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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Cambridge (Universität: Colleges)
denten heißen offiziell unäer« i'^äuatog), des (^ourt ol Di'sci Mnk (für i)6r80N3 in 8tlUn pupiliari, d. h. Studenten und Lace ÄlÄursi), der (2) i^-ootors und (4) k'io-I'i'octoi'Z. Die Finanzen der Universität verwaltet der ^inaneiki Loai ci, dessen Bewilligung für alle geplanten Ausgaben zuerst eingeholt werden muß. Die Rechnungen der Universität werden alljährlich von drei Mitgliedern des Senats (^näiwi'8 ot' tlik 0k68t) geprüft. Fakultäten im Sinne der deutschen Universitäten hat man in C. nicht, vielmehr werden die einzelnen Studienzweige durch Sonderausschüsse unter dem Vorsitz des oder eines Fachprofessors vertreten. Man nennt diese Ausschüsse die 8i)6eia1 Vcmräs ot 8tuäi68; z. B. würde »t!w 8p6oia.1 Voarä lor Ilg.vv« zwar im allgemeinen der deutschen juristischen Fakultät entsprechen, aber nicht völlig, da fast nie alle Dozenten eines Faches im sp Eoial Lo^rä Sitz und Stimme haben. Augenblicklich besitzt die Universität die folgenden 12 6i)6eia1 Loarä8: Divinit^, I^^v, Nkäieiu6 und (an Stelle der deutschen philosophischen Fakultät) (,'iN88ie8, Oriental 8tuäi68, Nsäikval knä HIoä6in I^NN^'uaF68, Hi8tor^ and ^.vcii^Lolo A)^ Nor^i 8ci6nc6 (d. h. Philosophie und Volkswirtschaftslehre), HIu8i0, Ug.t1i6in^tio8, ?1i^8io8 g.nä ^ti6ini8tr^, L10I0F7 anä (^eolo^. Jeder 8p^eia1 35s)^rd entsendet einen Vertreter in die oberste Studienbehörde, den (^6U6i^1 Loarli ot 8tuäi68. Reformvorschläge werden erst im Schoße der 3p6ejk1 Voai'ä8 erwogen und ausgearbeitet, dann dem 66Q-6ra1 Loaiä zur Begutachtung vorgelegt und von diesem dem Senat zur Annahme empfohlen, welcher meist eine längere öffentliche Diskussion vorhergeht. Die Anstellung der meisten Universitätsdozenten erfolgt mit Bewilligung des Senats durch den (^6ii6i^1 ^oki'll c»f 8tu<Ü68. Die Sitzungen der Ausschüsse finden je nach Bedürfnis häufiger oder seltener in den t6i'M8 (s. unten) statt; es ist die Aufgabe der3p6eilü ZolU'll8) die Gegenstände für die verschiedenen Fachprüfungen alljährlich festzusetzen, das Vorlesungsverzeichnis ihres Faches aufzustellen und die Examinatoren zu wählen, über Gesuche behufs Zulassung zur Doktorwürde zu entscheiden u. dgl.
Zum Referat über Einzelfragen erwählt der 8p6ci^i Loarä meist aus seiner Mitte besondere Kommissionen. Zur Wahrnehmung sämtlicher andrer Interessen der Universität oder zur Entscheidung oder Vorberatung wichtiger augenblicklicher Fragen fungieren ferner noch eine ganze Reihe von Sonderausschüssen (8Mäi(;at68). So gibt es das ?r688 8Mäio!U6, I^idrai'^ 8)'iiäioHt6, ^ire ^isveution
8Mäi(3Nt6, NU8<UM8 «M«M Ii60tUl6 N00IN8 8MäiO
3^6 u. a. Auch sind viele der angesehensten (3i'Nä> Ukt68 6()V6I'N01'8 ot 80I100I8 und üben als solche auf die Leitung vieler großer Schulen einen bedeutenden Einfluß aus. Das Einkommen der Universität, welche, wie gesagt, keinerlei Staatszuschüsse erhält, ist verhältnismäßig gering, da besonders das ihr gehörige Land augenblicklich im Werte sehr gesunken ist. Die Universität C. als solche ist arm (Oxford ist weit reicher), und vieles Wünschenswerte wird verschoben aus Mangel an genügenden Mitteln. Manche Colleges sind allerdings sehr reich, aber man darf aus deren Privatvermögen keine Schlüsse auf die Finanzlage der Universität im großen und ganzen ziehen. Das Vermögen der Universität war z. B. im I. 1890: 45,899 Pfd. Sterl., während das größte College ('Iiiiiit)) allein 103,863, das zweitgrößte (8t. ^oku'8) 50,161 Pfd. Sterl. besaß.
Das der Universität C. etwa um 1575 verliehene
Wappen ist ein durch ein großes Kreuz in vier Felder geteilter Schild, auf deren jedem ein Löwe mit erhobener rechter Pranke steht. Inmitten des Kreuzes befindet sich ein rotes Buch mit Goldverschluß und -Ecken. Die Universität wird hierdurch als ein von der Krone beschützter Sitz der Wissenschaft bezeichnet.
Die Colleges, 17 an der Zahl, von denen die schönsten und größten (Nn^'8, ^linit^, 8t. ^oim'8) nebeneinander in den V^0^8 am Cam liegen, sind teilweise sehr alt. Das älteste, 8t. ?6t6r'8 ^oiik^e (meist ?et6i'1wu86 genannt), stammt aus dem 13. Jahrh. (1257, erste Charter 1284). Die Colleges sind unabhängige Korporationen, deren jede von ihren eignen Gesetzen regiert wird. Sie sind historisch im Laufe des Mittelalters aus den verschiedensten Anlässen hervorgegangen und wahren, obwohl sie sich allmählich einander mehr angenähert haben, doch zum Teil noch bis auf den heutigen Tag ihre bestimmte Individualität. Sie sind jünger als die Universität, deren Organisation von ihnen völlig unabhängig ist. Das ganze Collegesystem wurde im 13. Jahrh, in Oxford von Walter de Merton gegründet und war ursprünglich gegen Mönchtum und Papst gerichtet.
Es bezweckte die Heranbildung einer von der Klosterbildung unabhängigen liberalen Geistlichkeit, und Bildung der Geistlichkeit bedeutete damals Bildung der Nation. Hugh de Valsham, Bischof von Ely, stiftete nach W. de Mertons Vorbild das erste College (1^6t6l1i0U86) in C. Vorher, als die Universität aus einer freien Vereinigung von Lehrern und Studenten bestand, lebten die letztern, wo es eben ging, meist in Häusern der Stadt, manchmal mehrere zusammen unter der Aufsicht eines Lehrers. Solche Häuser hießen Inii8, L08tei8, gewöhnlich 11^113 (lat. au1a6) und wurden später von der Universität anerkannte wichtige Sammelplätze für Studenten. Die Ü08tLl8 waren also ursprünglich Privatanstalten und ohne Stiftungsvermögen. Später gingen mehrere in den Colleges auf, welche alle Stiftungen mit durch mannigfache Schenkungen oft zu bedeutender Höhe angewachsenem Vermögen zur Erhaltung von 80lit)i9.i-8 sind. Bis zur Mitte des 15. Jahrh, kamen zu?6t6rii0U86 noch fünf der noch jetzt bestehenden Colleges hinzu, einige andre sind jetzt eingegangen oder doch mit jetzt bestehenden verschmolzen. Alle führen jetzt offiziell die Bezeichnung »College« außer i'i'init^IIaii (zum Unterschied von ^i'init^ (^0116^6). Die 17 Colleges sind dem Alter nach: 8t. ^6t6i-'3 O)1i6A6 (?6t6i'Ii0U86), ^1aro, ?6mdro^6, 6onvi1i6 Niiä Oaw8, Irinit^ Lall, (Ü0i'M8 <Äii'i8ti, Xwß-'8,
HU66U8', 3t. (ükttksi'ilis's, ^68U8, Oiili8t'8, 8t. ^oim'8, 'I'liuit^, Nn MMNUßi, 8islnk)' 8U886X, Do-fVQ 1QF. Zu diesen kommen zwei sehr junge Il03t6l8: 8e1^M (^0il6«'6 (weniger bemittelte Studenten, streng religiöse Richtung) sowie das ?riv3.t6 Hostes: ^6l8t liaii. Das jährliche Einkommen der Colleges wird regelmäßig im »Hniv6i'8it^ Reporter« veröffentlicht. Bei der augenblicklichen großen Entwertung des Landes sind die Einnahmen vieler Colleges sehr erheblich heruntergegangen und damit der Wert der von ihnen verliehenen ^6i1o^v8kip8 ebenfalls. Die äußere Anlage der Colleges ist ziemlich die gleiche: das College besteht aus einem oder mehreren Höfen, in deren Mitte sich ein wohlgepflegter Rasenplatz befindet. Die Höfe sind von drei, meist von allen vier Seiten zugebaut und somit völlig vom Getriebe des Tages abgeschlossen.
Jedes College enthält einen geräumigen Speisesaal (Kali) für sämtliche Mitglieder des College; einen