litterarisch bethätigt, erfuhr er den Einfluß des Dichters und Malers Dante Gabriel Rossetti, mit dem er bis zu dessen Tode zusammen lebte, und dem er "Recollections" (1881) gewidmet hat. Auch mit Wilkie Collins und Blackmore trat er in freundschaftliche Verbindung. Dann bereiste er Irland und Marokko, wo er Stoff zu seinen Romanen sammelte. Diese sind: "The shadow of a crime" (1885), bereits in 12. Auflage erschienen, "A son of Hagar" (1887), "The Deemster, a romance from the isle of Man" (1887, bereits 10 Auflagen), "Bondman, a new saga" (1890) und sein jüngstes Werk: "The Scape-goat", eine ergreifende Geschichte aus Marokko. C. hat auch "Sonnets of three centuries" (1882) herausgegeben und sich im Drama versucht, zunächst als Mitarbeiter Wilson Barretts in "Benmy-Chree", dann selbständig und auf des Theaterdirektors Irving Aufforderung in "Mahomet". Das letztere Drama ist jedoch infolge des Einspruchs von seiten indischer Mohammedaner nicht zur Aufführung gekommen. C. lebt zurückgezogen in der Seegegend Nordenglands.

Caird (spr. kährd), Mona, engl. Schriftstellerin, schott. Ursprungs, Tochter von John Alison, bildete sich autodidaktisch in den klassischen Sprachen, unternahm ausgedehnte Reisen, besonders durch Österreich, die Schweiz und Griechenland, und bethätigte lebhaftes Interesse namentlich für die Frauenfrage. Ihre beiden ersten Bücher: "Whom nature leadeth" und "One that wins", gingen indes ziemlich unbeachtet vorüber. Aber lebhaftes Aufsehen erregte sie 1888 durch einen Essay "Marriage", der in der Tagespresse eine lebhafte Erörterung der eigentümlichen Frage: Is marriage a failure? hervorrief. Ihr Roman "The wing of Azrael" (1890) ließ jedoch dieses Thema unberührt, ebenso die Novelle "A romance of the Moors" (1891). Ihre neueste Schrift ist "The morality of motherhood".

Cambon, Pierre Paul, franz. Diplomat, wurde 1891 zum französischen Botschafter in Konstantinopel ernannt. Sein Bruder Iules Martin C. erhielt 1891 den Posten eines Gneralgouverneurs von Algerien.

Cambridge. (Universität.) Das meiste in den ältern Büchern über die eigentümlichen Universitätsverhältnisse in C. Berichtete ist jetzt völlig veraltet, auch gilt das für ein bestimmtes College Richtige oft nicht für alle oder für die Universität als solche, und besonders oft wird in ältern Aufsätzen keine Scheidung zwischen Oxford und C. gemacht, deren Einrichtungen, obschon in den Grundzügen sehr gleichartig, doch im einzelnen zahlreiche Verschiedenheiten (auch in der Benennung) aufweisen. Eine auf genauer Kenntnis der in neuerer Zeit vielfach umgestalteten Verhältnisse beruhende Darstellung, die sich nicht nur auf die Verbesserung der alten Irrtümer, Ergänzung der Namen und Zahlen beschränkt, sondern auch das innere Leben, die Verfassung und Arbeit der Universität und der Colleges, die Arbeiten, Prüfungen und Erholungen der Studenten mit berücksichtigt, erscheint deshalb gegenwärtig, wo die Frage des öffentlichen Unterrichts durchweg in den Vordergrund gerückt ist, von besonderm Interesse. Eine Ergänzung findet die nachfolgende Darstellung in den Artikeln Oxford und Manchester (Victoria-University) dieses Bandes. Die University of London, gegenwärtig in einem Übergangsstadium, konnte füglich nicht mit herangezogen werden.

Die Universitätsgebäude, welche ziemlich nahe bei einander liegen und teilweise ganz neu, teilweise Jahrhunderte alt sind, haben meist ein stattliches Äußere. Wir erwähnen: die Universitätskirche (St. Mary the Great), welche als Mittelpunkt der Universität gilt, das Senatshaus (1730 vollendet, in dem alle großen Versammlungen des Senats stattfinden, Prüfungen und Wahlen abgehalten und die Grade der Universität verliehen werden), die Universitätsbibliothek, die Universitätsdruckerei (Pitt Press), Addenbrooke's Hospital (mit 120 Betten), zahlreiche, mit den neuesten Apparaten aufs vorzüglichste ausgestattete Laboratorien, eine etwas außerhalb der Stadt liegende Sternwarte. Neben mehreren großen naturwissenschaftlichen Museen besitzt C. auch ein Museum für klassische Archäologie, ein antiquarisches Museum und das herrliche, in reinstem griechischen Stil (1837-75) erbaute Fitzwilliam-Museum für Gemälde, Kupferstiche und sonstige Kunstgegenstände. Es fehlt noch immer ein einheitliches großes Gebäude für die Universitätsvorlesungen (besonders der philosophischen und juristischen Disziplinen), welche jetzt über die ganze Stadt verstreut, vielfach in einzelnen Colleges gehalten werden. Der botanische Garten ist gut angelegt und sehr reichhaltig. Die Universitätsbibliothek enthält jetzt an die 400,000 Werke und gut 6500 zum Teil sehr wertvolle Handschriften. Sie ist die drittgrößte und vermutlich älteste Bibliothek Englands und genießt (neben denen von London, Oxford, Edinburgh und Dublin) das Vorrecht, von jedem in Großbritannien gedruckten Buch ein Freiexemplar zu erhalten. Ein von den Universitätsmitgliedern, Graduierten wie Studenten, vielfach benutztes und nur ihnen geöffnetes, aber nicht der Universität als solcher gehöriges Gebäude ist das Klubhaus der Union Society, mit vielen Lesesälen, guter Bibliothek sowie einem großen Saal für die wöchentlichen studentischen Debatten über politische und soziale Fragen, an denen sich jedoch nicht selten auch ältere Mitglieder der Universität beteiligen. Ebenfalls nicht Univcrsitätseigentum, aber ein großer Schmuck der Universitätsstadt, sind die zahlreichen, zum Teil sehr