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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Elektrische Leitungen - Elektrische Maschinen
Konsumstelle entfernt ist; es gibt auch hier eine Grenze. Eine von der Lauffener etwas abweichende Kraftübertragung, jedoch auch mit Mehrphasenstrom, hatte die Firma Schuckert u. Komp. in Nürnberg auf der Frankfurter Ausstellung vorgeführt; sie bestand im wesentlichen aus einer selbsterregenden Mehrphasenstrommaschine mit vier Fernleitungen, welche den Strom vom Palmengarten Zu Frankfurt a. M. nach der Ausstellung überleiteten; dort wurde der Strom mittels eines Mehrphasenstrom-Gleichstromtransformators in Gleichstrom verwandelt und dieser zur Speisung einiger Gleichstrommotoren in den Werkstätten der Ausstellung benutzt.
Elektrische Leitungen. Die wesentlichen Neuerungen auf dem Gebiete der elektrischen Leitungen beziehen sich zumeist auf betriebssichere Fortleitung sehr hoher Spannungen, also auf möglichst vollkommene Isolierung der Leitungen gegen ihre Umgebung. Bei unterirdischen Leitungen (Kabeln), muß die gesamte Länge mit Isolationsmasse umgeben sein, bei oberirdischen Leitungen dagegen brauchen nur die Stützpunkte eine ausreichende Isolation zu besitzen. Während man bislang ökonomische Kabel für 10,000 Volt Spannung noch für etwas schier Unerreichbares hielt, bieten heute bereits einige Fabriken 10,000 Volt-Kabel unter Garantie an; ja Siemens Brothers and Co. hatten ein 400 m langes Doppelkabel in Frankfurt a. M. ausgestellt, welches, mit 20,000 Volt gespeist, einen Teil der Main-Ausstellung mit Licht versorgte. Bevor das Kabel dem Betrieb übergeben wurde, war es 4 Stunden lang mit 50,000 Volt geprüft worden. Es besteht aus zwei mit je einer etwa 1 ein starten Guttaperchaschicht umgebenen Kupferleitungen, welche in einem Drall von ca. 1 in umeinander gewunden sind und zum äußern Schutze zusammen in eine mit Asphalt getränkte Hanfhülle gebettet sind.
^[Abbildung:]Fig. 1. Älterer Porzellanisolator.
^[Abbildung:]Fig. 2. Ölisolator.
^[Abbildung:]Fig. 3. Ölisolator.
Bei oberirdischen Leitungen für hohe Spannungen haben sich die gewöhnlichen Porzellanisolatoren, wie sie sich bei Telegraphenleitungen 2c. in allgemeiner Verwendung befinden, als nicht mehr ausreichend erwiesen. Bei diesen wird durch einen oder mehrere Zacken a, b (Fig. 1) ein direkter Übergang der Feuchtigkeit von dem Porzellanmantel l nach dem Eisenbolzen F so ziemlich ausgeschlossen, und diese kann daher zwischen dem gestützten Draht li und dem etwa feuchten Mast eine leitende Verbindung mit der Erde kaum herstellen: wenigstens reicht die Isolation^[im Faksimile Satzfehler Isolalation] aus, solange der Draht <I nur Ströme niederer Spannung (bis zu 600 Volt) führt. Für höhere Spannungen muß man jedoch noch für eine bessere Isolation sorgen, denn man hat sehr häufig mit dem Fall zu rechnen, daß sich die ganze Isolatorglocke außen und innen mit Feuchtigkeit beschlägt, und schon dies genügt, um der hohen Spannung eine Brücke zum Übergang zur Erde zu bieten. Um auch hiergegen Vorkehrungen zu treffen, biegt man den Porzellanmantel nach innen auf und füllt die so entstandene Rinne a mit Öl aus (Fig. 2); dieses Öl wird dann, da leichter als Wasser, immer an seiner Oberfläche zwischen d und o eine starke isolierende Schicht bilden und selbst bei den stärksten Spannungen den Bolzen genügend von dem Porzellanmantel isolieren. Versuche haben ergeben, daß mittels dieser sogen. Ölisolatoren Ströme von 20,000 und mehr Volt betriebssicher geleitet werden können. Eine andre Art von Ölisolatoren zeigt Fig. 3. Hier sehen wir mehrere Rinnen angeordnet, welche mit Öl gefüllt werden; sie bieten einen erhöhten Schutz. Bei der Lauffeuer Kraftübertragung wurden ca. 9000 Ölisolatoren verwendet, und zwar 6000 von der Form in Fig. 2, und 3000 von jener in Fig. 3. Fig.4 zeigt ferner das Leitungsgestänge für die drei von Lauffen nach Frankfurt a. M. führenden Drähte.
Eine weitere Neuerung bezieht sich vorwiegend auf die Verlegung von Drahtleitungen in eleganten Räumen. Die Leitungen werden in eigens dazu hergestellte Röhren von unverbrennbarer Papiermasse verlegt. Diese Röhren können wie Holz- oder Gipsleisten zugleich als Dekoration dienen. Sie sind ferner wasserdicht und bieten dadurch den Leitungen noch erhöhten Schutz.
Elektrische Maschinen (hierzu Tafel), Vorrichtungen, durch welche mechanische Energie in elektrische übergeführt wird. Zwei wesentliche Bestandteile muß eine elektrische Maschine besitzen, wenn sie ihren Zweck erfüllen soll, und zwar I) ein magnetisches Feld und 2) einen mit Drahtlagen umgebenen Kern (den Anker), welcher in dem magnetischen Felde bewegt werden kann. Das magnetische Feld wird gebildet durch zwei oder mehrere Magnetpole und enthält den ganzen Raum, innerhalb dessen eine Wirkung der Magnetpole auf Eisen, Magnete oder stromdurchflossene Leiter noch bemerkbar ist.
Für die Stromerzeugung mittels elektrischer Maschinen bietet die Wirkungsweise eines gewöhnlichen Flügelventilators ein anschauliches Analogon. Wie die Ventilatorflügel bei ihrer Drehung in einem lufterfüllten Raume auf der einen Seite eine Luftansammlung und auf der andern eine Luftverdünnung hervorrufen, welche sich wieder auszugleichen suchen, so erzeugt der im Magnetfeld gedrehte Anker an dem einen Ende seiner Wickelung eine Elektrizitätsanhäufung, an dem andern Ende einen Elektrizitätsmangel, und durch diese Differenz tritt zwischen den beiden Enden der Wickelung das Bestreben auf, das Plus und das Minus an Elektrizität