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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Deutsch-Südwestafrika - Dezimalmaß
panien bestehende Schutztruppe ist ihm betreffs der Verwaltung und Verwendung unterstellt, während sie in Bezug auf militärische Organisation und Disziplin unter dem Reichskanzler (Reichsmarineamt) steht. Die Stellen der Offiziere und Unteroffiziere werden durch deutsche Militärs besetzt, doch können Farbige bei jeder Kompanie eine Leutnants- und einige Unteroffiziersstellen bekleiden. Der Stab der Schutztruppe steht in Dar es Salaam, die 10 Kompanien sind verteilt auf Dar es Salaam, Bagamoyo, Saadani, Tanga, Pangani, Masinde, Kilwa, Lindi, Mikindani, Moschi, Mpawpa und Tabora. Die Flottille zur Disposition des Gouverneurs besteht aus drei Dampfern, zwei von 24, einer von 17 Ton. Mit 9. April 1891 trat die Einteilung der Küste in fünf Bezirke: Tanga, Bagamoyo, Dar es Salaam, Kilwa und Mgan, in Kraft; jeder Bezirk steht unter einem Bezirkshauptmann. Das Reich hat 1. Juli 1891 die Zollverwaltung übernommen. Als Hauptzollämter, über welche nur der direkte Auslandsverkehr gestattet ist, wurden erklärt Tanga, Pangani, Bagamoyo, Dar es Salaam, Kilwa, Lindi und Mikindani. Die Einfuhr betrug 18. Aug. 1889 bis 28. Febr. 1890: 1,996,221, die Ausfuhr 2,050,552 Rupien (zu 1,5 Mk.). Aus Deutschland wurden 1890 eingeführt für 489,000 Mk., dorthin ausgeführt für 320,000 Mk. Waren. Von der Ausfuhr entfallen auf Elfenbein 111,000, auf Palmkerne u. Kopra 74,000, auf Kautschuk 66,000, auf Gewürznelken 41,000 Mk.
Der im deutschen Dienst beschäftigte Engländer Stokes sowie Emin Pascha und Leutnant Sigl schlossen Verträge mit zahlreichen Häuptlingen in der deutschen Interessensphäre ab, wodurch diese ihr Land dem Deutschen Reich unterstellten. Eine unter Zelewski gegen die Wahehe entsandte Expedition erlitt 17. Aug. 1891 eine schwere Niederlage, in der außer dem Führer noch 9 Europäer (3 Offiziere, 6 Unteroffiziere), 250 Soldaten und 96 Träger fielen. Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft schloß 3. Aug. 1891 mit der kaiserlichen Regierung einen Vertrag, in dem sie die Verpflichtung zur Bildung einer Eisenbahngesellschaft übernahm. Das sogleich vorläufig mit einem Kapital von 2 Mill. Mark, das bis 15 Mill. erhöht werden kann, gebildete Konsortium, die »Eisenbahn-Gesellschaft für D. (Usambara-Linie)«, wird zunächst eine Eisenbahn von Tanga nach Korogwe am Pangani erbauen, aber auch bei andern Eisenbahnunternehmungen sich beteiligen, Hafenanlagen machen, Lagerhäuser errichten u. a. Die Bahn soll event, nach Tabora oder nach dem Kilima Ndscharo weiter gebaut werden. Eine Bahn von Bagamoyo nach Dar es Salaam wird bereits vermessen. Nach Vollendung derselben hört Bagamoyo auf, Ausfuhrhafen zu sein. Seitens der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft ist die Prägung von silbernen Rupien sowie von ^2 und V4 Rupienstücken veranlaßt worden. Der ganze bisher in Sansibar domizilierte Verwaltungsapparat der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft wurde nach Dar es Salaam verlegt, auch das Krankenhaus der evangelischen Missionsgesellschaft für D., welches auf dem Immanuelskap am Hafeneingang errichtet wurde. - Über die Missionsthätigkeit im Gebiete von D. vgl. den Artikel Mission.
Deutsch-Südwestafrika. Nach den zwischen Deutschland und England 17. Juni 1889 getroffenen Abmachungen führt die Grenze zwischen der deutschen und englischen Interessensphäre vom 22.° südl. Br. nach O. bis zum 21.° östl. L. v. Gr., von da nach N. längs dieses Grades bis zum Schneidepunkt mit dem 18.° südl. Br. und von da nach O. längs des Tschobiflusses bis zu dessen Mündung in den Sambesi. Der schmale Landstreifen zwischen diesem Fluß und dem 24.° östl. L. soll an keinem Stelle weniger als 16 km breit sein. Ein deutscher Reichskommissar hat mit einem kleinen Stab seinen Sitz in Windhoek, wo auch eine 50 Mann starke deutsche Schutztruppe ihr Hauptquartier hat. Im südwestafrikanischen Schutzgebiet lebten 1. Jan. 1892 ohne Schutztruppe und Regierungsbeamte 622 Europäer, fast alle Händler oder Viehzüchter, darunter 310 Deutsche (21 Missionare), 273 Engländer, 19 Schweden, 10 Holländer, 8 Finnländer etc. und 116,100 Eingeborne, darunter 3000 Mischlinge, je 30,000 Herero, Ovambo und Okavango, 8100 Namaqua, 12,000 Bergdamara und 3000 Buschleute. Die Einfuhr betrug 1890: 473,700, die Ausfuhr 115,000, die Einnahmen und Ausgaben je 294,420 Mk., wovon das Reich 292,300 Mk. als Zuschuß gab. Über die Missionen in D. s. Mission.
Deventer, M. L. van, niederländ. Historiker, geb. 1831, trat in die Beamtenlaufbahn ein, ward im Ministerium des Äußern angestellt und war einige Jahre niederländischer Generalkonsul in Rio de Janeiro. Er schrieb: »Het jaar 1566« (Haag 1856); »Gedenkstukken van Johan van Oldenbarnevelt en zyn tijd« (bis 1609, Haag 1860-66, 3 Bde.); »Geschiedenis der Nederlanders op Java« (das. 1886); »Het englisch gezag in Java« (das. 1891, Bd. 1); auch vollendete er de Jonges Werk: »De opkomst of het nederlandsch gezag in Oost-Indie« (das. 1884-86, 3 Bde.) und übersetzte das Werk von Motley: »Life and death of John of Barnevelt« ins Niederländische. D. starb 22. Jan. 1892.
De Vere, Aubrey Thomas, engl. Dichter und Politiker, geb. 10. Jan. 1814 zu Curragh Chase (Irland), wurde auf dem Trinity College zu Dublin gebildet und trat zuerst 1842 mit »The Waldenses, or the fall of Rora« (1842) als Dichter auf. Es folgten: »Searches after Proserpine, and other poems« (1843), die ihn bald in weiten Kreisen vorteilhaft bekannt machten; »Poems, miscellaneous and sacred« (1856); »May Carols« (1857); »The Sisters, and other poems« (1861); »The infant bridal« (1864); »Irish odes« (1869); »The legends of St. Patrick« (1872); »Antor and Zara, an eastern romance« (1877); »Legends of the Saxon saints« (1879); »Legends and records of the Church« (1887); »Essays, chiefly on poetry« (1887, 2 Bde.). Er schrieb ferner mehrere Dramen: »Alexander the Great« (1874), »St. Thomas of Canterbury« (1876) und »Mary Tudor« (neue Ausg. 1884); ein Reisewerk: »Picturesque sketches of Greece and Turkey« (1850), und zahlreiche polemische Schriften in Sachen Irlands und der katholischen Kirche, in deren Dienst D. seine litterarische Thätigkeit vornehmlich gestellt hat. D. lebt in London. Seine »Poetical works« erschienen gesammelt in 3 Bänden (1884).
Devonshire, William Cavendish, 7. Herzog von, starb 21. Dez. 1891 auf Hardwicke Hall; er hatte sich seit Jahren großen industriellen Unternehmungen mit Erfolg gewidmet. Sein Nachfolger als achter Herzog von D. wurde fein ältester Sohn, der Marquis von Hartington.
Dezimalmaß. Die Bestrebungen zur Herstellung einer universellen, unveränderlichen Maßeinheit für die Länge beginnen um die Mitte des 17. Jahrh. mit dem Vorschlag von Huyghens, die Länge des Sekundenpendels als Längeneinheit zu wählen. Später ist dann das metrische System zur Geltung gelangt, und es ist gegründete Aussicht vorhanden,