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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Danilo - Degenfeld-Schonburg
offener königlicher Brief das Ministerium, zur Fortführung des Staatshaushalts in den Grenzen des Voranschlags die Steuern zu erheben und die Ausgaben zu leisten. Es war aber als ein Fortschritt zu betrachten, daß beide Kammern über das ordentliche Budget einig gewesen, und daß überhaupt eine Reihe wichtiger Gesetze zu stände gekommen waren: außer der Herabsetzung einiger Zölle und der Biersteuer die Gesetze über die Anlegung eines Freihafens in Kopenhagen, über die Altersunterstützung unbescholtener Armen, über die Sonntagsruhe u. a. Die Verdorrungspolitik der letzten Jahre hatte damit ein Ende. Die bäuerliche Bevölkerung zeigte sich überall damit einverstanden, daß der Bund ihrer Vertreter mit den Radikalen und Sozialdemokraten gelöst war und dieselben nun eine starke, zugleich demokratische und konservative Mittelpartei bildeten. Die königliche Staatsmacht hatte überdes Parteistreben nach Parlamentsherrschaft den Sieg davongetragen, und dabei war infolge der erzwungenen Ersparnisse ein Barbestand in der Staatskasse angesammelt worden, welcher die finanzielle Lage der Regierung sehr erleichterte.
Das Ministerium Estrup erlitt eine geringe Veränderung im August durch den Austritt des Kultusminister Scaveni'us, der durch den Professor Goos er- ! setzt wurde. Der Reichstag wurde 5. Okt. 1891 wieder eröffnet und ihm sofort der Voranschlag des Staats-Haushalts für 1892/93 vorgelegt, welcher die Einnahmen auf 53,965,558, die Ausgaben auf 58,578,340 Kr. schätzte, also ein Defizit von 4,612,782 annahm;3 Mill. waren wieder für die Kopenhagener Befestigung bestimmt. Bei der ersten Lesung des Staatshaushalts im Folkething (13.-16. Okt.) sprachen die Radikalen nicht nur auf das entschiedenste gegen die neuen Ausgaben für die Landesverteidigung, sondern verlangten auch, daß die bereits angelegten Befestigungen wieder geschleift würden. Von der Rechten trat der frühere Kultusminister Scavenius ebenso entschieden für die Provisorien (provisorischen Budgets) ein und rühmte ihre günstigen Folgen für die Staatsfinanzen; um nur dem Gehader ein Ende zu machen, habe sich die Rechte nachgiebig gegen die Mittelparteibewiesen. Diese zeigte sich regierungsfreundlich, wollte aber von den Provisorien nichts wissen, und der Kriegsminister sprach die Zuversicht aus, daß das Folkething die Negierungssoroerungen bewilligen und Provisorien also nicht notwendig sein würden. Der Staatshaushaltsentwurf wurde darauf dem Finanzausschuß überwiesen, zu dessen Vorsitzenden ein Mitglied der gemäßigten Linken, Tullin, statt des radikalen Hörup gewählt wurde. Auch bei der Neuwahl des Präsidenten des Folkethings wurden die Radikalen vom Präsidium ausgeschlossen. Als bei der Anregung einer allerdings dringend notwendigen Justizreform der Führer der radikalen Linken, Berg, den Antrag stellte, das Ministerium zum Rücktritt aufzufordern, damit die Reform unter der Leitung einer den Grundgesetzen treuen Regierung vollzogen werden könne, fand derselbe keine Zustimmung; vielmehr wurde mit 60 gegen 30 stimmen ein Antrag angenommen, den Justizminister Nellemann zu ersuchen, den schon 1881 vorgelegten, damals aber wegen der Verdorrungspolitik des Folkethings nicht erledigten Gesetzentwurf über die Umgestaltung des Rechtswesens einzubringen. Es handelte sich namentlich um die in D. noch immer nicht durchgeführte Trennung der Gerichtsbarkeit von der Verwaltung und eine Verminderung der Obergerichte. Der Tod Bergs (November 1891), an dessen Stelle ein Gemäßigter zum Vorsitzenden des Finanzausschusses
gewählt wurde, trug auch zur Versöhnung der Parteien bei. - S. auch Art. Volksvertretung.
Danilo, Pietro witsch Njegosch, Fürst von Montenegro. Seine Witwe, Darinka, starb 14. Febr.
1892 in Venedig.
Tanton, Georges Jacques, franz. Revolutionär. Nicht ohne Widerspruch seitens der Konservativen in den Kammern, aber unter Teilnahme der Behörden wurde 14. Juli 1891 ein Standbild Dantons in Paris enthüllt.
Tarm, Bewegung, s. Magen; Anthropologisches, s. Eingeweide.
Datumcier, s. Eier Handel.
Daublebsky von Sterneck, Moritz, Ritter, österreich. General, geb. 24. Mai 1834 zu Prag als der Sohn eines Rechtsgelehrten, absolvierte die Neustädter Militärakademie, trat 1852 als Leutnant in das Pionierkorps, ward 1858 Hauptmann im Generalstab, nahm an den Feldzügen 1859 in Italien als Generalstabschef der Division Lilia, 1864 gegell Dänemark bei der Brigade Gondrecourt und als Major 1866 in Italien bei der Streifbrigade Zastavnikovic, dann als Generalstabschef der Besatzungstruppen von Verona mit Auszeichnung teil. 1869 beteiligte sich D. als Oberstleutnant und Generalstabschef Auerspergs an der Unterdrückung des Aufstandes in Süddalmatien, ward 1873 Kommandant des Pionierregiments, 1875 Oberst, 1877 Generalstabschef beim Generalkommando in Prag, 1879 Kommandant der 8., 1880 der 3. Infanterie-brigade und Generalmajor, 1881 der Kriegsschule in Wien, 1885 Feldmarschallleutnant, Ende desselben Jahres Stellvertreter des Chefs des Generalstabs.
1887 mit dein Kommando der 27. Infanterietruppen-Division in Kaschau betraut, 1889 dem 2. Korpskommando in Wien zugeteilt, wurde D. 21. Okt. 1891 auf den neukreierten wichtigen Posten des Stadtkommandanten von Wien berufen. Er ist seit Dezember 1890 Inhaber des 35. Infanterieregiments.
Tautresme, Auguste Lucien, franz. Politiker (Bd. 18), starb 19. Febr. 1892 in Paris.
David, Jakob Julius, Dichter und Kritiker, geb. 6. Febr. 1859 zu Weißkirchen (Mähren), studierte an der Wiener Universität Germanistik, wurde auch hier Doktor der Philosophie und widmete sich der Schriftstellerei. Er schrieb: »Das Hüferecht ,, eins Erzählung (Dresd. 1890); »Die Wiedergebornen«, Novellen (das. 1891); »Das Blut ,, Roman, und »Gedichte« (das. 1892). Auch als Dramatiker hat er sich versucht mit dem Schauspiel »Hagars Sohn« (Wien 1891). D. stand lange Zeit unter dem Einfluß K.
F. Meyers, dessen historische Novellistik er mit nicht gewöhnlichem Sprachgefühl nachahmt; doch zeigen seine letzten Werke eine originale Persönlichkeit, deren eigentümliche Neigung es ist, Menschen von starkem Willen und sprödem Herzen, von einer bis zum Eigensinn gesteigerten Energie darzustellen. In seinem kräftigen dramatischen Erstling ist der Einfluß Anzengrubers zu merken. Davids ursprüngliche Lyrik ist herb, ernst, aber auch echt und innig. Er ist Theaterkritiker der Wiener Montags-Nevue und Mitarbeiter der > Nation«.
Teck, Theodor, Direktor der Porzellanmanufaktur in Sevres, starb 15. Mai 1891.
Deflation, s. Denudation und Wüste.
Degenfeld-Schonburg, Christoph, Graf von, österreich. General, Sohn des Feldzsugmeisters August, Graf von D. (s. Bd. 4), geb. 3. Mai 1831 zu Mainz, trat 1847 als Kadett in die Armee, nahm 1848 an der Beschießung und Einnahme von Wien,