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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Eingeweide - Einheitszeit
erinnerndes Ei legte, erscheinen als eine Stütze der Theorie des »Versehens«, nach welcher plötzlich und sehr tief aufgenommene Eindrücke aufdemim Merden begriffenen Produkt des Mutterleibes sich irgendwie wiedergeben können.
Form, Farbe und Größe des Eies kommen mit dessen weitern Eigenschaften, speziell dem Geruch und der momentanen Temperatur, auch in Betracht bei dem Verhalten der Vögel gegen fremde Eier in ihrem Neste, worüber Leuerkühn Untersuchungen angestellt hat. Es kamen zur Beobachtung das Verhalten der Vögel gegen Eier derselben Art und gegen Eier einer andern Art, wobei jedesmal wieder unterschieden wurde, ob die Eier durch Menschen oder durch die Vögel selbst in das Nest der Adoptiveltern gelegt wnrden. Bei einigen Vogel-Gruppen herrscht eine große Indifferenz gegen fremde Eier derselben Art im eignen Neste; besonders gilt dies von den kolonienweise brütenden Seevögeln; doch ist auch bei Einzelbrütern ein Zusammenlegen zweier Weibchen der gleichen Art in dasselbe Nest konstatiert, und zwar bei Rotschwanz, Neuntöter, Krähe, Amsel, Schleiereule, Fasan, Bachstelze, Rebhuhn, Wasserhuhn. In allen diesen Fällen ist stets Wohnungsnot als Beweggrund dieses Verfahrens anzusehen; daß unser Hausgeflügel ohne Bedenken die Eier andrer Genossen der gleichen Art, die ihm vom Menschen untergelegt werden, übernimmt, ist bekannt. Die Ablage der Eier in das Nest einer andern Art kommt, vom Kuckuck abgesehen, in der Natur selten vor; sie hat in den meisten Fällen ihren <3rund entweder in momentaner Legenot, indem das Weibchen, vom Legetrieb überrascht, zufällig vom eignen Nest weit entfernt ist, oder im Wohnungsmangel, unter dem in unsrer Zeit besonders die Höhlenbrüter leiden. Durch den Menschen ausgeführte Experimente mit der Unterlage der Eier fremder Arten beziehen sich meist auf Stubenvögel, zum Teil aber auch auf wild lebende Vögel. In großem Maßswb geschah es bei der Wiederbesetzung Schottlands mit dem ausgerottet gewesenen Auerwild, indem die Eier dieser Art wilden Virkhennen untergeschoben und von diesen ausgebrütet wurden. Als Gesamtresultat der Leverkühnschen Untersuchungen ergab sich, daß in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle fremde Eier im Nest angenommen werden. Von 171 zu wiederholten Malen beobachteten Arten nahmen 117 fremde Eier an, während 54 dieselben zurückwiesen, resp. das Nest verließen. Von den dauernden Eigenschaften der Eier, Größe, Form und Farbe, scheint die Farbe die geringste Nolle bei dem Entscheid über Annahme oder Nichtannahme zu spielen; weit wichtiger sind überhaupt der Geruch und die Temperatur des Stiefeies, indem besonders, wenn dieses erkaltet ist, auch Vögel, die sonst fremde Eier annehmen, in diesem Fall das Nest verlassen. Vgl.
Bourcart, Erklärung der Variation der Vogelerer (Genf 1889); Leverkühn, Fremde Eier im Nest (Verl. 1891).
Eingeweide (Anthropologisches). Nach Cuvier soll die Gesamtlänge des Darmes das Sechs- bis Siebenfache der Körperlänge, nach Sappey die Darmlänge bei Weißen von mittlerer Statur durchschnittlich 9600 mm betragen, wovon 8000 min auf den Dünndarm, 1600 auf den Dickdarm kommen sollen. Dagegen betrug bei 9 von Chudzinsky untersuchten Negern die Gesamtdarmlänge durchschnittlich 8667 min, also fast 1000 mm weniger als bei den von Sappey untersuchten Weißen. Daß die Gesamtlänge des Darmes beim Neger beträchtlich geringer ist als beim
Weißen, beruht auf der relativen Kürze des Dünndarmes der schwarzen Nasse, denn der Dickdarm ist beim Schwarzen sogar noch etwas länger als beim Weißen. Die angeblichen Beziehungen der Darmlänge zur Körperlänge werden von Chudzinsky in Abrede gestellt; derselbe konstatierte jedoch das Vorhandensein von individuellen Verschiedenheiten. Der Durchmesser der Leber in der Richtung von vorn nach hinten beträgt beim Weißen durchschnittlich 200 mm, beim Neger nur 165 mm; der Querdurchmesser der Leber beträgt beim Weißen durchschnittlich 280 mm, beim Neger'273 mm. Die beiden soeben erwähnten Leberdur'chmesser sind beim Orang-Utan ein wenig geringer, nämlich 150, bez. 260 mm. Das mittlere Gewicht der Leber beläuft sich beim Weihen durchschnittlich auf 1451, beim Neger nur auf 1266 Z-. Die durchschnittliche Länge der Milz ist beim Weißen 123mm, beim Neger 98mm, die Dicke dieses Organs beim Weißen 82, beim Neger 60 mm. Das durchschnittliche Gewicht der Milz beim Weißen 195, beim Neger 171 ^.^. Auch die Nieren zeigen ebenso wie Leber und Milz beim Weißen bedeutendere Dimensionen und ein höheres Gewicht als beim Neger; bei9 von Chudzinsky untersuchten Negern war die linke Niere regelmäßig etwas größer und schwerer als die rechte. Die Niere des Orang-Utan ist sehr viel kleiner und leichter als die des Menschen und mehr der Kugelform sich annähernd. Die Nebennieren besitzen allein Anschein nach beim Neger ein größeres Volumen als beim Weißen.
Gillgleijungsvorrichtungcn für Eisenbahnfahr zeuge, s. Eisenbahnbetrieb.
Ginheitszeit. In der 1890 stattgehabten Generalversammlung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen wurde (s.Bd. 18, S. 226 f.) auf Antrag der Verwaltung der ungarischen Staatsbahnen beschlossen, eine einheitliche Zonenzeit (das sogen. Stundenzonensystem) mit Beginn der Sommerfahrplanperiooe (1.Juni) des Jahres 1891 für den innern Eisenbahndienst einzuführen und die allgemeine Einführung gedachter Zonenzeit auch im bürgerlichen Leben als empfehlenswert zu bezeichnen. Nach diesem Beschluß waren die lediglich für die Eisenbahnbediensteten (nicht für das Publikum) bestimmten Fahrpläne dergestalt aufzustellen, daß der überwiegende Teil der Vereinsverwaltungen, nämlich alle deutschen und österreichisch-ungarischen Eisenbahnen, die Zeit des 15. Meridians östl.v.Gr.(2.Zone, von der europäischen Fahrplankonferenz mitteleuropäische Zeit genannt), die belgischen und niederländischen Eisenbahnen die Greenwicher Zeit (1. Zone) und die rumänische und Warschau-Wiener Eisenbahnverwaltung die Zeit des 30. Meridians östl. v. Gr. (3. Zone, osteuropäische Zeit) anzunehmen haben. Die Zeiten dieser drei Zonen weichen unter sich um je 1, bez. 2 volle Stunden ab.
Der Zeitunterschied der 2. Zone (mitteleuropäische Zeit) beträgt gegen die bisher für Preußen gültige Berliner Zeit 6 Minuten, gegen die Münchener Zeit 14, die Stuttgarter 23, die Ludwigshafener und Karlsruher Zeit rund 26 Minuten. Die Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen, die preußischen Staatsbahnen und die übrigen norddeutschen Eisenbahnen haben dem Vereinsbeschluß entsprechend mit 1. Juni 1891 die Mitteleuropa>sche Zeit (abgekürzt M. E.
Z.) für ihren innern Dienst eingeführt. In Süddeutschland, wo sowohl für den innern und äußern Eisenbahndienst als für den allgemeinen bürgerlichen Verkehr die Ortszeit von Karlsruhe für Baden), von Stuttgart (für Württemberg) und von München (für